Fukushima aktuell: Radioaktives Erdreich soll im Straßenbau verschwinden

Fukushima aktuell: Radioaktives Erdreich soll im Straßenbau verschwinden

Erster Straßenbauversuch mit kontaminiertem Erdreich bereits geplant

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Artikelbild - Präfektur Fukushima: Nationalstraße 114 durch Namie (Foto: pd)
Präfektur Fukushima: Sorgen um den Transport kontaminierter Abfälle (Symbolfoto: pd)

Die aktuell gemeldeten Pläne zur Entsorgung von Dekontaminationsabfällen dürften in Fukushima heute genau so auf Skepsis gestoßen sein, wie außerhalb der Präfektur.

Dabei sprechen die Fukushima News ein Problem an, das bereits vor mehreren Jahren zu kritisierten Bauprojekten geführt hatte. Informationen über die aktuellen Pläne gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 8. Juni 2016.

Unsere heutigen Themen:

  • Radioaktives Erdreich soll in Straßenbau wandern
  • Freigabe des zurückgehaltenen Tschernobyl-Berichts angekündigt

Radioaktives Erdreich soll in Straßenbau wandern: Wie das Umweltministerium gestern in Tokyo bekannt gab, will man bei der Beseitigung von kontaminiertem Erdreich sprichwörtlich neue Wege gehen, und das Material im Straßenbau verwenden.

Die Erde fällt bei der Dekontamination von Gelände an, da hierbei die oberste Erdschicht entfernt wird, um das Strahlungsniveau der Umgebung zu senken.

Dieses Erdreich soll nun als Grundschicht für Straßen dienen. Auf das Fundament sollen dann weitere Schichten von nicht kontaminiertem Material, wie etwa Asphalt bis zu einer Höhe zwischen 50 und 100 Zentimetern aufgetragen werden.

Nach Angaben des Umweltministeriums will man nur vergleichsweise gering belastetes Erdreich mit Cäsiumwerten zwischen 5.000 und 8.000 Becquerel pro Kilogramm nutzen.

Gemeinsam mit den Deckschichten stelle dies sicher, dass die jährliche Belastung dort nicht über 0,01 Millisievert liegt, so dass keine Gesundheitsgefährdung für die Bewohner angrenzender Gebiete bestehe.

Ein erste Feldversuch soll noch in diesem Sommer in Minamisoma erfolgen. Sollte sich das Vorgehen als erfolgreich erweisen, könnte der Einsatz als Baumaterial die Menge an kontaminiertem Erdreich in Zwischen- und Endlagern deutlich verringern.

Allein im Zwischenlager auf dem Gelände der Gemeinden Okuma und Futaba werden bis zu 22 Millionen Kubikmeter an radioaktiv belastetem Aushub erwartet.

Ob die Gemeinden innerhalb und außerhalb der Präfektur jedoch Verständnis für die Verwendung des radioaktiv belasteten Materials in ihren Bauprojekten zeigen werden, ist fraglich.

Vize-Umweltminister Shinji Inoue erklärte, es sei wichtig, das Vertrauen der Bevölkerung für die Recycling-Pläne zu gewinnen, indem man die Sicherheit der Nutzung gewährleiste. Über die Pläne berichteten jiji und Präfekturmedien.

In der Vergangenheit waren bereits umstrittene   Bauarbeiten mit kontaminiertem Material durchgeführt worden, wie im Januar 2012 aufgedeckt wurde. Auch der Bau von mindestens einem Privathaus mit radioaktiv belastetem Zement kam damals ans Licht

Im Mai 2014 gab es Gespräche über die Weiterverwendung von Erde aus Zwischenlagern und im Dezember 2015 wurden Pläne zur Wiederverwendung radioaktiv belasteter Erdabtragungen diskutiert.

Freigabe des zurückgehaltenen Tschernobyl-Berichts angekündigt: Am gestrigen Dienstag gab die Atomaufsichtsbehörde bekannt, einen Bericht zu den gesundheitlichen Folgen der Tschernobyl-Katastrophe in naher Zukunft auf der Webseite ihres Büros zu veröffentlichen.

Der 50 Millionen Yen teure Bericht, dessen Zusammenstellung zwischen 2012 und 2013 erfolgte, widerspricht Behauptungen über Gesundheitsfolgen in älteren Berichten.

Die Regierung war von Experten dafür kritisiert worden, dass der Bericht ohne öffentliche Bekanntgabe in die National Diet Library abgelegt wurde – internen Quellen zufolge auch, um die Besorgnis vor Strahlungsfolgen nicht zu schüren.

Die Atomaufsichtsbehörde NRA räumte ein, dass dies kein angemessenen Vorgehen gewesen sei und erklärte darüber hinaus, sich auch ähnlichen Anträgen zur Freigabe von Informationen zu befassen. Das berichtete die Mainichi Shimbun.

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