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Fukushima aktuell: Roboter-Einsatz in Reaktor 1 angelaufen

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Artikelbild - Fukushima-Reaktor 1: Aufnahmen durch die Wasseroberfläche am 18. März 2017 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Unterwasser-Aufnahmen am 18. März 2017 (Foto: TEPCO)

Die Woche beginnt für den Betreiber des AKW Fukushima heute mit einer ganzen Reihe von Meldungen über erste Erkenntnisse der Robotermission in Reaktor 1. Daher befasst sich auch der Großteil der heutigen Fukushima News mit diesem Themenkomplex.

Weitere Meldungen betreffen unter anderem das Mega-Tankfloß, das Schicksal der freiwillig Evakuierten und Stilllegungsgerüchte um das zweite TEPCO-AKW. Die Details gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 20. März 2017.

Unsere heutigen Themen zum Wochenbeginn:

  • Einführung des PMORPH-Roboters in Reaktor 1 erfolgreich
  • TEPCO widerspricht Stilllegungsgerüchten für Fukushima Daini
  • Mega-Tankfloß soll 2019 zerlegt werden
  • Freiwillige Evakuierte bei Gerichtsurteil benachteiligt
  • Fernsehbericht spricht von illegalen Lebensmittelexport nach China
Einführung des PMORPH-Roboters in Reaktor 1 erfolgreich

Wie der Kraftwerksbetreiber TEPCO am Samstag mitteilte, verlief der erste Tag des Robotereinsatzes im Sicherheitsbehälter von Reaktor 1 erfolgreich.

Die Angestellten dürften mit Erleichterung hierauf reagiert haben, waren doch die erforderlichen Vorbereitungsarbeiten für den Einsatz durch einen technischen Defekt nicht unbedingt erleichtert worden.

Fukushima-Reaktor 1: Einführung des Roboters am 18. März 2017 (foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Einführung des Roboters am 18. März 2017 (foto: TEPCO)

Nach der Terminänderung aufgrund eines Kamerausfalls begann die Mission am Samstag ohne besondere Vorkommnisse.

Demnach konnte der Roboter wie geplant durch die Führungsleitung ins Innere des Behälters manövriert werden.

Im Rahmen der viertägigen Mission soll der Roboter versuchen, geschmolzenes Material aus dem Reaktorkern zu lokalisieren. Durch die Echtzeitmessung der Radioaktivität und die geplante Entnahme von Wasserproben, erhofft man sich weitere wichtige Daten.

Die gesammelten Informationen dürften bei der Planung der endgültigen Stilllegung des Reaktors durch Bergung der geschmolzenen Brennelemente von Bedeutung sein. Über den erfolgreichen Beginn der Mission berichtete TEPCO bereits am Samstag.

Erste Erkenntnisse der Roboter-Mission in Reaktor 1 vom Sonntag

Am Sonntag wurden erste Untersuchungsergebnisse durch den Betreiber des AKW Fukushima Daiichi bekannt gegeben. So sei es zum ersten Mal gelungen, die Radioaktivität im kontaminierten Wasser zu messen und klare Aufnahmen zu machen.

Anhand des bislang vorliegenden Bildmaterials konnte man jedoch noch keinen Hinweis auf das mögliche Vorhandensein von geschmolzenen Brennelementen entdecken. Auch lag die Strahlungsdosis auf dem Laufsteg des Roboters bei 7,8 Sievert pro Stunde.

Würde sich geschmolzenes Material aus dem Reaktorkern dort befinden, wären die Werte vermutlich deutlich höher. Das Unternehmen teilte noch am selben Tag mit, die Mission von einem anderen Punkt aus fortzuführen und dort nach Überresten zu suchen.

Neben TEPCO berichteten auch Präfekturmedien über diese ersten Erkenntnisse.

Erkenntnisse aus Reaktor 1 zum Wochenbeginn

Am heutigen Montag wurde der am Wochenende begonnene Robotereinsatz im Sicherheitsbehälter von Reaktor 1 fortgesetzt. Hauptaufgabe ist dabei immer noch die Lokalisierung von Brennelementen im Inneren.

Gleichzeitig wurden Ergebnisse des Wochenendes zusammengefasst.

Die Experten des Kraftwerksbetreibers TEPCO sind über die Klarheit des Wassers erfreut, da es deutlich bessere Aufnahmen ermöglicht. Die entsprechenden Bilder zeigen dann auch sehr deutlich ein Ventil und ein Rohr am Boden des Sicherheitsbehälters.

Fukushima-Reaktor 1: PMORPH-Roboter im Sicherheitsbehälter, 18. März 2017 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: PMORPH-Roboter im Sicherheitsbehälter, 18. März 2017 (Foto: TEPCO)

Messungen der Radioaktivität ergaben 7,8 Sievert pro Stunde auf der Plattform und dem Gehsteg für Kraftwerksarbeiter.

Das entspricht dem gleichen Wert, wie er ohne Roboter vor einem Jahr gemessen worden war.

Im Wasser, dass dort etwa 2,5 Meter tief, ist lag der Wert bei 1,5 Sievert. Das sei zumindest ein Hinweis auf eine mögliche Strahlungsquelle am Boden des Sicherheitsbehälters.

Derzeit geht TEPCO davon aus, dass im Zuge der Kernschmelze ein großer Teil des zusammengeschmolzenen Materials aus Brennelementen und Trümmern auf den Boden des Sicherheitsbehälters gelangte.

Die Kameraaufnahmen des Roboters zeigen aber auch die Verformungen am Gehsteg für die Arbeitskräfte. Nach Ansicht von TEPCO ist vermutlich die Hitze durch die Kernschmelze für die Deformierung verantwortlich.

Der Roboter soll vier Positionen erkunden, denn TEPCO hofft, anhand der Dosimeter-Daten und dem Vergleich mit einem Abschnitt geringer Radioaktivität, den wahrscheinlichsten Fundort für die Überreste der Brennelemente ermitteln zu können.

Der Standort mit dem niedrigsten Strahlungsniveau wurde am gestrigen Sonntag, dem zweiten Tag der Mission ermittelt. Heute sollte eine Öffnung nahe des Bodens ermittelt werden, wo vermutlich geschmolzenes Material (Corium)  hinaus gelangt sein könnte.

Einen kleinen Rückschlag musste das Betreiberunternehmen jedoch schon einstecken – aus Sicherheitsgründen wurde der Plan, am Samstag einige Kameraaufnahmen und Messungen von einem Punkt 40 Zentimeter über dem Boden durchzuführen, verworfen.

Es habe das Risiko bestanden, dass sich das frei herabhängende Messinstrument dort an vorhandenen Trümmern, wie etwa Ventilen und Rohren, hängen bleiben könnte. Dennoch läuft der Einsatz offenbar bislang ohne Störungen ab. Das berichten Präfekturmedien.

TEPCO widerspricht Stilllegungsgerüchten für Fukushima Daini

Der Betreiber der beiden Kernkraftwerke Fukushima Daiichi (Fukushima 1) und Fukushima Daini (Fukushima 2) widersprach am Wochenende zuvor veröffentlichten Medienberichten zur Zukunft von Reaktor 1 des zweiten Kraftwerks.

AKW Fukushima Daini (Foto: KEI cc-by)
Gerüchte um Stilllegung am AKW Fukushima Daini (Foto: KEI cc-by)

TEPCO hatte bislang eine klare Stellungnahme zum Schicksal des AKW Fukushima Daini vermieden. Die Anlage war im März 2011 ebenfalls vom Tsunami getroffen worden, doch die rechtzeitige Wiederherstellung der Stromversorgung verhinderte dort Kernschmelzen.

Am Freitag hatte die Mainichi Shimbun dann  überraschend berichtet, inoffiziell habe TEPCO zumindest die Stilllegung von Reaktor 1 beschlossen.

Doch nur einen Tag später meldeten Präfekturmedien, das Unternehmen widerspreche dieser Darstellung. Bislang sei dieser Plan noch nicht abschließend festgelegt worden, ließ TEPCO verlautbaren.

Auch Gouverneur Masao Uchibori erklärte, ihm sei zwar die Berichterstattung bekannt, ihm liege jedoch keine diesbezügliche Meldung durch das Unternehmen vor. Über die Differenzen berichteten Präfekturmedien.

Es darf bezweifelt werden, dass die Öffentlichkeit sich mit einer partiellen Stilllegung des Kernkraftwerks zufrieden geben wird. Forderungen nach einer Stilllegung gibt es seit Jahren. Allerdings waren auch Pläne zum Neustart des AKW Fukushima Daini gemacht worden.

Mega-Tankfloß soll 2019 zerlegt werden

Der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi hat nun einen ersten Zeitrahmen für die geplante Entsorgung des Mega-Tankfloßes, das nunmehr ungenutzt im Hafen des Kernkraftwerks vor Anker liegt.

Demnach soll das Floß im Laufe des Jahres 2019 endgültig demontiert werden.

Ankunft des Mega-Floßes im Hafen von Yokohama, 7. April 2011 (Foto: TEPCO)
Ankunft des Mega-Floßes im Umbauhafen von Yokohama, 7. April 2011 (Foto: TEPCO)

Das 136 Meter lange und 46 Meter breite Floß galt während der Akutphase der Krise als eine der Trumpfkarten, um den zunehmenden Lagerbedarf für radioaktiv belastete Abwässer decken zu können.

In dem Floß waren mehrere tausend Tonnen schwach radioaktives Wasser zwischengelagert worden, bis die Kapazitäten an Lagertanks an Land ausreichend aufgestockt werden konnten.

Doch die Hochzeiten des schwimmenden Gefährts sind längst vorbei – nun gilt das Mega-Tankfloß sogar als Sicherheitsrisiko für die Anlage. So besteht grundsätzlich das Risiko, dass es bei einem erneuten Tsunami auf die Hafenanlage geschleudert wird.

Dazu kommen die Risse in den Wänden des Tankfloßes, die im vergangenen Monat festgestellt wurden, und dem Anliegen zusätzliche Wichtigkeit verleihen. Über die Bekanntgabe des Zeitrahmens berichteten Präfekturmedien.

Freiwillige Evakuierte bei Gerichtsurteil benachteiligt

Die erste Gerichtsentscheidung gegen die Regierung und TEPCO, die den beiden Beklagten für die Folgen der Kraftwerkskatastrophe haftbar gemacht wurden, wird teilweise als eine Art Sieg des kleinen Mannes gegen die Atom-Lobby gepriesen.

Japan: Japanische Yen-Banknoten (Foto: pd)
Entschädigungsurteil: „Frieiwillig Evakuierte“ fühlen sich benachteiligt (Symbolfoto: pd)

Doch tatsächlich wurden nur 62 der insgesamt 137 Klagen stattgegeben und auch die Gesamtsumme fiel niedriger aus, als von den Klägern verlangt worden war. Besonders gravierend sind jedoch die Ungleichheiten bei der Verteilung der Summe.

Während 19 Kläger, die aus Gebieten mit Evakuierungsanordung geflohen waren, Beträge zwischen 750.000 und 3,5 Millionen Yen erhalten, liegt die Entschädigung bei den so genannten „freiwillig Evakuierten“ nur bei 70.000 bis 730.000 Yen.

Grund hierfür ist, neben einem Stufensystem für seelische Belastung, auch die Anerkennung der provisorischen Entschädigungszahlungen von TEPCO, die aufgrund von Vorgaben einer Schlichtungsstelle im August 2011 eingeführt worden waren.

Sie sahen monatliche Zahlungen von 100.000 Yen pro Person bei Personen aus offiziellen Evakuierungsgebieten und 80.000 Yen für freiwillig Evakuierte vor. Diese Zahlungen wurden bei der Entscheidung des Gerichts berücksichtigt.

Obwohl bereits 2011 diese Personengruppe über die unzureichende Höhe geklagt hatten, müssen sie sich auch nach dem aktuellen Urteil mit vergleichsweise geringen Entschädigungssummen zufrieden geben.

Über die Ungleichbehandlung berichtete die Mainichi Shimbun.

Fernsehrbericht spricht von illegalen Lebensmittelexport nach China

Ein Bericht des chinesischen Fernsehsender „China Central Television“ (CCTV), in dem behauptet wird, es habe verbotenen Lebensmittelexporte aus Japan gegeben, sorgen bei den japanischen Firmen und Unterstützern des freien Handels auf Kritik.

Tokyo: Lebensmittel (Foto: Copyright by KJ)
Frische Lebensmittel in Tokyo (Foto: Copyright by KJ)

In einer Reportage vom 15. Januar behauptet der Sender, die japanische Konzerne Muji und Aeon hätten Produkte aus „kontaminierten Gebieten“ durch Umetikettierung der Herkunftsregion nach China verschifft.

Beide Hersteller weisen die Vorwürfe zurück und gehen dabei in die offensive. Bei Aeon wurden die Produkte kurzzeitig für Inspektionen zurückgerufen, doch in einer Presseerklärung vom 17. März bekannt gegeben, man habe keine Verstöße festgestellt.

Das Unternehmen Muji führt den Bericht auf einen Irrtum bei der Recherche des Senders zurück. Zwar wurden die Produkte in den Präfekturen Fukui und Osaka produziert, als Anschrift jedoch der Hauptsitz des Unternehmens in der Präfektur Tokyo genannt.

Auch Unterstützer japanischer Produkte in China kritisieren den Bericht und erklärten sogar, China solle sich eher Gedanken um die Lebensmittelsicherheit der eigenen Produkte machen.

Das Importverbot für zehn Präfekturen, darunter Chiba, Fukushima und Ibaraki, sowie Miyagi und Tokyo, ist seit langem ein Streitpunkt zwischen beiden Staaten. Über die jüngsten Spannungen berichtete die Mainichi Shimbun.

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