Fukushima aktuell: Schutzmantelarbeiten an Reaktor 1 werden vorbereitet

Fukushima aktuell: Schutzmantelarbeiten an Reaktor 1 werden vorbereitet

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Artikelbild - Fukushima-Reaktor 1: Einsprühen von Bindemintel unter den Schutzmantel am 15. Mai 2015 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Einsprühen von Bindemintel unter den Schutzmantel am 15. Mai 2015 (Foto: TEPCO)

Die Woche endet am AKW Fukushima heute mit dem Beginn wichtiger Vorbereitungen. Darüber hinaus wehrt sich Japan aktuell gegen Importverschärfungen und auch ein Erdbeben zählt heute zu den Fukushima News im Spreadnews Japan-Ticker vom 15. Mai 2015.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Vorbereitungen für Schutzmantelentfernung an Reaktor 1 begonnen
  • Langfristig evakuierte Einwohner planen Klage
  • Taiwan verhängt verschärfte Importregeln
  • TEPCO äußert sich zu Erdbeben in Präfektur Fukushima

Vorbereitungen für Schutzmantelentfernung an Reaktor 1 begonnen: Am heutigen Freitag begann der Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi mit den Vorbereitungen zur Entfernung des Schutzmantels an Reaktor 1.

Als erster Arbeitsschritt wurde dabei ein Bindemittel auf das Reaktorgebäude gesprüht. Das aushärtende Kunstharz soll das Aufwirbeln von radioaktiv kontaminiertem Staub von den Trümmern bei der Entfernung der Außenhülle verhindern.

Der Schutzmantel war angebracht worden, um Umwelteinflüsse wie Regenfälle auf den Zustand des Reaktors zu verringern und die Menge an austretendem Material einzuschränken.

Die Einspeisung des Bindemittels wird durch 48 Öffnungen erfolgen und soll etwa eine Woche lang durchgeführt werden. Die Entfernung der ersten Paneele ist für den 25. Mai geplant. Die komplette Entfernung soll innerhalb eines Jahres erfolgen.

Der gesamte Vorgang ist als Vorbereitung auf die Trümmerräumung und Bergung von Brennelementen aus dem Gebäude zu verstehen.

Der Austritt von radioaktivem Material bei der Schutzmantelentfernung an Reaktor 3 im Sommer 2013 hatte zu öffentlichem Mißtrauen in die Maßnahme geführt.

Auch wenn das Ausmaß der Kontamination später relativiert wurde, sorgten Berichte über Gesundheitsgefährdung durch falschen Einsatz der Bindemittel  auch weiterhin für Besorgnis.

TEPCO versprach, angesichts der laufenden Reispflanzungssaison in dem Gebiet besonders vorsichtig zu sein und sagte zu, die Arbeiten bei Überschreitung von Sicherheitswerten auszusetzen und die angrenzenden Gemeinden  innerhalb einer halben Stunde zu informieren.

Eine versuchsweise Entfernung von Dachpaneelen zwischen Oktober und Dezember 2014 hatte keinen Anstieg der Strahlungswerte ergeben. Über die Vorbereitungen zur Schutzmantelentfernung berichteten neben dem Betreiber TEPCO auch die Asahi Shimbun und die NHK.

Taiwan verhängt verschärfte Importregeln: Nachdem durch falsche Etikettierung mehrere Lebensmittel aus Fukushima illegal nach Taiwan gelangt waren, verhängte das Land heute verschärfte Regelungen für japanische Lebensmitteln.

Artikelbild - Lebensmittelauswahl in Tokyo (Foto: Copyright by KJ)
Taiwan blockiert Importe japanischer Lebensmittel (Symbolfoto, Copyright by KJ)

Waren bislang Lebensmittel aus Fukushima und vier weiteren Präfekturen betroffen, so fordert die Neuregelung für alle Lebensmittelimporte aus Japan einen zertifizierten Herkunftsnachweis und bei einigen Lebensmitteln zudem Strahlungskontrollen.

Lebensmittel aus Japan sind sehr beliebt und die Verschärfung könnte zu Engpässen bei Anbietern in Taiwan führen.

Während die taiwanesischen Behörden auf einer Pressekonferenz erklärten, man sei bereit flexibel vorzugehen und beispielsweise Angaben auf ohnehin vorgeschriebenen Dokumenten als Herkunftsnachweis zu akzeptieren, fordert Japan eine Aufhebung der Maßnahme.

Die japanische Regierung erklärt, die Vorgehensweise habe keinerlei wissenschaftliche Grundlage und das Ministerium für Landwirtschaften, Forsten und Fischerei (MAFF) erwägt eine Beschwerde bei der Welthandelsorganisation (WTO).

Über die Verschärfung der Importregelungen und die damit verbundenen japanischen Proteste berichtete die NHK.

Langfristig evakuierte Einwohner planen Klage : Etwa 100 frühere Bewohner des Bezirks Tsushima der Ortschaft Namie, fordern von der Regierung und TEPCO weitreichende finanzielle Entschädigungen.

Japan-Karte: Radioaktivität in Japan (Foto:pd)
Fukushima-Sperrzone: Langzeitbetroffene planen erstmals Klage (Symbolfoto: pd)

Es ist das erste Mal, dass Einwohner eines Gebiets, das im Rahmen des Drei-Zonen-Modells als „langfristig unbewohnbar“ eingestuft wurde, eine Sammelklage planen.

Die Kläger hoffen deutlich zu machen, dass die Gemeinde in der gebirgige Gegend etwa 30 Kilometer nordwestlich des AKW, die einst Tabakanbau, Forst- und Milchwirtschaft betrieb, über Generationen gewachsener Traditionen und Gemeinschaftsgefüge beraubt wurde.

Die Forderungen, die im Sommer bei einem Gericht in  Iwaki vorgebracht werden sollen, umfassen daher die Entschädigung für den emotionalen Verlust und eine Dekontamination auf Strahlungswerte vor der Katastrophe.

Den Klageplänen war ein gescheiterter Vermittlungsversuch eines Schlichtungssystems zur außergerichtlichen Einigung von Klagen gegen TEPCO (ADR) vorausgegangen.

Die Empfehlung des ADR, die monatlichen Entschädigungszahlungen von 100.000 Yen pro Person auf 150.000 Yen anzuheben, war von TEPCO abgelehnt worden, da dies eine Ungleichbehandlung der Betroffenen aus anderen Gemeinden darstelle. Hierüber berichtete die Mainichi Shimbun.

TEPCO äußert sich zu Erdbeben in Präfektur Fukushima: Anlässlich eines Erdbebens der Magnitude 5,1, das sich in der Präfektur ereignete, veröffentlichte der Elektrizitätskonzern TEPCO eine Erklärung.

Demnach sei es an keiner der wichtigen Anlagen zu Störungen gekommen. Der Transfer von Brennelementen aus Reaktor 5 sei lediglich aus Sicherheitsgründen vorübergehend eingestellt worden. Gegenwärtig würden Kontrollgänge durchgeführt.

Die heutigen Arbeiten am Schutzmantel von Reaktor 1 waren bereits vor dem Erdbeben beendet worden. Das berichtet der Kraftwerksbetreiber TEPCO.

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