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Fukushima aktuell: Riskante Bergung abgebrannter Brennelemente hat begonnen

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Artikelbild: Fukushima Reaktor 4: Beladung des Transportbehälters am 26. November 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima Reaktor 4: Beladung des Transportbehälters am 26. November 2013 (Foto: TEPCO)

Nachdem die erste Bergung von Brennelementen erfolgreich verlief, begann man am AKW Fukushima heute mit der zweiten Aktion dieser Art. Diesmal ist das Risiko jedoch höher, da andere Brennelemente gehoben werden, als dies beim ersten Mal der Fall war.

Unterdessen fürchten Bürger ein neues Gesetz, das künftig die Preisgabe von Regierungsinformationen, auch zur Krise von Fukushima, behindern könnte. Die Details der Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 26. November 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Bergung von abgebrannten Brennelementen angelaufen
  • Fukushima-Einwohner gegen neues Geheimhaltungsgesetz
  • US-Botschafterin besucht Katastrophenpräfekturen

Bergung von abgebrannten Brennelementen angelaufen: Wie gestern bereits erwartet, begann Kraftwerksbetreiber TEPCO am heutigen Dienstag, mit der Bergung von 22 Brennelementen aus dem Lagerbecken von Reaktor 4, um sie anschließend in ein Gemeinschaftsbecken zu transportieren, das als sicherer gilt. Allerdings gibt es nun besonderes Risikopotential.

Die heutige Maßnahme ist riskanter als die fünftägige Aktion in der vergangenen Woche, da heute erstmals abgebrannte und daher stärker strahlende Brennelemente transportiert werden.

Bei der erfolgreichen Maßnahme waren zuvor nur ungenutzte Brennelemente geborgen worden. Der Beginn der Maßnahmen war als bedeutender Schritt in Richtung einer endgültigen Stilllegung begrüßt worden.

Fukushima-Reaktor 4: Herausziehen eines Brennelements am 26. November 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Herausziehen eines Brennelements am 26. November 2013 (Foto: TEPCO)

Nach Angaben des Betreibers verlief beim ersten Durchlauf alles nach Plan, lediglich einige aufgewirbelte Schwebestoffe im Becken habe man durch eine Pumpe beseitigt, um die heute begonnenen Arbeiten zu erleichtern.

Weshalb der ursprüngliche Plan, zunächst nur ungenutzte Brennelemente bergen zu wollen fallen gelassen wurde, ist nicht bekannt.

Die Arbeiten begannen um 14:30 Uhr und waren um 18:30 Uhr abgeschlossen.

Wie bereits zuvor wurde auch heute ein ferngesteuerter Kran eingesetzt, um zunächst den Transportbehälter in das Becken herabzulassen und erste Brennelemente einzuladen. Insgesamt wurden sechs Brennelemente in den Behälter gehoben.

Im weiteren Verlauf der Woche soll der Behälter dann mit 22 Brennelementen gefüllt, aus dem Becken gehoben und auf einem Fahrzeug in das Gemeinschaftsbecken transportiert zu werden.

TEPCO begleitet diesen ersten Bericht mit Videoaufnahmen, auf denen erneut zu sehen ist, wie der Transportbehälter herabgelassen wird. Auch Bilder des Herausziehens der Brennelemente und der Transfer in den Behälter werden vom Elektrizitätsanbieter mit den Aufnahmen dokumentiert.

Fukushima-Reaktor 4: Brennelemente-Transfer in Transportbehaelter am 26. November 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Brennelemente-Transfer in Transportbehälter am 26. November 2013 (Foto: TEPCO)

Auch wenn die Umlagerung von Brennelementen innerhalb eines Beckens  ein Standardvorgang ist, hat die Bergung in Fukushima besondere Risiken.

Neben der jetzt vorhandenen Strahlung von 300 Mikrosievert pro Stunde, die dazu führt, dass jeder Arbeiter nur eine Tagesschicht von zwei Stunden leisten kann, gibt es auch Bedenken über den Zustand der Brennelemente.

So hatte unter anderem die Yomiuri Shimbun berichtet, eine nicht geringe Anzahl sei bereits vor mehr als 20 Jahren falsch eingelagert und dabei verformt worden. Gegenwärtig befinden sich noch 1.331 abgebrannte Brennelemente dort.

Diese bedürfen besonderer Vorsicht, da durch Strahlung oder Hitze eine Verformung eingesetzt haben könnte, die das Herausziehen aus der Halterung des Beckens behindert. Über die Einleitung der zweiten Bergung berichteten Kyodo und NHK.

TEPCO hatte bereits einen Sicherheitsplan veröffentlicht, in dem Maßnahmen im Fall von Zwischenfällen, etwa beim Sturz von Brennelementen in das Becken, erläutert werden. Diese sehen im wesentlichen Präventionsmaßnahmen und den Schutz der Arbeiter durch Evakuierung vor (Spreadnews berichtete am 15. November 2013).

Fukushima-Einwohner gegen neues Geheimhaltungsgesetz: Die Ankündigung, ein neues Gesetz zu schaffen, dass die unerlaubte Weitergabe von vertraulichen Informationen unter hohe Strafe stellt und der Regierung größere Möglichkeiten bei der Klassifizierung von Informationen als „besondere Geheimnisse“ verschafft.

Japanisches Parlamentsgebäude (Foto: Kim Ahlström cc-by)
Proteste gegen Geheimhaltungsgesetz der Regierung (Symbolfoto: Kim Ahlström cc-by)

Eine erste Gesetzesvorlage war im Oktober verabschiedet wurden. Dem geplanten Gesetz zufolge, könnten so genannte Whistleblower für die Weitergabe dieser Geheimnisse mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden. Insbesondere Journalisten kritisierten das Gesetz und sehen eine Gefahr für die Pressefreiheit.

Doch auch die Einwohner der Präfektur Fukushima machen sich, ebenso wie Atomkraftgegner darüber Sorgen, dass die Regierung nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes, eine ganze Reihe von Informationen über die Situation, Entwicklung und Auswirkungen der Katastrophe von Fukushima als „besonders geheim“ klassifizieren könnte.

Gestern hielt das Sonderkomitee des Unterhauses eine öffentliche Anhörung in Fukushima ab, auf der Bürgervertreter ihre Besorgnis äußern konnten. Allerdings bleibt die Grundstimmung pessimistisch, da kaum jemand glaubt, dass die Meinung der Bevölkerung eine Auswirkung auf die Entscheidungen des japanischen Parlaments hat.

Während Mainichi Shimbun und Asahi Shimbun über die Entwicklung berichteten, gab die NHK noch heute in einer Eilmeldung bekannt, das Unterhaus habe Dienstagnacht (Ortszeit) den Gesetzesentwurf mit klarer Mehrheit gebilligt. Nun wird das Gesetz an das Oberhaus weitergereicht.

US-Botschafterin besucht Katastrophenpräfekturen: Nach ihrem Amtsantritt hat US-Botschafterin Caroline Kennedy, weitere Unterstützung für die Betroffenen der Tohoku-Katastrophe zugesagt und besuchte am gestrigen Montag die Präfektur Miyagi. Diese gehörten neben Iwate und Fukushima zu den drei am schwersten getroffenen Präfekturen.

US-Botschafterin Caroline Kennedy am 15. November 2013 in Tokyo (Foto: pd)
US-Botschafterin Caroline Kennedy am 15. November 2013 in Tokyo (Foto: US-Außenministerium)

Kennedy besuchte nicht nur die Bewohnerinnen einer Übergangssiedlung in Minamisanriku, die durch handgemachte Gegenstände etwas Geld verdienen, sondern auch eine Grundschule in der Stadt Ishinomaki, wo Sechstklässler auf Englisch ein Theaterstück mit der traditionellen Geschichte des starken Jungen Momotaro aufführten.

Am heutigen Dienstag folgte dann ein Besuch in Rikuzentakata. Während eines Treffens mit Bürgermeister Futoshi Toda überreichte sie ihm eine Muschel, die sich an einem Boot aus Rikuzentakata befand und als Folge des Tsunami an der Westküste der USA angeschwemmt worden war.

Nach einer Kranzniederlegung an einem Gebäude, das von einer 14 Meter hohen Welle zerstört worden war, besuchte sie auch die konservierte Replik der „wundersamen Kiefer“, die als einzige eines ganzen Waldes dem Tsunami stand gehalten hatte, jedoch später an den Folgen des Salzwassers starb. Die konservierten Reste und die Kunststoffreplik gelten als Symbol für Hoffnung.

Dem Besuch der Region Tohoku wird am Freitag ein Treffen mit Hirokazu Nakaima, Gouverneur der Präfektur Okinawa im Botschaftssitz in Tokyo folgen. Thema der Gespräch wird die Situation der zahlreichen US-Militärbasen auf Okinawa sein. Hierüber berichtete die NHK.

 

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