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Fukushima aktuell: Rückschläge bei Eiswallprojekt und Filterung von Lagertankwasser

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Artikelbild - AKW Fukushima: Gesicherte Anlage der Grundwasserbarriere am 26. Januar 2015 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Gesicherte Anlage der Grundwasserbarriere am 26. Januar 2015 (Foto: TEPCO)

Wie die Artikel zum AKW Fukushima heute wieder zeigen, muss TEPCO erneut das Scheitern von Zeitplänen eingestehen – ausgerechnet bei Arbeiten, die vom AKW-Betreiber in Japan aktuell als Zeichen für Fortschritte herangezogen worden waren. Weitere Fukushima News, etwa zu Strahlungsmessungen, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 17. März 2015.

Unsere heutigen Themen:

  • Verzögerung bei Filterung von Lagertankwasser
  • Eiswallprojekt verzögert sich weiter
  • Luftschiffe zur Strahlungsmessung entwickelt
  • Aktivisten befassen sich mit Atomunfall

Verzögerung bei Filterung von Lagertankwasser: Im Zusammenhang mit dem Bericht über die Senkung des Strahlungsniveaus auf der Kraftwerksanlage, hatte TEPCO bereits gestern mitgeteilt, die Filterung aller 600.000 Tonnen eingelagerten Wasser bis Ende Mai könne voraussichtlich nicht erreicht werden.

Noch am selben Tag konkretisierte TEPCO bei einem Treffen mit Regierungsvertretern in Naraha diese Angaben und erklärte, 20.000 Tonnen an eingelagertem Wasser, könnten erst nach dem geplanten Zeitpunkt gefiltert werden.

AKW Fukushima: Sandsäcke an Wassertanks am 22. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Sandsäcke an Wassertanks am 22. August 2013 (Foto: TEPCO)

Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Meerwasser, das neben dem radioaktiven Material auch Mineralien wie Magnesium enthält. Die Filterung dieses Wassers werde daher mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Die verbleibenden 40.000 Tonnen sollen dagegen durch den Einsatz des Multinuklid-Filtersystems ALPS, das 62 Radionuklide filtern kann, sowie gesonderter Strontium-Filteranlagen wie geplant verarbeitet werden können.  Über das Scheitern des bisherigen Zeitplans berichteten Kyodo, jiji und Präfekturmedien.

Auch wenn dieses Vorgehen nicht einer vollständigen Dekontamination entspricht, da etwa eine Filterung von Tritium bislang nicht effektiv möglich ist, will man hierdurch das Risiko durch das Wasser verringern.

Sowohl die erhöhte Umgebungsradioaktivität um die Behälter, durch die einige Bereiche bereits nicht mehr betreten werden dürfen, als auch das Risiko bei Lecks und ungeplanten Wasseraustritten würden durch die Maßnahme reduziert.

So lange jedoch etwa eine Tritiumfilterung nicht durchgeführt werden kann, dürfte die wiederholte Bitte von TEPCO, auch kontaminiertes Grundwasser nach einer Filterung in den Pazifik einleiten zu dürfen, von den örtlichen Fischereiverbänden weiter abgelehnt werden.

Eiswallprojekt verzögert sich weiter: Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO gestern mitteilte, wird sich der nächste Schritt im Prestigeprojekt des Unternehmens am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi verzögern. Es geht dabei um die Schaffung einer unterirdischen Barriere.

Nachdem die erfolgreiche Bergung aller Brennelemente aus dem Abklingbecken von Reaktor 4 als Meilenstein gefeiert worden war, legte sich der Elektrizitätsanbieter mit der Grundwasserbarriere durch einen Eiswall auf ein neues Prestigeprojekt fest.

AKW Fukushima: Bohrung für die Grundwasserbarriere (Eiswall) am 2. Juni 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Bohrung für die Grundwasserbarriere am 2. Juni 2014 (Foto: TEPCO)

Im Rahmen der Maßnahme soll durch ein unterirdisch verlegtest Rohrsystem eine Kühlflüssigkeit zirkulieren und so den umgebenden Erdboden gefrieren, um auf diese Weise eine Barriere gegen Grundwasser zu schaffen.

Die Rohre sollen auf einer Strecke um die Reaktorblöcke 1 bis 4 geführt werden und so eine Vermischung von Grundwasser und dem stark radioaktiven Wasser, das aus den Untergeschossen dringt, zu verhindern.

Nach der Verlegung der Rohre sollte bereits in diesem Monat mit der Einleitung der Kühlflüssigkeit begonnen werden, doch der ursprüngliche Plan wurde aufgrund von mehrwöchigen Sicherheitskontrollen nach dem Tod von zwei Kraftwerksarbeitern im Januar, verschoben.

Der Plan, zumindest einen ersten Abschnitt des Systems zur Gefrierung zu nutzen verzögert sich nun weiter, da TEPCO nach eigenen Angaben noch keinen neuen Antrag für die Erlaubnis für die Gefrierungsarbeiten bei der Atomaufsicht gestellt hat.

Wann der Kühlkreislauf fertiggestellt und mit der tatsächlichen Schaffung der Barriere begonnen werden kann, bleibt damit vorerst unklar. Über die Verzögerung berichteten Kyodo, NHK und Präfekturmedien.

Tatsächlich wird das Projekt nicht nur zeitlich behindert. So kommt es auf der Strecke zur Überschneidung gefluteter Kabelschächte mit dem Eiswallprojekt. Ein Fortschritt in diesem Bauabschnitt kann erst dann erzielt werden, wenn der Wasserfluss in den Tunneln gestoppt werden kann.

Dabei scheiterte der Versuch, das unterirdische Wasser durch Eis zum Gefrieren zu bringen und auch die Einleitung von Spezialzement erwies sich als nicht in vollem Umfang erfolgreich. Dennoch soll das bislang aufgestaute Wasser dort abgepumpt werden.

Luftschiffe zur Strahlungsmessung entwickelt: Ein Forscherteam der Universität, unter der Leitung von Professor Akira Watanabe, entwickelte ein System, mit dem sich unter Einsatz eines unbemannten Luftschiffs Strahlungsmessungen aus der Luft durchführen lassen.

Gebäude der Universität Fukushima (Foto: pd)
Universität Fukushima: Luftschiff zur Messung von Radioaktivität entwickelt (Foto: pd)

Das heute den Medien vorgestellte Luftschiff ist 14 Meter lang und verfügt über zwei Messgeräte für Strahlungsart und Strahlungswert. Da das Flugobjekt langsamer ist als die bislang eingesetzten Flugzeuge und tiefer fliegt, sollen die derart erfassten Werte genauer sein.

Man hofft, durch den Einsatz des Geräts neue Erkenntnisse zur Verbreitung des radioaktiven Niederschlags (Fallout) nach der Kraftwerkskatastrophe zu gewinnen und aufgrund der Daten bessere Methoden zur Dekontamination gebirgiger Gebiete entwickeln zu können.

Gänzlich problemlos verlief die Demonstration, bei der das Luftschiff vom Universitätsgelände abhoben und einen Berg in den Vororten der Stadt Fukushima umkreiste allerdings nicht.

Aufgrund starker Winde wurde das Flugobjekt vom Kurs abgebracht und stürzte in einen Gebirgswald. Die Wissenschaftler sehen diesen Zwischenfall als Motivation, stabilere Flugeigenschaften unter widrigen Umständen zu entwickeln. Über das Projekt berichtete die NHK.

Aktivisten befassen sich mit Atomunfall: Anlässlich der UN-Konferenz zum Thema Naturkatastrophen, die derzeit in Sendai (Präf. Miyagi) stattfinden, diskutierten auch atomkraftkritische Gruppen und kritisierten die Zurückhaltung der japanische Regierung, Erkenntnisse aus der Fukushima-Katastrophe mit der Welt zu teilen.

Die Aktivisten von Bürgerrechtsgruppen nutzten auch die in mehreren Sprachen verfügbare Broschüre „10 Lessons From Fukushima„, um auf die Unsicherheit der Atomenergie aufmerksam zu machen.

Unterdessen nahmen gestern sieben Personen, darunter Regierungsvertreter der USA, Brasilien und zwei weiterer Staaten, an einer Tour auf dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi teil.

Nach der Besichtigung, bei der die Messwerte der Dosimeter des TEPCO-Personals von 20 Mikrosievert bis auf 50 Mikrosievert pro Stunde gestiegen waren und die persönlichen Dosimeter Belastungen zwischen null und 10 Mikrosievert nachwiesen, interessierten sich die Teilnehmer vor allem für die Kosten der Stilllegung.

Über die Aktivisten und die Interessen der internationalen Gäste berichteten die Kyodo, bzw. die Mainichi Shimbun.

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