Fukushima aktuell: Sicherheitsbedenken verschrecken Rückkehrer

Fukushima aktuell: Sicherheitsbedenken verschrecken Rückkehrer

Mangelndes Sicherheitsgefühl verringert Rückkehrbereitschaft - Gegenmaßnahmen droht das aus.

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Artikelbild - Japanischer Polizweiwagen (Foto: pd)
Präfektur Fukushima: Sicherheit ist ein Imageproblem für Sperrgebietsgemeinden (Symbolfoto: pd)

Angst vor Kriminalität ist in Fukushima heute eines der großen Hindernisse für potentielle Rückkehrer in freigegebene Sperrgebietsgemeinden. Doch ausgerechnet die Bekämpfung dieses Problems könnte in Zukunft gefährdet sein.

Details zu diesen Fukushima News sowie weitere Meldungen gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 16. Mai 2017.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Kriminalitätsprävention für frühere Sperrgebietsgemeinden gefährdet
  • Beschwerde nach Dekontaminationsbetrug bei Bambuswäldern eingereicht
  • Wiederaufnahme der Forstwirtschaft in Fukushima geplant
  • Räumung radioaktiver Abfälle von Privatgrundstücken in Koriyama
Kriminalitätsprävention für frühere Sperrgebietsgemeinden gefährdet

Obwohl Teile der Gemeinde Namie bereits vor etwa einem Monat freigegeben wurden, ist die Rückkehrbereitschaft niedrig. Neben den bereits bekannten Gründen kam nun auch das Thema der Kriminalitätsprävention auf.

Gerade nachts ist die Vorstellung, nahezu allein zwischen zahlreichen leerstehenden Häusern zu wohnen, für die etwa 300 Rückkehrer kein angenehmer Gedanke. Bereits wenn ein Auto anhält, sorgt dies bisweilen für mulmige Gefühle.

Diesen Ängsten will man auf Wunsch der Bürger nun entgegentreten und so beginnen frühere Sperrgebietsgemeinden auf eigene Faust, zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen in Erwägung zu ziehen.

Bereits in der Vergangenheit war Videoüberwachung im Sperrgebiet eingesetzt worden, um Einbrüche und Raubzüge in den verlassenen Ortschaften zu begegnen.

In Namie waren im vergangenen Dezember zwei Männer von einem Wachmann festgenommen worden, als sie von einer solchen Überwachungskamera bei einem Diebstahlsversuch aufgenommen wurden.

In einigen Fällen wurde auch ein Alarmmelder kostenlos an Rückkehrer ausgegeben, so dass im Bezirk Odaka von Minamisoma, dessen Evakuierungsanordnung im Juli 2016 aufgehoben worden war, bislang 240 der 770 Haushalte nun über ein solches Gerät verfügen.

Doch wie diese Maßnahmen, genau wie etwa die Einsätze von Polizeibeamten aus anderen Präfekturen, langfristig finanziert werden können, ist unklar.

Sobald die offizielle Wiederaufbau-Periode für beendet erklärt wird, dürfte dies auch das Ende für viele dieser Sicherheitsprojekte sein, die von öffentlichen Geldern abhängig sind.

Alleine die Gemeinde Namie erklärt, dass in diesem Fiskaljahr etwa 700 Millionen Yen an Projektgebühren für die Streifengänge und Videoüberwachung erforderlich sind. Mit dem Wegfall der staatlichen Unterstützung dürften freiwillige Spenden nicht zur Kostendeckung reichen.

Über die Probleme der Sicherheitsbedenken und Kriminalitätsbekämpfung in den freigegebenen Sperrgebietsgemeinden berichteten Präfekturmedien.

Beschwerde nach Dekontaminationsbetrug bei Bambuswäldern eingereicht

Nach der Vortäuschung von Dekontaminationsarbeiten in Bambuswäldern, droht ein Einwohner jetzt der Stadt Fukushima mit einer Klage, sofern die Behörden nicht den finanziellen Schaden von 12 Millionen Yen wieder einfordern.

Sowohl die Nutzung von Geldern der Steuerzahler für die Dekontamination, als auch die Fähigkeit der Verwaltung zur Kontrolle der Arbeiten, würden durch den Zwischenfall in Frage gestellt, teilte der Rechtsanwalt des Beschwerdeführers mit.

Die Präfektur habe, auch nachdem sie von einem Whistleblower über den Betrug eines Unternehmens in Kenntnis gesetzt worden war, nicht sofort gehandelt.

Das mittlerweile aufgelöste Subunternehmen eines Joint-Ventures hatte durch geschickte Fotomanipulation die Durchführung besonders aufwändiger Rodungsarbeiten vorgetäuscht und dadurch zusätzliche Gelder eingestrichen.

Die Stadtverwaltung reagierte auf die Forderung des Klägers mit der Ankündigung, man erwäge nun eine Strafanzeige gegen die Verantwortlichen des Unternehmens. Über diese Entwicklungen berichtete die Kyodo.

Wiederaufnahme der Forstwirtschaft in Fukushima geplant

Wie das Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Forsten (MAFF) am gestrigen Montag mitteilte, plane man eine testweise Wiederaufnahme des Holzschlags und des Vertriebs von Bäumen aus den Wäldern der Präfektur Fukushima.

Nachdem die Holzwirtschaft nach dem Ausbruch der AKW-Krise 2011 bislang in 12 Gemeinden eingestellt blieb, ist das Strahlungsniveau nun auf einen ausreichend niedrigen Stand gesunken, heißt es von der Forstbehörde.

Im Laufe des Fiskaljahrs 2017 sollen zunächst testweise Bäume in den Gemeinden Hirono und Kawauchi gefällt und abtransportiert werden. Eine kommerzielle Weiterführung im Rahmen der Holzwirtschaft und entsprechende Ausschreibungen sind geplant.

Ein örtliches Unternehmen habe bereits Interesse bekundet, teilte die Behörde mit. Über die Zukunftspläne für die Forstwirtschaft in Fukushima berichtete die jiji.

Räumung radioaktiver Abfälle von Privatgrundstücken in Koriyama

Die Stadtverwaltung Koriyama begann gestern mit der Räumung von Plastiksäcken mit radioaktiv kontaminiertem Erdreich, die in den vergangenen Jahren in Gärten und auf Höfen von Privatgrundstücken gelagert wurden.

Den Beginn machten zwei Häuser im Bezirk Ikenodai. Dort wurden die Abfälle aus Fässern und Betonringen entfernt, die zur Aufbewahrung der Säcke dienten.

Nach einem ersten Transfer auf eine zentrale Sammelstelle der Stadt Koriyama wird der schrittweise Abtransport in das Zwischenlager erfolgen, dass auf dem Gelände der Gemeinden Okuma und Futaba aufgebaut wird.

Im Anschluss an die Entfernung der radioaktiv belasteten Abfälle ist für die Zukunft die Durchführung von Dekontaminationsmaßnahmen geplant.

Mit Stand vom Ende März, werden in den Wohngebieten der Stadt bislang an 65.000 Standorten etwa 730.000 Kubikmeter provisorisch Dekontaminationsabfälle gelagert.

Für dieses Jahr ist für 7.000 der bisherigen Standorte eine erste Reduzierung in Höhe mehrere tausend Kubikmeter. Das berichten Präfekturmedien

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