Fukushima aktuell: Schutträumung an Reaktor 1 angelaufen

Fukushima aktuell: Schutträumung an Reaktor 1 angelaufen

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Artikelbild - Fukushima-Reaktor 1: Eine Woche nach der Katastrophe (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Brennelemente-Suche verlief erfolglos (Symbolfoto: TEPCO)

Die Hitzewelle in Japan führt zu hohen Patientenzahlen in den Kliniken. Dennoch gibt es im Bezug auf das AKW Fukushima heute neue Nachrichten. Welche dieser Fukushima News in Japan aktuell von besonderem Interesse sind, erfährt man nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 31. Mai 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • TEPCO beginnt Schutträumung an Reaktor 1
  • AKW-Katastrophenhandbuch war nur wenigen bekannt
  • TEPCO legt Ergebnisse von Myonen-Scan vor
  • Aktuelle Angaben zur Strahlungsbelastung der Fukushima-Arbeiter
  • Aufenthaltsdauer im Sperrgebiet von Tomioka wird verlängert
  • Politiker besuchen das AKW Fukushima

TEPCO beginnt Schutträumung an Reaktor 1: Am gestrigen Montag begann der Kraftwerksbetreiber  TEPCO am AKW Fukushima Daiichi mit der Entfernung von Schutt aus dem oberen Bereich von Reaktor 1.

Dabei wurde, durch Einsatzes eines Krans, ein 13 Meter langes und fünf Meter hohes Gerät genutzt, das – ähnlich wie ein großer Industriestaubsauger – Trümmer von bis zu 20 Kilogramm Gewicht aufsaugen kann.

Während der Arbeiten wurden chemische Bindemittel versprüht, die das Aufwirbeln von radioaktivem Staub verhindern sollen. Im Jahr 2013 hatte die Kontamination von Reisfeldern, die vermutlich durch Räumarbeiten an Reaktor 3 entstanden war, zu Protesten geführt.

Seit der Wasserstoffexplosion im März 2011 befinden sich auf dem Gebäude Schutt und Trümmer, etwa Metallstreben und Betonbrocken. Diese sind zwar vergleichsweise klein, behindern jedoch die geplante Bergung von Brennelementen aus dem dortigen Abklingbecken.

Die Entfernung von Schutt und Kleintrümmern soll im Juli abgeschlossen werden und das Unternehmen plant für kommendes Jahr die Bergung größerer und massiverer Trümmerteile. Verläuft alles nach Plan, soll die Bergung der Brennelemente etwa 2020 beginnen.

Über die Maßnahme berichtete die NHK.

AKW-Katastrophenhandbuch war nur wenigen bekannt: Der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi räumte gestern auf einer Pressekonferenz ein, die Kriterien, ab welchem Zeitpunkt eine Kernschmelze vorliegt, wären nur einer Handvoll Mitarbeitern bekannt gewesen.

Diese Zahl ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn gerade einmal fünf Mitarbeiter, die in der Zentrale des Unternehmens für die Handbücher verantwortlich sind, wussten offenbar von den Vorgaben.

Das Eingeständnis eines führenden Mitarbeiters, man habe die Kernschmelze erst im Mai 2011 eingeräumt, da eine vorhandene firmeninterne Definition für Kernschmelzen in den Richtlinien niemandem bekannt war, hatte im April für Aufsehen gesorgt.

TEPCO gab bei der Pressekonferenz bekannt, man werde durch einen unabhängigen Ausschuss untersuchen lassen, weshalb die Existenz der Richtlinien fünf Jahre verschwiegen wurde. Über diese Entscheidung berichtete die Asahi Shimbun.

TEPCO legt Ergebnisse von Myonen-Scan vor: Nachdem Scans von Reaktor 1 zwischen Februar und September 2015 keinen Hinweis auf den Verbleib der geschmolzenen Brennelemente gegeben hatte, führte TEPCO weitere Untersuchungen durch.

Dabei werden kosmische Teilchen (Myonen) erfasst, die nur von Material mit hoher Dichte, wie etwa Uran, abgelenkt werden. Durch diese Abweichung in Richtung und Geschwindkeit, lässt sich am Computer ein Modell des Reaktorinneren errechnen.

Die jüngsten Arbeiten fanden an Reaktor 2 seit dem 22. März 2016 statt. Erste Zwischenergebnisse wurden Ende vergangener Woche bekannt gegeben.

Demnach sind die Scans erfolgreich verlaufen, so dass auf den Bildern schattenartig Reaktorstrukturen sichtbar sind. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Technologie auch in diesem Fall wie geplant funktioniert.

Von besonderer Bedeutung ist auch, dass der Boden des Druckbehälters von der Messung erfasst wurde, so dass möglicherweise dorthin gelangtes Material der Brennelemente entdeckt werden könnte.

Die Untersuchungen sollen noch bis Juli fortgeführt werden, bevor weitere Reaktor-Scans geplant sind. Das Unternehmen erhofft sich von den Daten wichtige Informationen zum Verbleib der zusammengeschmolzenen Brennelemente. Über die Ergebnisse berichtete der Kraftwerksbetreiber TEPCO.

Aktuelle Angaben zur Strahlungsbelastung der Fukushima-Arbeiter: Am heutigen Dienstag übermittelte der Kraftwerksbetreiber TEPCO die aktuellen Angaben zur Zahl der Beschäftigten an der Anlage, sowie zur Höhe der Strahlungsdosis an das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales für den April 2016.

Die maximale Strahlungsbelastung der Angestellten lag demnach bei 9,46 Millisievert. Anders als in den Berichten zuvor gab es keine Berichte über Neueinstellungen.

Im Bezug auf die inkorporierte Strahlenbelastung wurden wie zuvor keine signifikanten Werte festgestellt. Der nächste Bericht, der sich mit den Strahlungsdaten, mit Stand von Ende Mai 2016 befassen wird, soll gegen Ende Juni eingereicht werden.

Aufenthaltsdauer im Sperrgebiet von Tomioka wird verlängert: Ab dem 1. Juni ist es den früheren Bewohnern möglich, sich in Zonen mit beschränkter Bewohnbarkeit von 9:00 Uhr bis 16:00 Uhr aufzuhalten. Damit wird der bisherige Zeitraum um eine Stunde verlängert.

Auch für Bereiche mit geringer Rückkehraussicht wurde die zulässige Dauer ebenfalls bis 16:00 Uhr ausgeweitet.

Die Verwaltung hofft bis zur Aufhebung der Evakuierungsanordnung für Teile der Gemeinde, die im April 2017 erfolgen soll, die Bürger könnten bei den Besuchen vor Ort bereits Vorbereitungen für die Rückkehr treffen.

Eine Übernachtung ist in der Sperrgebietsgemeinde aufgrund der Radioaktivität bis zur Freigabe weiterhin nicht gestattet. Das berichten Präfekturmedien.

Politiker besuchen das AKW Fukushima: Yoshihisa Inoue Generalsekretär der Komeito und der Komeito-Abgeordnete Tetsuo Saito, besuchten gestern des AKW Fukushima Daiichi, um sich einen Eindruck von den Stilllegungsarbeiten zu verschaffen.

Der Generalsekretär sprach anschließend im J-Village und erklärte, die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen seien deutlich und auch die Bekämpfung radioaktiver Abwässer mache stetige Fortschritte.

Die Entfernung der zusammengeschmolzenen Brennelemente sei dagegen immer noch eine Herausforderung, so dass alle technologischen Möglichkeiten zum Einsatz kommen müssten. Über den Besuch berichteten Präfekturmedien.

Die Komeito ist eine moderat-konservative Partei, die sich zwar für nukleare Abrüstung einsetzt, allerdings die umstrittene Forderung von Premierminister Shinzo Abe nach einer Verfassungsänderung zur Erweiterung militärischer Befugnisse unterstützt.

Die Partei gilt als politischer Arm der buddhistischen Soka Gakkai und fordert langfristig eine Unabhängig Japans von der Atomenergie.

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