Start Aktuelles Fukushima aktuell: Schneesturm bringt Stromausfälle zum Frühlingsanfang

Fukushima aktuell: Schneesturm bringt Stromausfälle zum Frühlingsanfang

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Artikelbild - Schnee in Tokyo im Februar 2014 (Foto: Copyright by KJ)
Erinnerungen an den Jahresanfang: Schnee in Tokyo im Februar 2014 (Foto: Copyright by KJ)

Die Region Tohoku meldet nicht nur einen heftigen Wintereinbruch, sondern ihre Einwohner könnten sich mit dem jetzt vorgestellten Dekontaminationskonzept unzufrieden zeigen. Doch dürfte sich der Betreiber des AKW Fukushima heute nach einer gestrigen Rüge ebenfalls nicht in Hochstimmung befinden.

Alle Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 21. März 2014.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Einzelfallentscheidung bei Fukushima-Dekontamination
  • TEPCO soll Fukushima-Krise priorisieren
  • Stromausfälle und Todesopfer nach Wintereinbruch

Stromausfälle und Todesopfer nach Wintereinbruch: Am gestrigen Donnerstag begann der kalendarische Frühling. Davon unbeeindruckt fegten heftige Winde sowohl über Japans nördlichste Hauptinsel Hokkaido, als auch über die Region Tohoku.

Nach Angaben von Tohoku Electric kam es in den drei Präfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi zu Stromausfällen, von denen insgesamt 41.700 Haushalte betroffen waren. Als Ursache erwiesen sich Bäume, die unter der Last des Schnees auf die Überlandleitungen gestürzt waren.

Innerhalb von 24 Stunden war im nördlichen Bereich der Region Tohoku etwa 60 Zentimeter Schnee gefallen.

Auf Hokkaido gab es in der Präfektur Nagano, die für ihre Skipisten bekannt ist, durch eine Lawine zu mindestens einem Todesfall. In Nemuro auf Hokkaido, wurde mit 115 Zentimetern, der dort bislang höchste Stand seit der Beginn der Aufzeichnungen 1879 gemessen.

Die Wetterbehörde warnt vor der Gefahr von Schneestürmen. Über den Wetterumschwung berichtete neben lokalen Medien auch die NHK.

TEPCO soll Fukushima-Krise priorisieren: Nachdem die TEPCO-Verantwortlichen die Atomaufsichtsbehörde über den aktuellen Stand der Arbeiten in Kenntis setzte, forderte diese eine stärkere Priorisierung der Anlage und der Stilllegungsarbeiten.

Toyoshi Fuketa von der NRA erklärte, die jüngste Reihe von Problemen, hätte bei entsprechender Vorbereitung auch verhindert werden können. Zuletzt hatte die Kontamination von Leitungen und Lagertanks für dekontaminiertes Wasser zu möglicherweise noch umfassenderen Problemen geführt.

TEPCO-Präsident Naomi Hirose bei Fukushima-Besuch am 4. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
TEPCO-Präsident Naomi Hirose bei Fukushima-Besuch am 4. Juli 2012 (Foto: TEPCO)

TEPCO solle bei den Investitionen in die Anlage, „nicht geizig sein„, auch wenn es vielleicht schwer falle, Gelder in eine Anlage zu investieren, die keinerlei Gewinn abwerfe. Dennoch müsse das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi absolute Priorität haben.

Fuketa machte auch deutlich, möglicherweise sei unzureichende Investition in Geräte und Ausrüstung der Anlage einer der Gründe, für den jüngsten Zwischenfall gewesen.

Shunichi Tanaka, Vorsitzender der NRA betonte, TEPCO müsse die Arbeitsbedingungen für seine Angestellten und sonstige Kraftwerksarbeiter weiter verbessern. Dies verbessere nicht nur die Sicherheit für die Beschäftigten, sondern stärke auch die Moral der mehr als 4.000 Arbeiter auf dem Gelände der Anlage.

In der Vergangenheit war kritisiert worden, Fehler an Ventilen und ähnliche Zwischenfälle, seien die Folge überanstrengter und demotivierter TEPCO-Mitarbeiter, die Flüchtigkeitsfehler begangen hatten.

Naomi Hirose, Präsident des Elektrizitätskonzerns versicherte, er werde als leitender Verantwortlicher alle Anstrengungen unternehmen, um das ALPS-Filtersystem erneut starten zu können und wie verlangt, die Menge an kontaminiertem Wasser zu verringern.

Hirose bekräftigte außerdem den bereits bestehenden Plan, bis Ende des Fiskaljahres 2015, die radioaktive Belastung der Luft auf der Anlage auf durchschnittlich fünf Mikrosievert pro Stunde zu verringern und so zur Sicherheit der Arbeiter beizutragen. Lediglich um die Reaktoren sei dies aufgrund der hohen Strahlung nicht möglich. Über Rügen und Beteuerungen berichteten Kyodo und NHK.

Einzelfallentscheidung bei Fukushima-Dekontamination: Kritiker der derzeitigen Dekontaminationsbemühungen hatten immer wieder darauf hingewiesen, dass diese Maßnahmen keinen lang anhaltenden Effekt haben werden, sondern das radioaktive Material aus den Reaktorruinen zu wiederholten Belastungen führen werde.

Dekontamination mit Hochdruckreiniger in Fukushima am 15. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Dekontamination mit Hochdruckreiniger in Fukushima am 15. Juni 2012 (Foto: symbolisch, TEPCO)

Sowohl Einwohner aus Ortschaften in räumlicher Nähe zum Kernkraftwerk, als auch einstige Bewohner evakuierter Ortschaften, die eine Rückkehr erwägen, sorgen sich nun ebenfalls über das bereits erfolgte Auftreten von Bereichen erhöhter Radioaktivität – den so genannten Hot Spots – in Gebieten, die eigentlich als dekontaminiert galten.

Am gestrigen Donnerstag erklärte das Umweltministerium nun, man werde im Fall einer wieder aufgetretenen radioaktiven Belastung nicht das gesamte Gebiet erneut dekontaminieren, sondern auf Fall-zu-Fall-Basis entscheiden, ob man gezielt begrenzte Bereiche erneut reinige.

Hierfür würden zunächst die Strahlungslevel festgestellt und ihre Entwicklung über einen gewissen Zeitraum beobachtet werden – um dann Hot Spots nachweisen zu können und die jeweiligen Umstände näher zu untersuchen.

Derzeit sei es schlichtweg zu schwierig, bestimmte Grenzwerte festzulegen, ab deren Auftreten erneut eine lokale Dekontamination, oder eine großflächigere Grundreinigung erfolgen muss. Über das neue Dekontaminationskonzept berichtete die NHK.

 

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