Start Aktuelles Fukushima aktuell: Schleppende Arbeiten verzögern geplante Rückkehr

Fukushima aktuell: Schleppende Arbeiten verzögern geplante Rückkehr

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Artikelbild - Übergangshaussiedlung (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Nicht nur in Fukushima präsent: Übergangshäuser in der Präfektur Miyagi (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)

TEPCO kann den gestern erfolgten Neustart des ALPS-Filtersystems für sich verbuchen und präsentiert vom AKW Fukushima heute Bilder von den Maßnahmen, die nach dem letzten Großleck getroffen worden waren. Dass aber nicht überall alles läuft wie erwartet, zeigen die Fukushima News über Verzögerungen bei der Rǘckkehr.

Alle Einzelheiten nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 28. Februar 2014.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Aufhebung der Evakuierungsorder verzögert sich um ein Jahr
  • TEPCO zeigt Maßnahmen nach 100-Tonnen-Leck
  • Fukushima-Fisch mit überschrittenem Grenzwert entdeckt
  • Aktuelle Angaben zur Strahlungsbelastung der Fukushima-Arbeiter
  • Kinder leiden an Katastrophenfolgen

Aufhebung der Evakuierungsorder verzögert sich um ein Jahr: Die Pläne von Japans Regierung, die Evakuierungsaufforderungen für die Ortschaften Katsurao und Iitate anlässlich des dritten Jahrestags der Tohoku-Katastrophen aufheben zu können, verschieben sich nun um ein Jahr.

Ursache für die ungeplante Verlängerung sind die geringen Fortschritte bei der Entfernung radioaktiven Materials und dem Wiederaufbau der benötigten Infrastruktur der beiden Gemeinden. Zuvor hatte die Regierung am vergangenen Sonntag angekündigt, zum 1. April die Rückkehr in einen Bezirk der Stadt Tamura zu ermöglichen (Spreadnews berichtete am 24. Februar 2014).

Die Verzögerung betrifft in Katsurao 407 Haushalte (1.329 Personen) und in Iitate 208 Haushalte (791 Personen). Die Behörden setzen nun auf den März 2015, wollen jedoch zusätzlich Gespräche mit Verantwortlichen der Gemeinden und den Einwohnern führen. Über den Rückschlag berichteten Asahi Shimbun und NHK.

Grundlage der Freigabe von Teilen einstiger Ortschaften ist das Drei-Zonen-Modell, das sich nach der jährlichen Strahlungsbelastung richtet. Dieses Schema war bereits im Jahr 2011 ausgearbeitet worden (Spreadnews berichtete am 19. Dezember 2011).

  • Langfristig unbewohnbar: Gebiete die Strahlungswerte über 50 Millisievert pro Jahr aufweisen und diese Werte nicht innerhalb von fünf Jahren auf einen Wert von 20 Millisievert sinken, werden als „langfristig unbewohnbar“ eingestuft. Diese Zone ist Sperrgebiet.
  • Mittelfristig bewohnbar: Gebiete mit einer jährlichen Strahlungsbelastung zwischen 20 und 50 Millisievert können zwar mehrere Jahre nicht bewohnt werden, gelten jedoch als „auf lange Frist wieder bewohnbar„. Dort können Bewohner die Ortschaften besuchen, etwa um wichtige Dokumente zu sichern.
  • Rückkehr in naher Zukunft: Gebiete mit einer jährlichen Belastung unter 20 Millisievert pro Jahr werden als Zonen bezeichnet in denen eine Rückkehr „in naher Zukunft“ als wahrscheinlich gilt.

In den beiden letzteren Fällen ist der Zonenstatus nicht unwesentlich vom Erfolg der Dekontaminationsmaßnahmen abhängig und ob Zwischenlager für kontaminiertes Erdreich und andere belastete Abfälle, die während der Dekontamination anfallen, gefunden werden.

TEPCO zeigt Maßnahmen nach 100-Tonnen-Leck: Kraftwerksbetreiber TEPCO veröffentlichte heute eine Reihe von Aufnahmen, die den Fortschritt der Maßnahmen im Lagertankbereich H6 dokumentieren sollen. Dort war, vermutlich durch Fehlbedienung von Ventilen, ein Lagertank übergelaufen und hatte 100 Tonnen radioaktives Wasser freigesetzt.

AKW Fukushima: Erdaushub im Lagertankbereich H6 im Februar 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Erdaushub im Lagertankbereich H6 im Februar 2014 (Foto: TEPCO)

Arbeiter hatten auf einen automatischen Alarm wegen steigenden Wasserstands nicht reagiert, da er der Annahme, alle Ventile seien geschlossen, widersprach und die Angestellten von einem Fehlalarm ausgegangen waren (Spreadnews berichtete am 20. Februar 2014).

Der Zwischenfall war einen Tag später als ernster Störfall eingestuft worden.

Nun also zeigt TEPCO welche Maßnahmen zwischenzeitlich getroffen wurden. So ist etwa der großflächige Erdaushub zu sehen, durch den das radioaktiv kontaminierte Erdreich entfernt wurde.

Auch die Sicherung der kritischen Ventile wurde fotografisch festgehalten – sie werden nun durch Schlösser von unkontrollierten Bewegungen geschützt.

AKW Fukushima: Gesichertes Ventil im Lagertankbereich H6 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Gesichertes Ventil im Lagertankbereich H6 (Foto: TEPCO)

Zu den sonstigen Schutzmaßnahmen sollen künftig stündliche Kontrollen gehören und die Anordnung, bei Alarm wegen steigender Pegel der Behälter umgehend alle zuführenden Ventile zu schließen, auch wenn diese vorgeblich bereits geschlossen sein sollten. Auch eine Sicherheitsschulung, insbesondere bei Angestellten von Partnerunternehmen, soll erfolgen.

Die genaue Ursache ist immer noch unklar, Auswertungen von Überwachungskameras und die Befragung von Angestellten hatten keine definitive Antwort erbracht. In einer Pressekonferenz sprach das Unternehmen davon, für die Befragung der Arbeiter externe Experten heranziehen zu wollen.

Fukushima-Fisch mit überschrittenem Grenzwert entdeckt: Am heutigen Freitag reichte die Nationale Vereinigung der Fischereikooperativen eine schriftliche Aufforderung beim Industrieministerium ein.

Fischersfrauen am 15. März 2011 an der Tohoku-Küste (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Fischersfrauen am 15. März 2011 an der Tohoku-Küste (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

In dem Schreiben, dass der Vorsitzende, Hiroshi Kishi dem Vize-Industrieminister Kazuyoshi Akaba aushändigte, fordern die Fischer eine genaue Untersuchung des jüngsten 100-Tonnen-Lecks.

Das die Besorgnis der Fischer durchaus berechtigt scheint, zeigt ein erhöhter Strahlungswert, der im Rahmen des Testfischfangs nachgewiesen werden konnte,. Demnach wurde in Skorpionfischen, die in den Gewässern vor der Stadt Iwaki gefangen wurden, eine radioaktive Belastung von 110 Becquerel pro Kilogramm nachgewiesen.

Der gesetzliche Grenzwert für allgemeine Lebensmittel liegt bei 100 Becquerel pro Kilogramm. Es ist das erste Mal, dass während der Testfänge eine Überschreitung der Vorgaben festgestellt wurde. Der nach der Kraftwerkskatastrophe 2011 eingestellte Fischfang war im Juni 2012 in ein auf 32 Meereslebewesen beschränktes Testfangprogramm umgewandelt worden.

Unabhängig von den gesetzlichen Vorgaben hatten sich die Fischereikooperativen der Vereinigung auf einen freiwilligen Grenzwert von 50 Becquerel verständigt. Nur bei Einhaltung dieses besonders strengen Grenzwerts ist ein Verkauf der Produkte erlaubt.

Die Vereinigung erklärte nun, man verzichte jetzt nicht nur darauf, die betroffenen 13,2 Kilogramm Fisch in den Handel bringen, sondern auch die am Vortag verkauften 2,5 Kilogramm zurückrufen, obwohl die gestrigen Testergebnisse den Bestimmungen entsprachen und bis auf weiteres Skorpionfisch vom Testfang ausschließen. Das berichtete die NHK.

Aktuelle Angaben zur Strahlungsbelastung der Fukushima-Arbeiter: Am heutigen Freitag übermittelte der Kraftwerksbetreiber TEPCO die aktuellen Angaben zur Zahl der Beschäftigten an der Anlage, sowie zur Höhe der Strahlungsdosis an das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales für den Januar 2014.

AKW Fukushima: Strahlungsmessung an Lagertanks am 3. September 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Strahlungsmessung an Lagertanks im September 2013 (Foto: TEPCO)

Nach Angaben von TEPCO , waren im Januar 2014 insgesamt 651 Arbeitskräfte für das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi neu eingestellt worden.
Die maximale Strahlungsbelastung lag bei 15,12 Millisievert, Im Bezug auf die inkorporierte Strahlenbelastung wurden keine signifikanten Werte festgestellt.

Der nächste Bericht, der sich mit den Strahlungsdaten mit Stand von Ende Februar befassen wird, soll gegen Ende März eingereicht werden.

Kinder leiden an Katastrophenfolgen: Auch fast drei Jahre nach den Katastrophen der Region Tohoku im Nordosten des Landes, leiden Kinder nach wie vor physisch wie psychisch an den Folgen der Erlebnisse, mit denen sie im Zuge der Naturkatastrophen und zum Teil auch der Evakuierung aus den Bereichen um das AKW Fukushima Daiichi konfrontiert waren.

Traumahilfe für Opfer der Tohoku-Katastrophe (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Traumahilfe für Opfer der Tohoku-Katastrophe (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Zu diesem Schluss kommt eine im September 2013 von der Schulbehörde Iwate durchgeführte Untersuchung. Dabei stellte sich heraus, dass 15,6 Prozent der Kinder aus Küstenregionen professionelle Hilfe benötigen, während es bei Kindern aus dem Landesinneren der Region lediglich 12,1 Prozent waren.

Die Kinder klagen über Alpträume, Kopfschmerzen und schlechte Konzentrationsfähigkeit.

Diese Symptome werden nicht zuletzt auch auf den langen Aufenthalt in Behelfsunterkünften und den dadurch entstandenen Stress zurückgeführt. Immer noch sei der Stresspegel der Kinder sehr hoch. Häusliche Spannungen und durch die Erlebnisse belastete eltern seien weitere Faktoren.

Um diesen Kindern zu helfen, will die Regierung in Tokyo spezielle Sozialarbeiter in die drei Katastrophenpräfekturen entsenden, die dort in Schulen und Betreuungseinrichtungen helfen sollen. Das berichtete die jiji.

Bereits in der Vergangenheit hatten ähnliche Untersuchungen psychische Probleme bei Kindern ergeben (Spreadnews berichtete am 27. Januar 2014).

1 KOMMENTAR

  1. Welche eine Meldung….vertrahlter Fisch vor Fukushima entdeckt. Der ganze Pazifik ist am sterben, was erwartet man da wohl von einem Fisch, der in der Nähe des Unglücksort gefangen wurde…

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