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Fukushima aktuell: Sicherheitsbedenken könnten Eiswand verzögern

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Artikelbild - Testversuch einer Eiswand im November 2013 (Foto: TEPCO)
Testaufbau einer Eiswand im November 2013 (Foto: TEPCO)

Während die Blüte an einem tausend Jahre alten Kirschbaum, die Touristen am Wochenende in die Präfektur zog, hat der Betreiber des AKW Fukushima heute, weniger attraktive Meldungen. Auch wenn eine ALPS-Einheit neu gestartet werden soll – aktuelle Sicherheitsbedenken könnten ein wichtiges Projekt zurückwerfen.

Alle Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 21. April 2014.

Unsere Themen zu Wochenbeginn:

  • Eiswand könnte sich wegen Sicherheitsfragen verzögern
  • ALPS-Einheit soll Donnerstag neu gestartet werden
  • Niedrige Strahlungseinschätzungen sorgen dennoch für Besorgnis
  • Fukushima-Flüchtlinge besichtigen AKW-Arbeiten
  • Neuprüfung der Analysewerte von Grundwasserpumpe
  • Schicksal von zwei AKW in Diskussion

Eiswand könnte sich wegen Sicherheitsfragen verzögern: Am Freitag vergangener Woche kamen Experten der Atomaufsicht NRA zu dem Schluss, dass die Angaben zu den Sicherheitsvorkehrungen beim Bau der unterirdischen Eisbarriere durch den Betreiber TEPCO vermutlich nicht ausreichend sind.

Der Elektrizitätsanbieter hat bei einem weiteren Treffen nun die Möglichkeit, sowohl die bereits getroffenen, als auch die geplanten Sicherheitsmaßnahmen zu schildern. Sollten diese Daten der NRA nicht genügen, so könnte der für Juni geplante Termin für die Eisbarriere platzen.

Eine der Sicherheitsfragen betrifft die Folgen eines Stromausfalls auf die Pumpen und damit auf die Zirkulation des Kühlmittels in den unterirdischen Rohren. Weitere Bedenken bestehen im Bezug auf das Risiko einer Bodenabsenkung. Das berichteten Präfekturmedien und die NHK.

Der Kraftwerksbetreiber plant, durch den Einsatz von Rohren mit Kühlmittel den Boden auf dem Gelände des Kraftwerks gefrieren zu lassen und durch diese Eisbarriere den unkontrollierten Fluss von kontaminiertem Grundwasser in den Pazifik verhindern.

ALPS-Einheit soll Donnerstag neu gestartet werden: TEPCO kündigte am Wochenende an, die Einheit A des Multinuklid-Filtersystems ALPS am Mittwoch, dem 23. April wieder starten zu wollen. Ende März hatte die fehlerhafte Einleitung von kontaminiertem Wasser in Behälter für gefiltertes Wasser, zum Stopp der Einheit geführt.

AKW Fukushima: Steuerung des ALPS-Filtersystems am 4. April 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Steuerung des ALPS-Filtersystems am 4. April 2013 (Foto: TEPCO)

Nachdem Anfang April ein Filter als Ursache für die ungeplante Vermischung gemeldet worden war, konnte das Unternehmen am vergangenen Freitag den Austausch des beschädigten Filters melden.  Der Neustart für Einheit B ist nach Angaben von Präfekturmedien für Mitte Mai angesetzt.

Niedrige Strahlungseinschätzungen sorgen dennoch für Besorgnis: Die am vergangenen Freitag veröffentlichten Schätzungen zur wahrscheinlichen Menge an Strahlung, der Rückkehrer bei einer dauerhaften Niederlassung an ihrem früheren Wohnort ausgesetzt wären, haben zu Besorgnis geführt.

Auch wenn theoretisch bereits ein Sinken der Strahlungsbelastung auf 20 Millisievert pro Jahr ausreichend ist, um eine Rückkehr der einstigen Einwohner zu ermöglichen, wünschen sich viele eine Reduzierung auf einen Millisievert pro Jahr, wie sie von der Regierung als Idealfall angesehen wird.

Wenn nun etwa die Schätzungen zu Kawauchi (Präf. Fukushima), einer der Ortschaften, die als Kandidat für die eine Aufhebung des Evakuierungsbefehls gelten, eine jährliche Belastung von bis zu drei Millisievert ergeben, ist dies zwar theoretisch ausreichend, liegt jedoch über dem Wunschziel der Regierung.

Über die Bedenken der Bevölkerung aufgrund der sechs Monate zurückgehaltenen Strahlungseinschätzung, berichteten Kyodo, jiji, NHK und Asahi Shimbun.

Fukushima-Flüchtlinge besichtigen AKW-Arbeiten: Insgesamt 15 Flüchtlinge, konnten sich zu Beginn des Wochenendes einen Eindruck von den Arbeiten vor Ort machen. Bei den Besuchern handelt es sich um Mitglieder einer Gruppe, deren Ansichten die zur Meinungsvielfalt beitragen sollen.

Neben einer Bustour über das Geländes, konnten auch eine Filtereinrichtung und die Pumpen zur Grundwasserumleitung besichtigt werden. Abschließende Bitte der Evakuierten war, das Risiko von menschlichen Fehlern zu verringern. Das berichtete die NHK.

Tatsächlich zeigte etwa der jüngste Zwischenfall mit fehlgeleitetem Wasser, das aufgrund mangelnder Kontrollen, neben Nachlässigkeiten, auch vorsätzliche Aktionen auf dem Gelände theoretisch möglich wären.

Neuprüfung der Analysewerte von Grundwasserpumpe: Nachdem zuvor bekannt geworden war, dass an Messposten 12 des Grundwasserumleitungssystems, eine Tritiumkonzentration von 1.600 Becquerel pro Liter und somit eine Überschreitung des Grenzwerts von 1.500 Becquerel festgestellt wurde, folgte nun eine zweite Analyse.

AKW Fukushima: Pumpe (li.) einer der Grundwasserbrunnen am 9. April 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Pumpe (li.) einer der Grundwasserbrunnen am 9. April 2014 (Foto: TEPCO)

Am gestrigen Sonntag wurde das Ergebnis dieser Analyse bekannt gegeben. Die Tritiumkonzentration des Grundwassers liege nun bei 1.200 Becquerel pro Liter, so dass einer Weiterführung der Arbeiten theoretisch nichts mehr im Wege steht.

Nach Angaben von Präfekturmedien, bringt TEPCO die kurzzeitige Erhöhung mit dem ersten Großleck vom August 2013 in Verbindung. Damals waren  aus einem Tank, der sich nur 130 Meter westlich befand, etwa 300 Tonnen radioaktives Wasser ausgetreten. Anschließend war der Behälter zur Ursachenforschung demontiert worden.

Nach dem Start der Grundwasserumleitung, will das Unternehmen künftig das aus den Bergen stammende Grundwasser heraufpumpen und in Lagertanks umleiten. Dort wird das Wasser auf mögliche radioaktive Belastung untersucht und soll anschließend in den Pazifik verklappt werden.

Schicksal von zwei AKW in Diskussion: Für das 39 Jahre alte AKW Genkai (Präf. Saga), kündigte der Betreiber Kyushu Electric an, zu Herbstbeginn eine Entscheidung über die mögliche dauerhafte Stilllegung der Anlage zu treffen. Die maximal zulässige Betriebsdauer ohne Sondergenehmigung liegt bei 40 Jahren.

Dagegen lässt Kansai Electric, die Maßnahmen zum Erdbebenschutz an den Reaktoren 3 und 4 des AKW Oi verstärken. Die Atomaufsicht NRA hatte während Sicherheitskontrollen die Ansicht geäußert, ein Erdbeben hätte sein Zentrum nur drei Kilometer unter der Erdoberfläche, während der Betreiber von 3,3 Kilometern spricht.

Trotz der Diskussion um möglicherweise aktive geologische Verwerfungen unter der Anlage, arbeitet der Betreiber auf einen Neustart hin.

Das AKW Oi war die erste Anlage, die  nach dem Tohoku-Großbeben trotz des Widerstandes der Bevölkerung im Juli 2012 wieder in Betrieb ging. Erst im September 2013 ging das Kraftwerk wegen Standardkontrollen erneut vom Netz. Über die Pläne der AKW-Betreiber berichtete die jiji.

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