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Fukushima aktuell: Sitzblockaden gegen Lagerung von Dekontaminationsabfällen dauern an

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Artikelbild - Fukushima: Dekontamination von Bäumen durch Hochdruckreiniger (Foto: Juni 2012, TEPCO)
Fukushima: Dekontamination von Bäumen durch Hochdruckreiniger (Foto: Juni 2012, TEPCO)

Während die japanischen Gesundheitsbehörden durch den ersten Ebola-Verdachtsfall alarmiert sind,  ging es im Fall des kontaminierten Materials aus Fukushima, heute für die Mitarbeiter des Umweltministeriums offenbar erneut nicht voran. Diese und weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 27. Oktober 2014.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Sitzblockaden in Kami dauern an
  • Erneut hohe Grundwasserbelastung auf AKW-Gelände
  • Überarbeitung der Pläne für Hintergrundchecks von AKW-Arbeitern

Sitzblockaden in Kami dauern an: In Kami setzten sich die Sitzblockaden am Samstag und auch am heutigen Montag fort. Hier versammelten sich am Samstag bereits um 6:00 Uhr etwa 60 Demonstranten mit Bannern gegen den Lagerstandort für radioaktive Dekontaminationsabfälle und verhinderten erneut die Entnahme von Bodenproben.

Das 15 Personen umfassende Forschungsteam des Umweltministeriums, wurde nach seinem Eintreffen mit lauten Rufen zum Verlassen des Geländes aufgefordert, so dass die geplanten Arbeiten auch diesmal nicht durchgeführt werden konnten.

Nach der Annahme eines formellen Protestschreibens, erklärte am Samstag ein Verantwortlicher des Ministeriums, da es unter diesen Bedingungen sehr schwer sei, auf das Gelände zu gelangen, erwäge man eine gewaltsame Entfernung der Demonstranten.

Offenbar unbeeindruckt von dieser Ankündigung setzten sich die Proteste am heutigen Montag fort. Die Demonstranten verwehrten acht Vertretern des Umweltministeriums am Nachmittag den Zutritt zum Gelände. Nach erfolglosen Überredungsversuchen und dem Hinweis, die Blockade verstoße gegen Gesetze, zogen sich die Mitarbeiter nach etwa einer Stunde wieder zurück.

Bereits am Freitag und Samstag hatten Bürger die Entnahme von Bodenproben verhindert. Sie kritisieren unter anderem, dass es zwar Absprachen zwischen Ministerium und Präfekturleitung erfolgt waren, die Vorbereitungen für die Beurteilungsprüfung jedoch unangekündigt begonnen hatten. Das Ministerium widerspricht dieser Darstellung.

Die Präfektur Miyagi gehört zu den insgesamt fünf Präfekturen, in denen Lagerstandorte errichtet werden sollen und ist die erste, auf deren Gelände entsprechende Arbeiten durchgeführt werden. Auf den Anlagen soll stark belastetes Material, wie Reisstroh mit Cäsiumwerten über 8.000 Becquerel pro Cäsium eingelagert werden. Über die bislang drei Blockaden berichteten Kyodo , Asahi Shimbun und jiji.

Erneut hohe Grundwasserbelastung auf AKW-Gelände: Am vergangenen Freitag veröffentlichte TEPCO die Analyseergebnisse von zwei Bereichen, an denen es zu gravierenden Anstiegen gekommen war.

Die Proben waren am Mittwoch, dem 22. Oktober entnommen worden und wiesen Cäsiumkonzentrationen von 460.000 und 424.000 Becquerel pro Liter auf. Diese Belastungen stellen den 800 bis 920-fachen Wert der zuvor dort nachgewiesenen Werts von 500 Becquerel pro Liter dar.

Beide betroffenen Anlagen dienten ursprünglich zur Verringerung der Grundwassermenge, die in Untergeschosse von Reaktorgebäuden gelangt, werden nach dem Strahlungsanstieg der Fukushima-Katastrophe jedoch zur Entnahme von Grundwasserproben genutzt.

Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO mitteilte, werde man nun Ursachenforschung vor Ort betreiben und aus diesem Grund die Verwendung dieser Posten nun aussetzen. Insgesamt befinden sich 40 Stellen, an denen Grundwasserproben entnommen werden, in der Nähe der Reaktorgebäude.

Über die aktuellen Erhöhungen berichteten neben TEPCO auch japanische Medien. Die Ursache für die teils explosionsartigen Anstiege der Messwerte ist bislang unklar. Die von TEPCO angeführte Erklärung, die schweren Taifun-Regenfälle wären ursächlich, wird durch den Umstand, dass nicht alle Posten in gleichem Umfang betroffen sind, indirekt in Zweifel gezogen.

Die jüngsten Erhöhungen dürften die Zukunftspläne von TEPCO, die Anlagen zu einem späteren Zeitpunkt bei der Einleitung von radioaktiv belastetem Grundwasser in den Pazifik zu verwenden, weiter zurückwerfen. Fischereiverbände wehren sich massiv gegen diese Pläne.

Überarbeitung der Pläne für Hintergrundchecks von AKW-Arbeitern: Ein Ausschuss, der sich mit dem logistischen Aufwand von Hintergrundprüfungen bei Kraftwerksarbeitern befasst, ist zu dem Schluss gekommen, dass derartige Maßnahmen nicht wie geplant umgesetzt werden könnten.

Eine Kontrolle von straftrechtlichen Erfassungen und anderen Personendaten vor Einstellung von Arbeitskräften sei in Japan ohne Gesetzesänderungen nicht möglich. Die Vorabprüfungen sollen die terroristische Gefahr für Nuklearanlagen senken.

Die Mitglieder des Ausschusses sind sich darin einig, dass derartige Hintergrundprüfungen von den Kraftwerksbetreibern durchgeführt werden müssen. Der Umstand, dass sie dabei auf freiwillige Angaben der Angestellten zurückgreifen müssen, stelle jedoch ein Hindernis für die Effektivität dar.

Der Ausschuss wird sich nun darauf verständigen, welche Daten von den Arbeitern angegeben werden sollten. Laut NHK wird ein erster Entwurf bereits im Januar 2015 der Atomaufsichtsbehörde NRA vorgelegt.

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