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Fukushima aktuell: Säcke mit radioaktiv kontaminiertem Material fortgespült

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Artikelbild - Schwarze Säcke (Foto: Prof. Haruhiko Okumura)
Präf. Fukushima: Abtransport radioaktiver Abfälle ab November möglich (Symbolfoto: Prof. Haruhiko Okumura,cc-by)

Die schweren Regenfälle betreffen das Kernkraftwerk Fukushima heute weiterhin, doch auch an anderen Stellen der Präfektur kommt es zum Konflikt von radioaktiv kontaminiertem Material und den Naturgewalten.

Wir halten sie mit den Fukushima News auf dem Laufenden. Die Details nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 11. September 2015.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Säcke mit kontaminiertem Material aus Flüssen geborgen
  • Wieder radioaktives Regenwasser in Meer gelangt
  • Wasserleck in Lagertankbereich H4
  • Schwere Regenfälle schütteln AKW Fukushima
  • Leckalarm am Turbinengebäude von Reaktor 2
  • Sozialwohnungsmangel bei Tohoku-Überlebenden
  • Bewohnung von Übergangshäuser führt zu Wiederaufbauproblemen

Säcke mit kontaminiertem Material aus Flüssen geborgen: Nach Angaben des Umweltministeriums wurden in der Präfektur Fukushima durch die heftigen Regenfälle mehrere Plastiksäcke mit radioaktiv belastetem Material aus Iitate in den Niida-Fluss gespült.

Zunächst wurde berichtet, man habe 30 Säcke und damit eine Menge von 30 Kubikmetern an Gras, Laub und anderem Dekontaminationsabfall erfolgreich aus dem Fluss bergen können.

Die Suche werde jedoch noch fortgesetzt, da nicht ausgeschlossen werden könne, das auch von anderen Standorten die kontaminierten Abfälle weggespült, oder aber angeschwemmt wurden.

Später wurde gemeldet, insgesamt wären 82 Säcke in die Flüsse Niida und Hiso gespült worden. Davon habe man 37 bereits bergen können. Genaue Angaben über den Inhalt gab es dann jedoch nicht.

So lange der Bau der Zwischenlager für dieses Material noch nicht abgeschlossen ist, werden die Säcke gesammelt und behelfsmäßig auf landwirtschaftlichen Nutzflächen, Sportplätzen und Schulhöfen gelagert. Über die Bergung der Säcke berichtete die NHK.

Wieder radioaktives Regenwasser in Meer gelangt: Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO vom AKW Fukushima aktuell meldet, kam es am heutigen Freitag erneut zur Freisetzung von kontaminiertem Wasser in den Pazifik.

AKW Fukushima: Überlaufen des Abwasserkanals K am 11. September 2015 (Video: TEPCO)
AKW Fukushima: Überlaufen des Abwasserkanals K am 11. September 2015 (Video: TEPCO)

Videoaufnahmen belegten, dass sich um 3:00 Uhr, 5:20 Uhr und 6:00 Uhr jeweils zum Überlaufen von Wasser aus einer Abwasserleitung gekommen war.

Das Wasser sei anschließend direkt ins Meer gelaufen. Zahlen zur Konzentration von Radionukliden liegen noch nicht vor. Die Krisensitation bestand somit über zweieinhalb Stunden lang.

Als erste Hilfsmaßnahme wurde der Wasserfluss durch den Kanal blockiert und Abpumparbeiten begonnen, so dass kein weiteres Wasser mehr ins Meer gelangte.

In der Vergangenheit war es an der Abwasserleitung nach Regenfällen bereits mehrfach zum Überlaufen gekommen und im Februar erstmals kontaminiertes Wasser ins Meer gelangt.

Arbeiten, den Verlauf des gesamten Abwasserkanals zu ändern, so dass er im Hafenbecken mündet und –  nicht länger ins offene Meer waren –  im Mai begonnen worden, sind jedoch bislang noch nicht abgeschlossen.

Über diese erneute Meereskontamination durch die Abwasserleitung am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi berichtete die NHK.

Wasserleck in Lagertankbereich H4: Kontrollen im Lagertankbereich H4 begannen, wiesen im Lauf der Überprüfung ein Leck nach.

AKW Fukushima: Lecksicherungsmaßnahmen im Lagertankbereich H4 am 11. September 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Lecksicherungsmaßnahmen im Lagertankbereich H4 am 11. September 2014 (Foto: TEPCO)

Den Verlauf des Wasseraustritts rekonstruierte das Unternehmen bereits. Demnach habe ein Kontrollgang um 13:05 Uhr festgestellt, das Regenwasser in bleistiftdickem Strahl an den Bolzenstellen der Barriere austrat.

Entsprechende Maßnahmen wurden eingeleitet. Gegen 14:12 Uhr galt die Leckstelle abgedichtet und mit Pumparbeiten zur Sicherung des verbliebenen Wassers begonnen.

Die Menge an Regenwasser die zwischen 8:30 Uhr und 14:12 Uhr austrat, wird mit 924 Litern angegeben. Das berichtete die Betreiberfirma TEPCO.

Später lieferte das Unternehmen erste Angaben zu den Strahlungsdaten. Demnach habe man in Wasserproben innerhalb der Barriere eine Konzentration von Cäsium-137 in Höhe von 3,3 Becquerel pro Liter nachgewiesen.

Während Cäsium-134 unterhalb des Nachweiswerts lag, wurden Betastrahler in Höhe von 1.000 Becquerel pro Liter festgestellt.

Außerhalb der Barriere lagen die Cäsiumwerte unter dem Nachweiswert, während die Betastrahler bei 420 Becquerel pro Liter lag. Am Leckpunkt selbst wurde eine Betastrahlerkonzentration von 1.200 Becquerel nachgewiesen.

Schwere Regenfälle schütteln AKW Fukushima: Die schweren Regenfälle in den vergangenen Tagen haben mehrfach zu verschiedenen Formen von Wasserlecks geführt.

So kam es am Montag zum Überlaufen von Regenwasser an der Abwasserleitung K. Am Dienstag räumte TEPCO ein, dabei sei kontaminiertes Wasser ins Meer gelangt.

Ebenfalls am Dienstag wurde der Austritt von Regenwasser durch den Spalt einer Lagertankbarriere festgestellt und der Donnerstag brachte dann an zwei Stellen Lecks an Rohren durch Betonbarrieren, die abgedichtet werden mussten.

Am heutigen Freitag kam es, wie oben geschildert, zur Freisetzung von radioaktiv kontaminiertem Wasser ins Meer und einem Leck im Lagertankbereich H4.

Nach Darstellung japanischer Medien gibt es  mittlerweile mindestens acht Fälle, in denen eine Kontamination des Meeres vermutet, oder bestätigt wurde.

Leckalarm am Turbinengebäude von Reaktor 2: Gegen 8:17 Uhr wies der Alarm eines Leckdetektors am Turbinengebäude von Reaktor 2 auf einen Wasseraustritt an einem Ablassventil hin.

Als Sicherheitsmaßnahme wurde um 8:19 Uhr der Wassertransfer zwischen dem Untergeschoss des Turbinengebäudes und dem Gebäude zur Wasseraufbereitung unterbrochen.

Eine Kontrolle vor Ort ergab gegen 9:06 Uhr, dass offenbar herabtropfendes Regenwasser den Detektor ausgelöst hatte und kein tatsächliches Wasserleck bestand.

Nach der Entfernung der Flüssigkeit gegen 9:27 Uhr wurde der Alarm wieder aufgehoben. Das berichtete der Kraftwerksbetreiber TEPCO.

Sozialwohnungsmangel bei Tohoku-Überlebenden: Am heutigen 11. September warf die Behörde für Wiederaufbau einen Blick auf die Entwicklung der Wohnungssituation in den drei Präfekturen seit den Tohoku-Katastrophen vom 11. März 2011.

Außenansicht von Übergangshäusern (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Außenansicht von Übergangshäusern (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Demnach sind die Zahlen jener Katastrophenopfer, die in Übergangshäusern leben, zwar zurückgegangen, die Unterbringung von etwa 140.000 Evakuierten stelle die Behörden jedoch immer noch vor eine Herausforderung.

Bislang sind mit etwa 11.000 Angeboten des sozialen Wohnungsbaus gerade einmal 37 Prozent der geplanten Projekte abgeschlossen.

Im Fall der Verlegung von Ortschaften in höher gelegene Gebiete durch die Erschließung von neuem Baugelände, sind etwas weniger als 5.000 Häuser und somit kaum 24 Prozent der Maßnahmen abgeschlossen.

Auch wenn die Behörden der drei Präfekturen davon ausgehen, bis Ende des Fiskaljahrs im kommenden März 62 Prozent der sozialen Wohnungsbauprojekte um 47 Prozent der Landerschließung bewältigt zu haben, werden weiterhin viele in Übergangshäusern leben müssen. Das berichtete die NHK.

Nach Angaben der Polizei gelten viereinhalb Jahre seit den Katastrophen 18.465 Personen als tot oder vermisst. Mehr als 3.000 weitere Personen starben aufgrund der besonderen Umstände durch die Katastrophen, oder in Notaufnahmeeinrichtungen.

Bewohnung von Übergangshäuser führt zu Wiederaufbauproblemen: Eine am Mittwoch veröffentlichte Studie kommt zu dem Schluss, dass in den drei Katastrophenpräfekturen mindestens 900 Übergangshäuser weiter bewohnt werden, obwohl keine Veranlassung dafür besteht.

Blick in ein Übergangshaus (Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Blick in ein Übergangshaus (Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Faktoren wie die Angst, erneut ein Obdach zu verlieren, die Kosten von Mietwohnungen, oder der Umstand, das neue Gebäude an zuvor überfluteten Standorten gebaut wurden, führen zur geringen Bereitschaft in Sozialwohnungen umzuziehen.

Die Folge ist, dass der Wiederaufbau von Gemeinden behindert wird, weil die Übergangshäuser abgerissen und dauerhafte Gebäude dort geschaffen werden sollen.

Auch Besitzverhältnisse erschweren die Beseitigung der Gebäude. So wäre das Eigentum von Personen, die in Übergangshäusern verstarben, nicht abgeholt worden, oder die Gebäude würden als Lager benutzt, wenn Senioren zwar in Altenheime umziehen, aber keine Angehörigen die Behausung räumten.

In einigen Fällen liegt auch eine illegale Weiternutzung vor, etwa als kostenfreies Lagerhaus, oder als inoffizieller Zweitwohnsitz um schneller zur Arbeit zu kommen.

Mit Stand von Ende Juli sind in der Ortschaft Okuma (Präf. Fukushima) noch 160 Übergangshäuser besetzt.

In Ishinomaki (Präf. Miyagi) existieren noch 7.200 Übergangshäuser, die höchste Zahl unter den drei Katastrophenpräfekturen. Mindestens 451 werden noch genutzt.

Über die Probleme in den insgesamt 46 befragten Gemeinden, in denen noch kostenlose Übergangshäuser vorhanden sind, berichtete die Kyodo.

 

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