Fukushima aktuell: Schlampiger Einsatz von Bindemittel gefährdete AKW-Arbeiter

Fukushima aktuell: Schlampiger Einsatz von Bindemittel gefährdete AKW-Arbeiter

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Artikelbild - Oberer Teil von Reaktor 3 am 5. September 2012 (Foto: TEPCO)
Oberer Teil von Fukushima-Reaktor 3 am 5. September 2012 (Foto: TEPCO)

Enthüllungen über schlampige Sicherheitsmaßnahmen und Besorgnis um ein mögliches Tankleck, begleiten die Fukushima News in das Neue Jahr und so gibt es über die Arbeiten am AKW Fukushima heute die vermutlich letzte Meldung dieses Jahres, im Spreadnews Japan-Ticker vom 31. Dezember 2014.

Unsere Themen zum Jahresende:

  • Schlampiger Bindemitteleinsatz gefährdete Fukushima-Arbeiter
  • Tropfendes Leck vor Neujahr festgestellt

Schlampiger Bindemitteleinsatz gefährdete Fukushima-Arbeiter: Im August 2013 sorgten in Japan die Berichte über eine radioaktive Kontamination von Reisfeldern für Aufsehen. Als Grund wurden Räumarbeiten an Reaktor 3 vermutet, da bei den Trümmerräumungen kontaminierter Staub aufgewirbelt wurde.

Experten hatten dann jedoch im Oktober 2014 erstmals offiziell Zweifel über einen Zusammenhang zwischen Reisfeldkontamination und Trümmerräumung geäußert. Eine Neubeurteilung vom November kam ebenfalls zu dem Schluss dass die Trümmerräumung nicht ursächlich für die Reisfeldkontamination sei.

Jetzt wurde jedoch bekannt gegeben, dass der Kraftwerksbetreiber TEPCO im Sommer 2013  ein chemisches Bindemittel, dass die Verbreitung von radioaktiv kontaminiertem Staub verhindern sollte, offenbar unsachgemäß eingesetzt und so die Gesundheit von Angestellten gefährdet hatte.

Nicht nur, dass die Substanz vor dem Einsatz über das zulässige Maß hinaus verdünnt wurde –  das Mittel wurde zudem nicht täglich genutzt. Es handelt sich dabei um eine alkalische Flüssigkeit, die nach einigen Stunden aushärtet und im Normalfall zur chemischen Bindung von Asbest eingesetzt wird.

Im Sommer vergangenen Jahres war es zur Kontamination von 12 Kraftwerksarbeitern gekommen. Dieser Zwischenfall wurde später geklärt und die Kontamination der Angestellten durch Trümmerstaub festgestellt. Dieser war durch die Arbeiten an Reaktor 3 aufgewirbelt worden.

Der nachlässige Einsatz des Mittels bei den Arbeiten wurde noch etwa ein Jahr lang fortgesetzt. Die Atomaufsichtsbehörde NRA befasste sich mit dem Fall. Deutlich wird nun ein unregelmäßiger Umgang mit dem Mittel.

  • Bei der Trümmerräumung von Reaktor 4 wurde die Substanz vorschriftsmäßig genutzt und einen Tag vor dem Arbeitseinsatz, als auch unmittelbar vor Beginn der Arbeiten entweder gänzlich unverdünnt, oder nach Herstellerempfehlung mit zehn Teilen Wasser verdünnt.
  • Bei der Trümmerräumung an Reaktor 3 im August 2012, wurde das Bindemittel unzulässig hoch, mit hundert Teilen Wasser verdünnt, und nur alle paar Tage, oder sogar Wochen versprüht. Nach Herstellerangaben war das Mittel so gänzlich unwirksam.

Als die Verbreitung von kontaminiertem Staub im Sommer 2013 bekannt wurde, war das Bindemittel im Zeitraum zwischen Mitte Juni und dem 13. August lediglich zweimal eingesetzt worden. Damals kam es zum Alarm und der Kontamination der Arbeiter.

TEPCO räumte die Vorwürfe ein und erklärte die unsachgemäße Handhabung mit den Wasserwerten im Lagerbecken von Reaktor 3. Da durch die Mischung mit dem Bindemittel der alkalische Anteil im Becken stieg, fürchtete man Auswirkungen auf die Ausrüstung dort.

Man habe dann mit höheren Verdünnungsgraden experimentiert, jedoch keine Untersuchungen zur langfristigen Wirksamkeit des Bindemittels bei hoher Verdünnung durchgeführt. Ab Oktober 2013 kehrte TEPCO dann zur sachgemäßen Nutzung zurück.

Wie umfangreich die Auswirkungen der Einsparmaßnahmen waren, zeigen Schätzungen der Atomaufsicht zum 19. August, als die Menge an freigesetztem Material schätzungsweise auf das 6.700-fache des Normalwerts stieg. Zu einem Zeitpunkt sei sogar an einem Standort in drei Kilometern Entfernung vom Kraftwerksgelände ein Strahlungsanstieg gemeldet worden.

Auch die Atomaufsicht NRA räumt rückblickend Mängel ein, da man damals den Umgang mit dem Bindemittel nicht kontrolliert habe. Hierüber berichtete die Asahi Shimbun.

Tropfendes Leck vor Neujahr festgestellt: Am heutigen Mittwoch entdeckte ein Angestellter gegen 12:39 Uhr, dass im Lagertankbereich H2 offenbar Wasser aus einem Behälter hinausgelangte, da dort Tropfen mit einer Geschwindigkeit von einem Tropfen alle fünf bis sechs Sekunden auftraten.

Wie TEPCO mitteilte, blieb das Wasser nicht nur innerhalb des Lagertankbereichs, sondern konnte zudem in Behältern aufgefangen werden. Somit bestehe keine Gefahr für die Umwelt Das Unternehmen erklärte, die genauen Umstände zu untersuchen. Bei dem Lagertank, handelt es sich um einen unverschweißten Behälter alten Typs.

Später ergänzte der Kraftwerksbetreiber die zuvor gemachten Angaben. Demnach habe sich die Tropfgeschwindigkeit auf einen Tropfen alle 60 Sekunden reduziert. Erste Messungen an der Oberfläche ergaben eine Konzentration von Betastrahlern von 0,03 Millisievert pro Stunde.

Gammastrahlung wurde in Höhe von 0,01 Millisievert nachgewiesen und entsprach damit etwa der Hintergrundstrahlung. Aufgrund der geringen Konzentration gehe man nun davon aus, dass es sich nicht um Wasser aus dem Behälter handelt und daher auch keine Flüssigkeit aus dem Lagertank sickert.

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