Fukushima aktuell: Regierung will Hilfsprogramme beenden

Fukushima aktuell: Regierung will Hilfsprogramme beenden

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Artikelbild - Übergangshaussiedlung (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Nicht nur in Fukushima präsent: Übergangshäuser in der Präfektur Miyagi (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Nachdem unsere japanischen Gäste am gestrigen Mittwoch abreisten, hoffen wir unseren Lesern nun wieder zeitnah aktuelle Meldungen bieten zu können. In den Fukushima News geht es unter anderem um umstrittene Regierungspläne. Einzelheiten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 14. Mai 2015.

Unsere heutigen Themen:

  • Geplante Beendigung von Hilfsprogrammen sorgt für Unmut
  • Regierung will Freigabe weiterer Sperrgebietsgemeinden
  • Schweres Erdbeben erschüttert die Region Tohoku
  • Entvölkerte Ortschaften bei Volkszählung erwartet
  • IAEA sieht Kommunikation als entscheidend für Fukushima-Probleme

Geplante Beendigung von Hilfsprogrammen sorgt für Unmut: In einem am Dienstag vorgelegten Plan gab die Regierung bekannt, zum Ende des Fiskaljahrs 2015 insgesamt zehn Hilfsprojekte in der Region Tohoku zu beenden.

Währen die Regierung die Aufgaben der Projekte als abgeschlossen, oder von geringer Dringlichkeit ansieht, fühlen sich Einwohner der betroffenen Gemeinden in ihren Bedürfnissen unverstanden.

Zu den betroffenen Projekten gehört auch ein Programm, das unter anderem freiwillig evakuierte Bürger und Personen, die aus den Evakuierungsgebieten der Präfektur Fukushima flohen, in Fragen des Lebensunterhalts berät und die Vernetzung von Nonprofit-Organisationen ermöglichte. Das Budget für dieses Fiskaljahr beläuft sich auf 100 Millionen Yen.

Nach Angaben aus der Präfekturverwaltung haben etwa 46.000 frühere Bewohner Zuflucht außerhalb der Präfektur gesucht. Die Beendigung des Projekts würde die Gemeinden, die Flüchtlinge aufgenommen haben, finanziell belasten.

Auch ein Arbeitsprojekt, dass durch die Durchführung von Kontrollgängen in Übergangshaussiedlungen zum Schutz umherirrender Demenzkranker neue Arbeitsplätze geschaffen hat, soll beendet werden.

Das Wegfallen dieser Maßnahme würde auch andere Projekte, etwa Sozialprogramme mit Gesprächspartnern für Senioren, betreffen und ihre Arbeit erschweren.

Im Fall eines Forschungs- und Entwicklungsprojekts zur Nutzung regenerativer Energien protestiert auch die Präfekturverwaltung Fukushima gegen die Einstellung der Maßnahme. Diese trage entscheidend zum Wiederaufbau der Präfektur bei.

Die Regierung will mit der Streichung der Projekte nach eigenen Angaben die  Selbstständigkeit der einstigen Katastrophengebiete fördern, berichtet die Mainichi Shimbun.

Regierung will Freigabe weiterer Sperrgebietsgemeinden: Die regierende Liberaldemokratische Partei will über das Büro für die Beschleunigung des  Wiederaufbaus, eine schnellere Freigabe evakuierter Gebiete  bewirken.

Erstmals soll ein Zeitrahmen für die Rückkehr nach der Fukushima-Katastrophe festgelegt werden, der bereits im März 2017 zu weiteren Gebietsfragaben durch Aufhebungen von Evakuierungsanordnungen führen könnte.

Da es bislang keine zeitlichen Vorgaben für Rückkehrgenehmigungen gibt, stellt der Entwurf eine Neuerung dar, die für Diskussionen sorgen wird.

Die vorgeschlagenen Regelungen für einen Zeitrahmen richten sich nach dem Drei-Zonen-Modell, dass die Aussichten auf Rückkehr anhand der Strahlungsbelastung der Gebiete beurteilt.

Der Entwurf sieht für Gebieten mit der Aussicht auf „baldige Rückkehr“ (Jahresbelastung unter 20 Millisievert) und mittelfristig freizugebende Gebiete mit „eingeschränkter Bewohnbarkeit“ (Jahresbelastung zwischen 20 und 50 Millisievert) die vollständige Aufhebung des Evakuierungsstatus nach spätestens sechs Jahren vor.

Demnach könnten im März 2017 weitere Gebiete freigegeben werden.

Unter den bereits im April und Oktober 2014 zur teilweisen Rückkehr freigegeben Ortschaften Tamura und Kawauchi gab es keine Gebiete die als „eingeschränkt bewohnbar“ eingestuft worden waren.

Die Regelung würde insgesamt 55.000 Personen betreffen, davon etwa 32.000 in Gebieten mit baldigen Rückkehraussichten und weitere 23.000 in Gebieten mit eingeschränkter Bewohnbarkeit.

Für die 24.000 früheren Bewohner jener Gebiete, die mit Jahresbelastungen über 50 Millisievert als „langfristig unbewohnbar“ gelten, würde der neue Entwurf keine Änderung mit sich  bringen. Über die Pläne berichtete die Mainichi Shimbun.

Schweres Erdbeben erschüttert die Region Tohoku: Am Mittwoch ereignete sich um 6:13 Uhr Ortszeit ein Erdbeben mit einer Magnitude von 6,8. Das Epizentrum befand sich vor der Küste der Präfektur Miyagi.

Berichte über Schäden oder Ausfälle an Kernkraftwerken der Region, etwa dem AKW Fukushima Daiichi wurden nicht gemeldet.

Es handele sich um ein Nachbeben des Tohoku-Großbebens von 2011, das Japans größte Katastrophe an einem Kernkraftwerk ausgelöst hatte.

Außer der Unterbrechung des Shinkansen-Schnellzugverkehrs in der Region durch Stromausfälle, gab es auch keine weiteren Zwischenfälle. Über das Beben berichteten Kyodo, jiji, sowie lokale Medien.

Entvölkerte Ortschaften bei Volkszählung erwartet: Bei einer für Oktober diesen Jahres angesetzte Volkszählung ist es sehr wahrscheinlich, dass bei sechs Ortschaften in der Präfektur eine „Bevölkerung von null Personen“ festgestellt werden wird.

Die betroffenen Gemeinden – Futaba, Iitate, Namie, Okuma, Katsurao und Tomioka – wurden aufgrund der Kraftwerkskatastrophe evakuiert und liegen heute zu großen Teilen in der Sperrzone um das Gelände.

In diesen Orten werden verschiedene Kriterien, etwa die Mindestwohndauer, für die Klassifizierung als „bewohnt“ nicht erfüllt. Das berichtete die Kyodo.

IAEA sieht Kommunikation als entscheidend für Fukushima-Probleme: Im Abschlussbericht einer Expertengruppe der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA wird die Weiterführung des Dialogs zwischen TEPCO, Gemeinden und Behörden als wesentlich für einen effektiven Fortschritts bei der Stilllegung der Kraftwerksanlage genannt.

In der Vergangenheit war der Elektrizitätsanbieter mehrfach für seine Informationspolitik kritisiert und ihm Verschleierung vorgeworfen worden.

Zuletzt hatte der Umstand, bereits im Mai vergangenen Jahres entdeckte Hinweise auf eine Kontamination des Meeres durch radioaktives Regenwasser in einem Abwasserkanal bis Ende Februar diesen Jahres verschwiegen zu haben.

Der IAEA-Bericht beruht auf Einschätzungen der Experten nach einer Kontrolle der Stilllegungsarbeiten zwischen dem 9. und 17. Februar. Über die Forderung nach effektiver Kommunikation berichtete die Kyodo.

 

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