Fukushima aktuell: Radioaktives Wasser aus weiterem Tunnel abgepumpt

Fukushima aktuell: Radioaktives Wasser aus weiterem Tunnel abgepumpt

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Artikelbild - AKW Fukushima: Auffüllung der Tunnel an Reaktor 3, 5. Februar 2015 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Auffüllung der Tunnel an Reaktor 3 am 5. Februar 2015 (Foto: TEPCO)

Zwar kann sich TEPCO, als Betreiber des AKW Fukushima, heute über Fortschritte bei Pumparbeiten freuen, muss jedoch auch eine Klage, sowie einen Rückschlag bei Reaktoruntersuchungen verkraften. Einzelheiten dieser Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 31. Juli 2015.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Radioaktives Wasser aus Tunnel an Reaktor 3 abgepumpt
  • Anhebung von Notfallgrenzwert für AKW-Arbeiter angekündigt
  • Klage gegen Ex-TEPCO-Manager zugelassen
  • Langfristige Verzögerung für Skorpionroboter an Reaktor 2 befürchtet

Radioaktives Wasser aus Tunnel an Reaktor 3 abgepumpt: Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO heute bestätigte, konnte die Abpumpung radioaktiver Abwässer aus Tunneln an Reaktorgebäude 3 erfolgreich abgeschlossen werden.

Seit November vergangenen Jahres hatte das Unternehmen einen Spezialzement in die Tunnel eingeleitet, um sie abzudichten und das durch Verdrängung aufgestaute Wasser abpumpen zu können.

Gestern habe man die Pumparbeiten erfolgreich abschließen können. Die Einspeisung von Zement wird jedoch noch bis in den kommenden Monat hinein fortgesetzt.

Im vergangenen Monat hatte TEPCO bereits den Abschluss der Maßnahme in den Tunneln an Reaktor 2 melden können.

Das Risiko einer anhaltenden radioaktiven Kontamination des Meeres sei durch den jüngsten Erfolg weiter reduziert worden.

Die Tunnel dienen sowohl als Kabelschächte, als auch zur Führung von Rohrleitungen.

Im Zuge der Kraftwerkskatastrophe waren etwa 11.000 Tonnen an radioaktiv belastetem Wasser in die Tunnel außerhalb der Reaktorgebäude gelangt.

In den Tunneln an Reaktor 2 hätten sich etwa 4.500 Tonnen, in denen an Reaktor 3 5.800 Tonnen und an Reaktor 4 weitere 660 Tonnen angesammelt.

Im Fall von Reaktor 4 rechnet die Betreiberfirma TEPCO noch mit etwa 60 Tonnen, die dort bislang noch in Gräben und Tunneln verbleiben.

Mit Strahlungswerten von 100.000 Becquerel pro Liter ist die Belastung dieses Wassers im Vergleich zu den abgepumpten Tunneln der Reaktoren 2 und 3 jedoch vergleichsweise niedrig.

Dort waren Werte von hundert Millionen Becquerel pro Liter erreicht worden, weshalb die Abdichtung und Leerung der Tunnel als wichtige Sicherheitsmaßnahme eingestuft wurde.

Die ursprüngliche Maßnahme, das radioaktive Abwasser durch Gefrierung zu blockieren, hatte sich als nicht effektiv erwiesen und war nach etlichen Schwierigkeiten abgebrochen worden.

Doch auch bei der Leerung der Tunnel an Reaktor 2, die im vergangenen Monat abgeschlossen werden konnte, hatte es zunächst Probleme bei der Betonierung der Tunnel gegeben.

Über den aktuellen Erfolg berichteten zahlreiche japanische Medien, darunter die Mainichi Shimbun, NHK und Präfekturmedien.

Anhebung von Notfallgrenzwert für AKW-Arbeiter angekündigt: In einem gestern veröffentlichen Bericht kündigt ein Ausschuss der Atomaufsichtsbehörde NRA eine Anhebung des zulässigen Strahlungsgrenzwerts für Notfälle an.

Dem Bericht zufolge wird die bislang zusätzliche Maximalbelastung im Fall von Kraftwerkskatastrophen von 100 auf 250 Millisievert angehoben.

Die Anhebung galt bereits im Mai diesen Jahres als beschlossen, und wurde nun somit offiziell angekündigt. Die Änderung soll nach den notwendigen Gesetzesänderungen, dann im April 2016 in Kraft treten.

Fukushima-Arbeiter vor Abfahrt des Busses am 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Erhöhung des Notfallgrenzwerts für AKW-Arbeiter angekündigt (Symbolfoto: TEPCO)

Der neue Notfallgrenzwert beträgt damit aber immer noch die Hälfte der Vorgaben der internationalen Kommission zum Strahlungsschutz. Deren Grenzwert beträgt 500 Millisievert.

Der in Japan genutzte Grenzwert von 100 Millisievert war im Zuge der Fukushima-Katastrophe für einen Zeitraum von neun Monaten bereits einmal auf 250 Millisievert erhöht worden.

Grund hierfür war die Befürchtung, bei Beibehaltung des bisherigen Werts bald keine einsatzfähigen Fachkräfte mehr vor Ort zu haben.

Von den 174 Kraftwerksarbeiten die damals mehr als 100 Millisievert ausgesetzt gewesen waren, wurde nur bei sechs der temporär erhöhte Grenzwert erreicht, oder überschritten.

Begleitend zur Umsetzung der Anhebung forderte das NRA-Komitee die japanischen Kraftwerksbetreiber auf, ihre Angestellten besser zu schulen und sorgfältige Strahlungskontrollen durchzuführen.

Über die Bekanntgabe berichtete die Asahi Shimbun.

Klage gegen Ex-TEPCO-Manager zugelassen: Am heutigen Freitag wurde bekannt gegeben, drei ehemalige Mitglieder der TEPCO-Führung würden gerichtlich belangt.

Man sehe es als erwiesen an, dass die Verantwortlichen bei TEPCO wider besseres Wissen nichts gegen die Gefahren eines großen Tsunami getan und durch diese Unterlassung fahrlässig gehandelt hätten.

Betroffen von den Vorwürfen sind der frühere Vorsitzende des Unternehmens, Tsunehisa Katsumata (72), sowie Ichiro Takekur (69) und Sakae Muto (65), damals Vizepräsidenten bei TEPCO.

Klageversuche gegen die einstige Spitze des Elektrizitätsunternehmens waren in der Vergangenheit gescheitert.

Eine erste Klage gegen 42 Personen im Jahr 2012, von der auch der damaligen Premierminister Naoto Kan betroffen gewesen wäre, wurde im September 2013 abgelehnt.

Die damaligen Kläger forderten eine Untersuchung und tatsächlich kam man im Juli 2014 zu dem Schluss, eine Anklage sei angemessen – doch im Januar entschied die Staatsanwaltschaft nicht zu klagen. Jetzt wurde die Ablehnung überstimmt.

Es ist somit das erste Mal, das tatsächlich eine Klage gegen die TEPCO-Führung zugelassen wird. An der Klage beteiligte Einwohner der Präfektur Fukushima reagierten erleichtert auf die Entscheidung

Über die Entscheidung zur Klage berichteten Kyodo, Asahi Shimbun, NHK und Präfekturmedien.

Langfristige Verzögerung für Skorpionroboter an Reaktor 2 befürchtet: Die visuelle Untersuchung geschmolzener Brennelemente in Reaktor 2 könnte sich stärker Verzögern als angenommen.

Der für August geplante Einsatz eines neuartigen Skorpionroboters war bereits auf den September verschoben worden. Jetzt teilte TEPCO mit, die Untersuchung möglicherweise sogar erst im Dezember durchführen zu können.

Skorpion-Roboter bei Tests (Foto: Copyright: IRID/Toshiba)
Der Skorpion-Roboter bei Tests in einem Reaktormodell (Foto: Copyright: IRID/Toshiba)

Ursache für den drohenden Langzeitaufschub sind wie zuvor, Betontrümmer, die den geplanten Weg durch ein Rohr blockieren.

Wie sich herausstellte, konnten die für Räumungsarbeiten vorgesehenen Geräte aufgrund des Bodenzustands und anderer Faktoren nicht eingesetzt werden.

Nun wird erwogen, die Hindernisse durch den Einsatz von Chemikalien zu beseitigen, oder neue Räumgeräte zu entwickeln.

Nach Einschätzung von TEPCO könnte dies im ungünstigsten Fall eine Verzögerung der Arbeiten bis in den Dezember, oder sogar in das kommende Jahr hinein, bedeuten.

Über den drohenden Rückschlag bei der geplanten Untersuchung des Zustands der zusammengeschmolzenen Brennelemente berichtete die NHK.

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