Fukushima aktuell: Regierungsgelder für Wiederaufbau wenig genutzt

Fukushima aktuell: Regierungsgelder für Wiederaufbau wenig genutzt

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Artikelbild: Weg durch die Katastrophenregion Tohoku (Copyright: Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Folgen der Fukushima-Katastrophe verlieren ihren Schrecken (Symbolfoto: Copyright: Andreas Teichert, DTRG e.V.)

Die für den Wiederaufbau bereitgestellten Hilfsgelder blieben fast gänzlich unangetastet. Doch das ist nur eine der aktuellen Nachrichten, denn TEPCO meldet vom AKW Fukushima heute bereits den ersten Arbeitsunfall dieses Monats. Weitere Fukushima News, etwa zum Atomaustritt einer Stadt, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 2. März 2015.

  • Über 60 Prozent der Tohoku-Hilfsgelder ungenutzt
  • Erster Arbeitsunfall dieses Monats
  • NRA-Check der Strontiumfilteranlage
  • Fukushima-Passage der Joban-Schnellstraße freigegeben
  • Minamisoma will auf Atomenergie verzichten
  • NRA ändert medizinisches Behandlungskonzept bei AKW-Unfällen

Über 60 Prozent der Tohoku-Hilfsgelder ungenutzt: Wie der japanische Rechnungshof heute bekannt gab, ist ein Großteil der Gelder, die zum Wiederaufbau der Region Tohoku dienen sollten, bislang ungenutzt geblieben.

Die Gesammtsumme der Wiederaufbauhilfen belief sich auf 8.178 Milliarden Yen (Stand vom Fiskaljahrende 2013). Davon sind 1.966,2 Milliarden Yen staatliche Gelder der Behörde für Wiederaufbau.

Für die drei Katastrophenpräfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi waren Projekte im Gesamtwert von 1.323,5 Milliarden Yen genehmigt worden, doch lediglich 507,5 Milliarden wurden bislang genutzt (Stand: 31. März 2013).

Die Nutzung innerhalb den drei Präfekturen ist dabei ähnlich gering. In der Präfektur Miyagi wurde dabei noch der größte Anteil genutzt (40,5 Prozent), während die Gelder in Fukushima (39,4 Prozent) und Iwate (33,3 Prozent) nahezu unangetastet blieben.
Über die aktuellen Zahlen berichteten Kyodo, jiji, NHK und Präfekturmedien.

Erster Arbeitsunfall dieses Monats: Am heutigen Montag stolperte ein Angestellter eines Partnerunternehmens gegen 8:50 Uhr auf dem Gelände des Gebäudes für chemische Analysen über eine Leiter und stürzte zu Boden.

Die Arbeiten vor Ort umfassten die Prüfung der Decke wegen der Verlegung elektrischer Leitungen für Messgeräte, so dass die Leiter zum Einsatz kam.

Eine erste Untersuchung im Notfallzentrum ergab den Verdacht auf einen Bruch des rechten Handgelenks. Aus diesem Grund wurde um 9:25 Uhr ein Krankenwagen angefordert und der Verletzte wurde in das Krankenhaus Iwaki gebracht.

Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO mitteilt, war der Arbeiter Mitte 60 trotz des Unfalls in der Lage selbst zu gehen und wies keine Kontamination am Körper auf.

Im vergangenen Monat hatten sich zwei Arbeitsunfälle mit Todesfolge ereignet und der Betreiber anschließend die Sicherheitsmaßnahmen für Arbeiter verbessert.

NRA-Check der Strontiumfilteranlagen: Am Samstag führte die Atomaufsichtsbehörde NRA eine Prüfung an Einheit 3 der zweiten mobilen Strontium-Filteranlage durch. Dabei wurden keine Auffälligkeiten festgestellt.

Eine am heutigen Nachmittag durchgeführte Prüfung durch einen Wasserdurchflusstest an Einheit 1 der gleichen Anlage, ergab ebenfalls keine Lecks, oder Störungen. Lediglich Filterreinigung und weitere Arbeiten machen einen kurzfristigen Stopp erforderlich.

Fukushima-Passage der Joban-Schnellstraße freigegeben: Am gestrigen Sonntag wurde im Rahmen einer Zeremonie, das bislang fehlende Verbindungsstück der Joban-Schnellstraße durch die Präfektur Fukushima freigegeben.

An der Veranstaltung nahmen etwa 800 Personen teil und auch Premierminister Shinzo Abe wohnte der Eröffnung in Tomioka bei. Die Freigabe war durch die Folgen der Kraftwerkskatastrophe fast vier Jahre verzögert worden.

Durch die Wiedereröffnung der Straße durch das Sperrgebiet verkürzt sich die bisherige Fahrzeit deutlich. Man hofft, die Freigabe werde zur Wiederbelebung der Katastrophenregion beitragen.

Allerdings wurden auch eine Aufstockung der Polizeipräsenz angekündigt, um mögliche Plünderer abzuschrecken. Über die Wiedereröffnung berichteten mehrere japanische Medien darunter Kyodo, jiji, NHK und Präfekturmedien.

Minamisoma will auf Atomenergie verzichten: Bürgermeister Katsunobu Sakurai, versprach bei einem heutigen Treffen der Stadtversammlung Minamisoma, man werde die Stadt von der Atomenergie unabhängig machen.

Im Zuge der AKW-Katastrophe hatten mehr als 60.000 Einwohner die Stadt evakuieren müssen. Sakurai hofft, bis 2030 werde Minamisoma den Elektrizitätsbedarf durch regenerative Energien decken können.

Sakurai verwies dabei auf die Folgen der Ereignisse vom 11. März 2011 und erklärte, er sei entschlossen alles zu tun, damit sich ein solches Ereignis nicht wiederhole. Über die Ankündigung des Bürgermeisters berichtete die NHK.

NRA ändert medizinisches Behandlungskonzept bei AKW-Unfällen: Die Atomaufsichtsbehörde NRA beabsichtigt offenbar eine Änderung des bisherigen Konzepts nach Kraftwerksunfällen.

Hintergrund ist der Umstand, dass sich der Gesundheitszustand von Menschen mit Vorerkrankung in Folge der Evakuierung trotz geringer Strahlungsbelastung verschlechtert hatte.

Bislang war Japan praktisch ausschließlich auf die Behandlung von Personen mit direkter Strahlungsbelastung ausgerichtet, wie sie etwa beim Zwischenfall von Tokaimura 1999 aufgetreten war.

Als Vorbild für das neue Konzept gilt die Präfektur Aomori, da dort das medizinische System bereits auch auf die Behandlung von leicht strahlungsbelasteten Personen mit Vorerkrankungen vorbereitet ist.

Zum Zeitpunkt der Fukushima-Katastrophe waren die medizinischen Einrichtungen der Präfektur nicht auf eine große Zahl von Personen dieser Patientengruppe vorbereitet.

Durch die Änderungen soll die Lokalisierung und Dekontamination der Patienten in örtlichen Kliniken durch Bereitstellung benötigen Materials wie Schutzanzüge umgehend möglich sein, während direkt von der Strahlung betroffene Patienten an die Spezialisten in Universitätskliniken und Facheinrichtungen transportiert werden sollen.

Die NRA will im Fiskaljahr eine Expertengruppe einberufen und die Überarbeitung veranlassen, damit diese von den lokalen Einrichtungen in die eigenen Katastrophenschutzmaßnahmen bei AKW-Unfällen integriert werden können. Über die neuen Konzepte berichtete die Mainichi Shimbun.

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