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Fukushima aktuell: Risse im Betonboden von Lagertankbereich

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Artikelbild - AKW Fukushima: Riss im Lagertankbereich H4 am 11. Februar 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Riss im Lagertankbereich H4 am 11. Februar 2014 (Foto: TEPCO)

Nach dem Sieg eines Atomkraft befürwortenden Kandidaten bei den Gouverneurswahlen in Tokyo, dürften einige Atomkraftgegener besonderes Verständnis für die Enttäuschung der japanischen Olympiateilnehmer über die ausstehenden Medaillen haben. Mit Betonrissen und Leitungsschäden gab es am AKW Fukushima heute ganz andere Herausforderungen.

Einzelheiten zu den Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 11. Februar 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Risse in Betonboden des Lagertankbereichs H4
  • Austritt von Trinkwasser an Leitung
  • Suche nach Katastrophenopfern geht weiter
  • Freiwillige beraten bei Entschädigungsforderungen
  • Viele Ausländer verließen Fukushima

Risse in Betonboden von Lagertankbereichen: Gegen 12:20 Uhr meldete der Angestellte eines Partnerunternehmens den Fund eines Risses von 1,5 Metern Länge im Betonboden im Bereich H4. Der bei einem Kontrollgang an den Lagertanks entdeckte Riss war deutlich sichtbar. Der Schaden findet sich innerhalb der Betonbarriere.

Gegenwärtig liege der Wasserstand unter einem Zentimeter, allerdings befindet sich dort etwas Schnee. Eine Wasseranalyse werde aus Sicherheitsgründen dennoch durchgeführt.

Später ergänzte TEPCO die Meldung und erklärte, gegen 15:00 Uhr sei ein Riss von etwa 8 Metern im Betonboden des östlichen Tankbereichs H4 entdeckt worden. Gegenwärtig sei kein Wasser im Rissbereich sichtbar, auch sei kein einfließen von Wasser in den beschädigten Teilbereich bestätigt worden.

Fukushima-Wassertanks bleiben Thema für Diskussionen (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Betonschäden an Lagertanks beschäftigten die Arbeiter (Symbolfoto: TEPCO)

Das Unternehmen wird nun auch hier eine Analyse des Wassers innerhalb der Barriere durchführen. Die Schäden sollen durch das Auftragen von Farbe auf Epoxidharzbasis abgedichtet werden.

Eine Überarbeitung der Reparaturmethoden für derartige Risse ist nach Angaben von TEPCO ebenfalls vorgesehen.

Anschließend veröffentlichte das Unternehmen zusätzliche Informationen – unter anderem auch zur radioaktiven Belastung.

Beim ersten Leck lagen sowohl Cäsium-134, als auch Cäsium-137 unterhalb des Nachweiswerts. Strontium-90 konnte mit einer Konzentration von 17 Becquerel pro Liter nachgewiesen werden.

Beim Leck im östlichen Bereich von H4 lag die Belastung mit Cäsium-134 bei 13 Becquerel pro Liter und Cäsium-137 bei 45 Becquerel pro Liter. Die höchste Konzentration wies jedoch Strontium-90 mit einem Wert von 2.100 Becquerel pro Liter auf.

Im östlichen Bereich H4 wurden die Abdichtungsarbeiten angeschlossen und kein Wasser im Riss entdeckt. Im Fall des ersten Risses im Bereich H4, wurde der Schnee geräumt und festgestellt, dass die Angabe von 1,5 Metern korrigiert werden musste.

Die tatsächliche Risslänge beträgt dort etwa 12 Meter. Ob vielleicht doch ein Wasserfluss durch den Riss vorliegt könne nun nicht sicher gesagt werden. 

An den Lagertank selbst ergab eine visuelle Inspektion jedes Behälters beider Bereiche, ergab keine Auffälligkeiten und auch die kontinuierliche Wasserstandsmessung der Lagertanks wies keine Abweichungen auf. Dies meldete der Betreiber TEPCO.

In der Vergangenheit war es bereits zu Kritik am Betonfundament der Lagertanks gekommen. Die Betonflächen seien ungenau, praktisch nach Augenmaß und mit einfachen Maurerkellen ausgebracht worden. (Spreadnews berichtete etwa am 23. Dezember 2013).

Bereits zuvor waren Bodenabsenkungen bekannt geworden (Spreadnews berichtete am 26. August 2013).

Austritt von Trinkwasser an Leitung: Am heutigen Dienstag um 11:25 Uhr entdeckte ein Angestellter, dass an einem kleinen Ventil, dass sich am Frostschutz der Trinkwasserleitung für die erdbebensichere Einsatzzentrale befindet, Trinkwasser austrat. Die Leitung versorgt das Gebäude mit Trinkwasser. Zunächst berichtete TEPCO, man suche noch nach Möglichkeiten, den Austritt zu stoppen.

Gegen 12:35 Uhr wurde das Leck durch den Austausch des Ventils gestoppt. Als Ursache geht man davon aus, das Vereisung das Ventil beschädigt habe.

Suche nach Katastrophenopfern geht weiter: Mit dem heutigen Dienstag sind zwei Jahre und elf Monate vergangen, seit des Tohoku-Erdbebens und des Tsunami, die Region im Nordosten Japans schwer traf. Dennoch geben Überlebende und freiwillige Helfer die Suche nach den mehr als 2.600 Personen, die offiziell als vermisst gelten, nicht auf.

Auch Gegenstände, die möglichen Vermissten zugeordnet werden könnten, werden gesammelt und den Hinterbliebenen ausgehändigt. So beteiligten sich heute etwa 100 Polizisten, sowie Freiwillige an den Suchaktionen entlang der Strände der Region und versuchen, auch zur Identifikation der Vermissten beizutragen. Über den Einsatz berichtete die NHK.

Freiwillige beraten bei Entschädigungsforderungen: Eine Gruppe von Rechtsexperten hat eine landesweite Beratung gestartet, mit der Evakuierten die Einforderungen von finanziellen Entschädigungen erleichtert werden soll. Immer noch sei vielen der geflohenen Einwohner die erforderlichen Schritte zur Entschädigungsforderungen nicht bekannt.

An der Aktion sind auch so genannte  Rechtsschreiber (shiho shoshi) beteiligt, bei denen es sich um Juristen mit eingeschränkter Zulassung handelt. Im Rahmen der Beratung wurden auch telefonisch Fragen zu Vorbedingungen für Ansprüche und der Einreichung von Forderungen gestellt und beantwortet. Die Aktion fand an 20 Orten, darunter Tokyo und Fukushima statt. Dies berichtete die NHK.

Viele Ausländer verließen Fukushima: Eine Umfrage der Fukushima International Association ergab, dass im unmittelbaren Zeitraum der Katastrophe am AKW Fukushima Daiichi viele Personen, die keine japanischen Staatsbürger sind, entweder ihren Wohnsitz aus der Präfektur Fukushima verlegten, oder in ihre Heimatländer zurückkehrten.

Akimoto-See, Präfektur Fukushima (Foto: pd)
Akimoto-See, Präfektur Fukushima (Foto: pd)

Ende 2010 betrug die Zahl ausländischer Bewohner der Präfektur 11.190 Personen.

Bei über 60 Prozent handelte es sich um Menschen chinesischer oder philippinischer Herkunft.

Bis Ende Juni 2013 war die Gesamtzahl auf 9.489 Personen gesunken.

Die Befragung umfasste 100 Personen und von 70 der Personen, die noch Ende 2012 in der Präfektur lebten, erklärten 51, sie wären mittlerweile evakuiert. 29 Personen verließen Japan zur Gänze.

Als eines der wichtigsten Probleme nach Ausbruch der Katastrophe wurden die Informationsmöglichkeiten genannt.

Zwar gaben 88 Prozent an, sich über das Fernsehen informiert zu haben, allerdings hatten sie nach eigenen Angaben, ebenso wie die 30 Personen die das Radio genutzt hatten, Verständnisprobleme im Bezug über Standort, Strahlung und Vorbereitungen zur Evakuierung. Zeitungen waren als nicht zeitnah und weniger vertrauenswürdig betrachtet worden.

Über die Ergebnisse der Umfrage berichtete die Kyodo.

Dennoch gibt es nach wie vor Ausländer in der Präfektur Fukushima. Einige von ihnen, wie etwa der US-Amerikaner Ryan McDonald, der seit 2002 als Englischlehrer in Japan arbeitet und immer noch in Fukushima lebt, versuchen den Eindruck, es handele sich bei der Region um eine einzige verstrahlte Einöde, zu revidieren.

McDonald hatte im Rahmen eines Projekts einen Kalender herausgebracht, der Aufnahmen von Landschaft, Kultur und Menschen enthielt. Die Fotos stammen von anderen ausländischen Bewohnern der Präfektur. Der Kalender hatte eine Auflage von 3.500 Stück und Exemplare wurden auch Staatschefs und Prominenten zugesandt, um den verzerrten Eindruck unaufdringlich zu korrigieren.

 

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