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Fukushima aktuell: Robotereinsatz in Reaktor 1 verschoben

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Artikelbild - Fukushima-Reaktor 1: Vollständig demontierter Schutzmantel am 10. November 2016 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Vollständig demontierter Schutzmantel am 10. November 2016 (Foto: TEPCO)

Zähneknirschend musste der Betreiber des AKW Fukushima heute den Start einer mehrtägigen Robotermission verschieben. Weitere Fukushima News berichten unter anderem von Wartungsversäumnissen am Kraftwerk.

Die Details und weitere interessante Meldungen gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 14. März 2017.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Robotermission in Reaktor 1 wegen Kameraproblemen verschoben
  • Reaktor-Notkühlsystem blieb 30 Jahre lang ungeprüft
  • Präfektur macht abweichende Angaben zur Zahl der Evakuierten
  • Dekontamination von Straßengräben in Iwaki
  • Premierminister verschwieg AKW-Krise in Gedenkansprache
Robotermission in Reaktor 1 wegen Kameraproblemen verschoben

Wie der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi am heutigen Dienstag bekannt gab, musste der für heute geplante Beginn der Untersuchung des Sicherheitsbehälters von Reaktor 1 nach technischen Problemen vorerst verschoben werden.

Grund für den Stopp der Maßnahme war eine technische Störung bei den Vorbereitungen für den Einsatz des Roboters. Demnach habe eine Kamera, die sich im selben Behälter wie der Roboter, Kabel, und ähnliches Gerät befand, keine Bilder geliefert.

Das Unternehmen will die genauen Umstände des Problems klären und plant für den morgigen Mittwoch einen weiteren Anlauf des PMORPH-Roboters. Eine für morgen vorgesehene Pressekonferenz über den Einsatz wurde verschoben.

Es habe an den Messposten keine Hinweise auf ein steigendes Strahlungniveau in der Umgebung gegeben. Die Kamera sollte den Roboter während seines Wegs in das Innere beobachten.

Über den Zwischenfall berichteten neben dem Kraftwerksbetreiber TEPCO auch Kyodo und NHK, sowie Präfekturmedien.

Reaktor-Notkühlsystem blieb 30 Jahre lang ungeprüft

Ein Notkühlsystem für Reaktor 1 des AKW Fukushima Daiichi blieb offenbar fast 30 Jahre in einem Modus, der einen schnellen Start des Systems erschwerte. Dieser Umstand wurde erst 2010, ein Jahr vor der Reaktorkatastrophe, behoben.

Das geht aus Befragungen und einer Anfrage zur Freigabe entsprechender Informationen durch die japanische Rundfunkanstalt NHK hervor. Demnach wurde im Jahr 1981 eine Einstellung für den Isolationskondensator verändert, die einen Start erschweren würde.

Diese Einstellung blieb 30 Jahre lang unangetastet, so dass im Ernstfall zunächst eine Vorrichtung zur Senkung des internen Drucks in Betrieb gegangen wäre, bevor der Isolationskondensator starten würde.

Erst bei einer Kontrolle der Sicherheitsmaßnahmen im Jahr 2010 wurde diese Einstellung geändert und der automatische Start des -Kondensators im Krisenfall veranlasst. Ein Testbetrieb wurde damals nicht durchgeführt.

Reaktor 1 war der erste der vier Reaktorblöcke, bei dem es im März 2011 zu einer Kernschmelze und der daraus folgenden Wasserstoffexplosion des Gebäudes kam.

Der Isolationskondensator startete damals automatisch und konnte auch zur Reaktorkühlung genutzt werden, jedoch wurde er nicht vollständig genutzt und aufgrund eines Stromausfalls seine Bebtriebszustand falsch eingeschätzt.

Wie die Betreiberfirma TEPCO mitteilte, existieren keine Aufzeichnungen darüber, weshalb 1981 der Modus des Notfallsystems geändert worden war, erklärte jedoch den fehlenden Testlauf mit der Sorge vor einem Strahlungsleck, falsch das System beschädigt wäre.

Die Angestellten wären jedoch im Rahmen ihrer Ausbildungskurse auf den Zustand des Kondensators hingewiesen wurden. Das war jedoch möglicherweise nicht ausreichend und könnte den AKW-Unfall begünstigt haben, so Professor Hiroshi Miyano.

Der von der NHK zitierte Professor der Honsei-Iniversität erklärte, dass man ohne ausreichende Erfahrung solch eine Vorrichtung nicht angemessen bedienen könne und erklärte, ein Überarbeitung von Betriebsprüfung und Ausbildung sei auch an anderen AKW sinnvoll.

Präfektur macht abweichende Angaben zur Zahl der Evakuierten

In den Schätzungen der Präfekturverwaltung Fukushima fällt die Zahl der Evakuierten deutlich niedriger aus, als bei den örtlichen Gemeinden. Das wurde jetzt durch eine Untersuchung der NHK deutlich..

Außenansicht von Übergangshäusern (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Außenansicht von Übergangshäusern (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Während die Präfektur von 17.781  Personen aus fünf Gemeinden spricht, die aufgrund der Lage um das AKW Fukushima Daiichi evakuiert werden mussten und immer noch in Übergangshäusern leben, erfasste die Umfrage der NHK insgesamt 42.030 Personen.

Das entspricht einer Differenz von etwa 24.000 Personen, die in den Schätzungen der Präfekturführung nicht auftauchen. Grund hierfür ist, dass die Gemeinden auch solche Personen als Evakuierte erfassen, die andere Wohnmöglichkeiten gefunden haben.

Die Präfektur klammert diese Personen dagegen aus der Liste der Evakuierten aus, da sie nicht mehr in Übergangshäusern wohnen. Durch diese Darstellung wird die Zahl der Menschen, die aufgrund ihrer Flucht finanzielle Hilfe benötigen, verzerrt.

Dekontamination von Straßengräben in Iwaki

Gestern begann die Stadt Iwaki mit der Entfernung von radioaktiv kontaminiertem Schlamm aus dem Straßengraben der Hauptstraße des Bezirks Onahama. Derartige Ablagerungen in Gullis und Gräben waren durch den Fallout der AKW-Krise kontaminiert worden.

Jetzt wird in diesem Teil der Gemeinde eine Strecke von 18,9 Kilometern in Angriff genommen und es wird geschätzt, das etwa 590 Kubikmeter an kontaminiertem Erdreich dabei anfallen werden.

Bei der Durchführung werden die Ablagerungen mit einem Tankwagen abgesaugt, bzw. zunächst durch einen Hochdruckreiniger gelöst, falls sich diese verhärtet haben sollten.

Die sichergestellten Ablagerungen sollen zunächst übergangsweise gelagert werden. Die Stadt Iwaki plant den Bau einer Anlage, die das unterschiedliche Material voneinander trennt und die Entsorgung erleichtert, etwa indem der Masse Feuchtigkeit entzogen wird.

Nach Angaben der Stadtverwaltung liegt die radioaktive Belastung von Erde und Sand unter 2.000 Becquerel pro Kilo. Sie werden, ebenso wie Sedimente mit Belastungen unter 8.000 Becquerel, wie normaler Abfall auf der Müllkippe entsorgt.

Das Projekt im Bezirk Onahama hat Modellcharakter, da Methoden, die sich hier als effektiv erweisen, auch bei Dekontaminationsarbeiten in anderen Gebieten genutzt werden könnten. Über die Maßnahme berichteten Präfekturmedien.

Premierminister verschwieg AKW-Krise in Gedenkansprache

Masao Uchibori, Gouverneur der Präfektur Fukushima, reagierte verstimmt auf die Rede von Japans Premierminister Shinzo Abe anlässlich der Gedenkfeier zum sechsten Jahrestag der Tohoku-Katastrophen vom März 2011.

Premierminister Shinzo Abe am 17. Dezember 2012 (Foto: pd)
Eklat nach Gedenkrede: Premierminister Shinzo Abe verschwieg AKW-Krise (Foto: pd)

Grund hierfür ist der Umstand, dass der Premier in seiner Rede die Kernschmelzen am AKW Fukushima Daiichi und deren Effekte als Folge der Naturkatastrophen nicht einmal erwähnte.

Gouverneur Uchibori kritisiert, gerade die AKW-Krise sei eine Folge der Ereignisse, von der man nicht in der Vergangenheitsform sprechen könne, da ihre Auswirkungen bis in die Gegenwart reichen.

Sie überhaupt nicht zu erwähnen sei unangemessen und die Vermeidung von Begriffen wie „Kraftwerkskatastrophe“ vermittele den Bürgern seiner Präfektur kein gutes Gefühl – eine verständliche Einschätzung, da ihre größte Sorge totgeschwiegen wird.

Über den Unmut des Gouverneurs berichteten Asahi Shimbun und Präfekturmedien.

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