Start Aktuelles Fukushima aktuell: Regierung will Ausbeutung von AKW-Arbeitern bekämpfen

Fukushima aktuell: Regierung will Ausbeutung von AKW-Arbeitern bekämpfen

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Artikelbild AKW Fukushima: Arbeiter in einem Ruheraum im Juni/Juli 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Arbeiter: Bislang wenig Zusagen für Gesundheits-Checks (Symbolfoto: TEPCO)

Mehr Schutz vor ungerechter Behandlung, das versprach Japans Arbeitsminister bei seinem Besuch in Fukushima heute und lässt die Woche so mit positiven Fukushima News beginnen. Weitere Meldungen, etwa über den unbedingten Willen zu AKW-Neustarts, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 22. September 2014.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Mehr Gerechtigkeit für Fukushima-Arbeiter versprochen
  • Japanische Regierung betont AKW-Neustartpläne
  • Mangelnde Nachbesserung bei Erdbeben-Risikogebäuden
  • Gemeinden stecken mehrheitlich noch in Wohngebietsdekontamination

Mehr Gerechtigkeit für Fukushima-Arbeiter versprochen: Während seines Besuchs eines Kontrollbüros für die Einhaltung von Arbeitsrichtlinien, das für die Gebiete um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi zuständig ist, versicherte Japans Arbeitsminister Yasuhisa Shiozaki, er sei bereit, die Überwachung von Arbeitgebern und Subunternehmen für Kraftwerksarbeiter verstärken zu lassen.

Sein Besuch ist vielleicht auch die Folge einer Vielzahl von Beschwerden gegen Arbeitgeber und deren Subunternehmen. Ihnen wurde bereits mehrfach vorgeworfen, die versprochenen Sicherheitszulagen für die besonders gefährliche Arbeit nicht ausgezahlt, sondern einbehalten zu haben.

Allein im Zeitraum von April bis August 2014 gingen fast 130 Beschwerden über Zahlungsmodalitäten und nicht ausreichende Schutzmaßnahmen für die dortigen Beschäftigten bei der Kontrollstelle ein.

Gegenüber Pressevertretern betonte Shiozaki die Wichtigkeit der Kraftwerksarbeiter für die sichere Stilllegung der Anlage. Daher könne man Verstöße gegen das Arbeitsrecht nicht tolerieren. Die aufwändigen Arbeiten bedürften auch der Hilfe durch die Angestellten von Unternehmen, die in der Befehlskette nicht unmittelbar dem Kraftwerksbetreiber TEPCO unterstellt sind. Das berichtete die NHK.

Bereits unmittelbar nach Beginn der Krise  waren Ausstattung und Unterbringung, sowie Sicherheitsregelungen und Zahlungsvereinbarungen für die Beschäftigten an der Reaktoranlage nach Medienberichten in die Kritik geraten. TEPCO hatte daraufhin die Versorgung der AKW-Arbeiter verbessert und neue Unterkünfte, Ruhebereiche und verbesserte Gesundheitskontrollen veranlasst.

Dennoch war es auch in den folgenden Jahren zu Zahlungsmängeln durch Subunternehmen gekommen und unzulässige Arbeitsforderungen am AKW durch Kündigungsangst erpresst worden. So wurden etwa Arbeiter veranlasst, ihre Dosimeter mit Bleihüllen abzuschirmen, um trotz hoher Strahlungsbelastung weiterarbeiten zu können.

Die Berichte, TEPCO kämpfe gegen schlechte Arbeitsmoral sind, neben den häufigen Fehlschlägen an der Anlage, sicher auch auf die Behandlung durch die Vertragspartner des Elektrizitätskonzerns zurückzuführen.

Japanische Regierung betont AKW-Neustartpläne: Am heutigen Montag betonte Shunichi Yamaguchi vom Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT), den Entschluss der Regierung, die seit der Fukushima-Katastrophe 2011 heruntergefahrenen Kernkraftwerke des Landes wieder zu reaktivieren.

Yamaguchi machte diese Aussagen anlässlich eines jährlichen Treffens der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien. Das berichtete die Kyodo. Nachdem bereits zwei Reaktoren die Sicherheitsprüfung der japanische Atomaufsicht NRA bestanden haben, steigt die Wahrscheinlichkeit von Neustarts in Japan.

Mangelnde Nachbesserung bei Erdbeben-Risikogebäuden: Während in Rikuzentakata (Präf. Iwate) erstmals seit der Tohoku-Katastrophe 2011 eine Reisernte stattfindet und diese bis Oktober weitergeführt werden soll, sehen sich die Hauptstadt Tokyo, sowie weitere 51 Großstädte mit Mängel bei der Erdbebensicherheit von Gebäuden konfrontiert.

Eine Untersuchung der Asahi Shimbun ergab, dass lediglich bei 11 Prozent der Gebäude, denen eine unzureichende Erdbebensicherheit attestiert wurde, die notwendigen Verstärkungsarbeiten durchgeführt wurden.

Eine Prüfung von 2.039 Gebäuden im März diesen Jahres ergab, dass in 1.591 Fällen (78 Prozent) eine mangelnde Erdbebensicherheit vorlag. Bislang sind jedoch nur in 176 Fällen (11 Prozent) Nachbesserungen zu heutigen Sicherheitsstandards erfolgt. Als Beispiele mögen der Tokyoter Bezirk Toshima (51 Risikogebäude) und die Stadt Nagoya (154 Risikogebäude dienen. Dort sind bislang nur bei zwei (Toshima) bzw. 19 (Nagoya)  der betroffenen Strukturen verstärkt worden.

Meistgenannter Grund sind die Schwierigkeiten mit Grundstückseigentümern, Besitzern von Eigentumswohnungen, sowie finanzielle Belastungen für die Verwaltungen. Eine gesetzliche Nachbesserungspflicht für die Eigentümer besteht nicht, so dass die Stadtverwaltungen lediglich Empfehlungen aussprechen können. Im Fall des Nankai-Großbebens könnten somit bürokratische Hindernisse die Gesundheit von Menschen gefährden.

Gemeinden stecken mehrheitlich noch in Wohngebietsdekontamination: Die 104 Gemeinden in acht Präfekturen, in denen das Umweltministerium eine Kontrolle der Strahlungswerte angeordnet hatte, wurden bezüglich der Fortschritte bei der Dekontamination von Wohngebieten befragt.

Mit Stand von Ende Juni 2014 haben sind in 40 Gemeinden noch Arbeiten erforderlich (311.700 Gebäude). Im Fall der Ortschaften Yamamoto (Präf. Miyagi) und Shinchi (Präf. Fukushima) haben die Dekontaminationsarbeiten der Wohngebiete nicht einmal begonnen.

Besonders die Präfektur Fukushima hat dabei noch viel zu tun. Dort sind die Arbeiten in 29 Gemeinden (mindestens 286.002 Gebäude) noch nicht abgeschlossen. Zu den übrigen sieben Präfekturen gehörden Chiba, Gunma und Ibaraki, sowie Iwate, Miyagi, Saitama und Tochigi. Angaben zu künftigen Fortschritten bei den Gebäuden machte keine der befragten Verwaltungen. Das berichtete die Mainichi Shimbun.

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