Fukushima aktuell: Regierung sieht Teile der Sperrgebiete als sicher an

Fukushima aktuell: Regierung sieht Teile der Sperrgebiete als sicher an

Freigabe "unbewohnbarer" Gebiete diskutiert

992
0
TEILEN
Artikelbild: Zugang zur Sperrzone (Foto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)
Zugang zum Sperrgebiet in Fukushima (Symbolfoto: Prof. Haruhiko Okumura, cc-by)

Berichte über mögliche Freigaben von Risikogebieten dürften in der Präfektur Fukushima heute ähnlich kontrovers diskutiert werden, wie die Schaffung eines Betonmantels um die dortigen Reaktoren.

Die aus Japan aktuell gemeldeten Fukushima News gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 18. Juli 2016.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Freigabe von „unbewohnbaren“ Gebieten im Gespräch
  • Vize-Industrieminister lehnt Beton-Sarkophag für Fukushima-Reaktoren ab
Freigabe von „unbewohnbaren“ Gebieten im Gespräch

Erstmals seit der Fukushima-Katastrophe will die Regierung auch Teile von Gemeinden freigeben, die im Rahmen des Drei-Zonen-Modells aufgrund der hohen Radioaktivität als „lagfristig unbewohnbar“ bzw. „schwieriger Rückkehraussicht“ eingestuft worden waren.

Dabei handelt es sich nicht um ein zusammenhängendes Gebiet, denn auch in bereits partiell freigegebenen Gemeinden gibt es noch Gebiete mit hohen Strahlungswerten, deren Evakuierungsanordnung noch nicht aufgehoben wurde.

Diese Sperrgebiete umfassen insgesamt etwa 337 Quadratkilometer. Dort liegt die Jahresbelastung über 50 Millisievert, was sie nach den geltenden Regeln als unbewohnbar klassifiziert. Vor der Katastrophe lebten dort 24.000 Menschen.

Dass frühestens ab 2021 nun angeblich doch frühere Einwohner schrittweise zurückkehren können, soll auf den Rückgang der Strahlungswerte durch Umwelteinflüsse wie Regen, Wind und die vergehende Zeit zurückzuführen sein.

Inmitten der Sperrgebietsgemeinde Okuma wurden an einer Stelle nur noch etwa neun Millisievert nachgewiesen – rechtlich ist eine Freigabe solcher Gebiete bereits ab einer Unterschreitung des Jahresgrenzwerts von 20 Millisievert durch Dekontamination möglich.

Die Regierung will die Möglichkeit der schrittweisen Aufhebung der Gebiete mit unklarer Rückkehraussicht mit sieben Gemeinden, diskutieren – insbesondere jenen, die in Nähe der Straßen zum Kernkraftwerk Fukushima Daiichi liegen und Arbeitskräfte beherbergen könnten.

Eine offizielle Entscheidung soll im kommenden Monat fallen.

Ob die Möglichkeit zur Rückkehr aber tatsächlich von den einstigen Bewohnern genutzt werden wird, ist fraglich – der jährlichen Befragung der Behörde für Wiederaufbau planen gerade einmal zehn Prozent eine Rückkehr an ihren alten Wohnort.

Über diese Pläne berichteten die Asahi Shimbun und Präfekturmedien.

Die Regierung stuft Gebiete, die vom radioaktiven Fallout der Fukushima-Krise betroffen sind, anhand der erwarteten jährlichen Belastung für Menschen in drei Zonen ein.

So gibt es Gebiete mit „baldiger Rückkehraussicht“, bei denen eine Aufhebung der Evakuierungsanordnung in naher Zukunft wahrscheinlich ist. Dort liegt die Jahresbelastung unter 20 Millisievert.

Mittelfristig freizugebende Gebiete mit „eingeschränkter Bewohnbarkeit“ können gelegentlich von den einstigen Bewohnern tagsüber besucht werden. Übernachtungen sind jedoch verboten. Dort liegt die Jahresbelastung zwischen 20 und 50 Millisievert.

Aufgrund hoher Strahlungswerte gibt es auch Gebiete, die als „langfristig unbewohnbar“ oder „mit schwieriger Rückkehraussicht“ beurteilt werden. Sie entsprechen dem klassischen Sperrgebiet. Für das Betreten ist eine Genehmigung erforderlich und genaue Termine für die Rückkehr sind nicht bekannt. Dort liegt die Jahresbelastung über 50 Millisievert.

Vize-Industrieminister lehnt Beton-Sarkophag für Fukushima-Reaktoren ab

Bei einem Treffen mit dem Gouverneur der Präfektur Fukushima, schloss Vize-Industrieminister Yosuke Takagi am Freitag die Option, Reaktoren am AKW Fukushima Daiichi mit einem Tschernobyl-artigen Betonmantel zu versehen, kategorisch aus.

Wenige Tage zuvor war die Möglichkeit eines Beton-Sarkophags für die Fukushima-Reaktoren erstmals von einem Ausschuss zur Entschädigung und Stilllegung (NDF) genannt worden.

Zuvor war dieses Konzept nur von Außenstehenden, wie etwa dem theoretischen Physiker Michio Kaku zu Beginn der Fukushima-Krise als Maßnahme zur Eindämmung radioaktiver Kontamination genannt, jedoch nicht verfolgt worden.

Präfekturgouverneur Masao Uchibori zeigte sich schockiert und erklärte diesen Lösungsansatz für inakzeptabel. Minister Takagi erklärte, die Regierung habe Verständnis für die Bevölkerung und keineswegs die Absicht, diese Maßnahme zu nutzen.

Stattdessen sei die Bergung der zusammengeschmolzenen Brennelemente weiterhin der wichtigste Schritt bei den Bemühungen um eine Stilllegung. Daher habe man den Ausschuss bereits angewiesen, den technischen Plan zu überarbeiten.

Über die ablehnende Haltung und das Zugeständnis des Ministers berichteten die NHK, sowie Präfekturmedien.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT