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Fukushima aktuell: Regierung hielt Messergebnisse zurück

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Artikelbild - Messung am 19. Mai 2013 (Foto: Haruhiko Okumura, cc-by)
Präfektur Fukushima: Regierung hielt Messergebnisse zurück (Symbolfoto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)

Während ein weiterer Fischereiverband der Präfektur Fukushima, heute einer möglichen Verklappung von AKW-Abwässern grundsätzlich zustimmte, sieht sich eine Regierungsstelle mit dem Vorwurf der Verschleierung konfrontiert. Doch auch der Kraftwerksbetreiber TEPCO hat Probleme – wenige Stunden nach dem Neustart des ALPS-Systems.

Alle Einzelheiten nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 25. März 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Regierungsstelle  hielt Messwerte für Fukushima-Gemeinden zurück
  • ALPS kurz nach Neustart erneut gestoppt
  • Regierung will Suizide mit Katastrophenbezug untersuchen
  • AKW Shimane sendet keine Reaktordaten mehr

Regierungsstelle  hielt Messwerte für Fukushima-Gemeinden zurück:  Im November 2013 gefertigte Dokumente belegen Messungen, die im September in der Stadt Tamura (Bezirk Miyakoji) und der Ortschaften Iitate und Kawauchi durchgeführt wurden. Obwohl sie zur Freigabe klassifiziert waren, wurden sie nicht veröffentlicht.

Die Untersuchungen waren von der Atomenergiebehörde JAEA und Japans größter medizinischer Strahlungsforschungseinrichtung, dem National Institute of Radiological Sciences (NIRS) mit neuen Dosimetern  im Zeitraum mehrerer Tage, innerhalb und außerhalb von Gebäuden, sowie auf Feldern und Wildnis durchgeführt worden.

Auch Messungen der Luft waren Teil der Untersuchung.

Dosimeter in Iitate am 12. Juli 2012 (Originalfoto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)
Dosimeter in Iitate am 12. Juli 2012 (Originalfoto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)

Nach Aussagen ungenannter Quellen waren die ermittelten Daten höher als erwartet und übertrafen die mit alten Dosimetern der Präfektur gemessenen Werte, so dass ein für die Unterstützung der Evakuierten eingerichtetes Team befürchtete, dies könne die Flüchtlinge von einer möglichen Rückkehr abhalten.

Daher habe man die Mitte Oktober an das Kabinettsbüro übermittelte Ergebnisse zurückgehalten und nicht wie geplant bei Treffen zwischen September und November öffentlich gemacht.

Die größte Differenz wurde in Kawauchi festgestellt. Die dort ursprünglich angesetzten Werte von ein bis zwei Millisievert pro Tag, mussten durch die neuen Messungen auf 2,6 bis 6,6 Millisievert nach oben korrigiert werden. Da diese Daten den Gemeindeverwaltungen plausibel gemacht werden müssten, strich man die Veröffentlichung.

Auf Anfrage des Kabinettbüroteams änderten JAEA und NIRS die Grundlage ihrer Berechnungen, so dass etwa die Aufenthaltsdauer eines Landwirts im Freien nicht mehr, wie allgemein bei Berechnungen üblich, mit acht Stunden, sondern anhand von Daten aus 2010, lediglich mit sechs Stunden kalkuliert worden.

Die nun wieder niedrigeren Werte sollen in Kürze veröffentlicht werden. Atsuo Tamura vom Team des Kabinettsbüros räumte die Zurückhaltung und Neuberechnung zwar ein, bestreitet jedoch eine Vertuschungsabsicht. Für den 1. April ist die Aufhebung des Sperrgebiets für den Bezirk Miyakoji in Tamura geplant.

Über das Vorgehen berichtete die Mainichi Shimbun unter Bezug auf Dokumente und ungenannte Quellen.

ALPS kurz nach Neustart erneut gestoppt: Kraftwerksbetreiber TEPCO meldet, wenige Stunden nach dem Neustart von zwei Einheiten des Multinuklid-Filtersystems um 13:00 Uhr, habe man die Anlage um 18:56 Uhr erneut anhalten müssen.

Aufgrund der Kontamination von Leitungen durch radioaktives Wasser war das ALPS-System am 20. März komplett gestoppt worden. Der Betreiber hatte einen mindestens einmonatigen Ausfall wegen Reinigungsarbeiten befürchtet.

Erst am gestrigen Montag hatte das Filtersystem überraschend den Betrieb wiederaufgenommen.

AKW Fukushima: Bedienung des ALPS-Filtersystems am 4. April 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: ALPS-Einheiten sorgen erneut für Probleme (Foto: TEPCO)

Ursache für den erneuten Stopp war die Entdeckung von Wassertropfen an einem Tank der Einheit C, die auf ein Leck hindeuteten. Insgesamt sind etwa 0,5 Liter an Wasser ausgetreten, die jedoch durch einen Plastikbeutel aufgefangen werden konnten. Daher sei kein Wasser aus dem Gebäude der Anlage gelangt, teilte TEPCO mit.

Später machte der Kraftwerksbetreiber weitere Angaben und erklärte, am heutigen Dienstag habe man nach Problemen bei Pumparbeiten an den Einheiten A und C, die um 13:28 Uhr begannen, ein Leck von acht Litern feststellen müssen. Auch dieses Wasser sei nicht aus dem Gebäude der Anlage gelangt.

Nach dem Austausch einer Flanschdichtung gingen die Einheiten gegen 16:00 Uhr wieder in Betrieb. Über den Zwischenfall berichtete neben TEPCO auch weitere Medien wie jiji und NHK.

Regierung will Suizide mit Katastrophenbezug untersuchen: Wie die japanische Regierung am heutigen Dienstag mitteilte, wolle man eine Untersuchung zu der steigenden Suizidrate mit Bezug zu den Katastrophen vom März 2011 durchsuchen.

Die Suizide in der Präfektur war jährlich angestiegen –  waren es 2011 noch zehn Fälle, lagen sie im Folgejahr 2012 bereits bei 13. Der bisherige Höchststand wurde dann 2013 mit insgesamt 23 nachgewiesenen Fällen von Suiziden mit Katastrophenbezug erreicht.

Die Regierung will durch Befragung von Angestellten der Präfektuverwaltung, sowie Mitgliedern von Nonprofit-Organisationen, die sich um die Einwohner bemühen, die Hintergründe erfahren und erklärte, die soziale Situation in der Präfektur solle im Rahmen des Wiederaufbaus nicht ignoriert werden. Hierüber berichtete etwa die jiji.

AKW Shimane sendet keine Reaktordaten mehr:  Der Reaktor 1 des AKW Shimane meldet keine Statusdaten über den Zustand der Anlage an das Überwachungssystem der Regierung. Bereits Anfang März war die Datenübertragung des AKW Fukushima Daini ausgefallen.

Das AKW Shimane (Foto: KEI cc-by)
Reaktorbau am AKW Shimane wird fortgesetzt (Foto: KEI cc-by)

Die Atomaufsichtsbehörde NRA erklärte jedoch, man erhalte per Fax und weitere Wege die Daten des Reaktors. Der Betreiber Chugoku Electric geht von einem Fehler des Systems aus.

Seit dem Ausbruch der Fukushima-Katastrophe im März 2011 sind, ebenso wie bei den anderen Kernkraftwerken des Landes, alle Reaktoren des Kraftwerks heruntergefahren. Hierüber berichtete die Kyodo.

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