Fukushima aktuell: Sparmaßnahmen bei Dekontamination geplant

Fukushima aktuell: Sparmaßnahmen bei Dekontamination geplant

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Artikelbild - Dekontaminationsarbeiten (Foto: TEPCO, veröff. Juni 2012)
AKW Fukushima: Durchführung von Dekontaminationsarbeiten (Foto: TEPCO, veröff. Juni 2012)

Zielgerichtete Dekontamination soll Kosten sparen, so das Ziel der Behörden. Dass sowohl AKW-Arbeiten, als auch die Präfektur Fukushima, heute immer noch Probleme mit sich bringen, die weniger einfach zu definieren sind, zeigen die aktuellen Fukushima News im Spreadnews Japan-Ticker vom 4. August 2014.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Dekontamination soll an Strahlungsbelastung gekoppelt werden
  • Eisblöcke in unterirdische Tunnel hinabgelassen
  • Sicherheitsprüfung am AKW Tomari begonnen
  • NRA erwägt Erhöhung des Grenzwerts für AKW-Unfälle
  • Entschädigungsbetrug bei TEPCO-Zahlungen
  • ALPS-Arbeiten verlaufen erfolgreich
  • Fehlalarm bei Müllagerung

Dekontamination soll an Strahlungsbelastung gekoppelt werden: Die bisherige Regelung, eine Dekontamination müsse unabhängig vom Standort, bis zu einem Umgebungswert von 0,23 Mikrosievert pro Stunde durchgeführt werden, wird vom Umweltministerium offenbar nicht länger als sinnvoll angesehen.

Vielmehr solle sich die Dekontamination an der individuellen Strahlungsbelastung orientieren, da dies eine genauere Einschätzung der gesundheitlichen Wirkung ermögliche.

Messungen in vier Gemeinden haben ergeben, dass beispielsweise in Gebieten mit Umgebungsradioaktivität von 0,3 und 0,6 Mikrosievert pro Stunde, der Jahresgrenzwert für Personen von 1 Millisievert pro Jahr auch eingehalten wird, ohne dort die Dekontaminationsmaßnahmen durchführen zu müssen.

Der Verzicht auf die Dekontamination würde sowohl Kosten sparen, als auch den Wiederaufbau beschleunigen, heisst es. Als Alternative zur teuren allgemeinen Geländedekontamination, würden die Strahlungsbelastungen jedes einzelnen Bürgers erfasst und durch individuelle Maßnahmen, wie Abschirmungsmaterial auf Gelände und die Aufforderung Hot Spots zu meiden, ersetzt.

Die Bürgermeister der vier getesteten Städte – Fukushima, Koriyama, Soma und Date – hatten die Regierung zuvor darum gebeten, Möglichkeiten zur Reduzierung der explodierenden Dekontaminationskosten zu erarbeiten. Über die neuen Pläne berichteten japanische Medien darunter die Kyodo.

Eisblöcke in unterirdische Tunnel hinabgelassen: Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO am heutigen Montag mitteilte, habe man nun tonnenweise Eisblöcke in den unterirdischen Versorgungstunneln platziert und hofft, nun eine Gefrierung des dort fließenden radioaktiven Wassers bewirken zu können.

Mit den Versuchen war am 24. Juli begonnen und die Eismenge dann gesteigert worden.

Die Blockade und letztlich das Abpumpen des Wassers aus den Tunneln, ist nach Ansicht der Atomaufsichtsbehörde NRA eine Voraussetzung für die spätere Schaffung einer 1,5 Kilometer umfassenden Grundwasserbarriere aus gefrorenem Erdreich um die Reaktorgebäude, da sich beide Projekte an einigen Stellen überschneiden.

Über den aktuellen Stand berichtete die Kyodo.

Sicherheitsprüfung am AKW Tomari begonnen: Heute begann die Atomaufsicht NRA mit der Prüfung des AK Tomari (Präf. Hokkaido). Dabei soll in einer zweitägigen Aktion zunächst geologische Verwerfungen und Spuren vulkanischer Aktivität nahe des Kraftwerksgeländes untersuchen.

Dies sind Prüfungen, die zusätzlich zu den vom Betreiber Hokkaido Electric getroffenen Sicherheitsmaßnahmen gegen Erdbeben und Tsunami, durchgeführt werden. Das Unternehmen überarbeitet nach einem Hinweis der Aufsichtsbehörde die zuvor getroffenen Einschätzungen der Erdbebensicherheit für die Reaktoren 1 bis 3. Man hofft auf ein positives Ergebnis der Kontrollen.

Die Sicherheitsprüfung durch die NRA ist Voraussetzung für einen möglichen Neustart von Reaktoren.

Dass die Genehmigungen für die Betreiber mit teils unerwarteten Hindernissen verbunden sind, zeigt der Fall des AKW Takahama (Präf. Fukui). Dessen Betreiber Kansai Electric sah sich anlässlich der Neustartpläne für die Reaktoren 3 und 4 mit der Aussage konfrontiert, die maximale Höhe eines Tsunami nicht richtig berechnet zu haben und muss nun zunächst Korrekturen durchführen.

NRA erwägt Erhöhung des Grenzwerts für AKW-Unfälle: Die Atomaufsichtsbehörde erklärte auf einem Treffen vergangener Woche, aufgrund der Möglichkeit, Kraftwerksarbeiter bei einem Störfall mehr als dem Jahresgrenzwert von 100 Millisievert ausgesetzt sind, sei ein rechtlich gesicherter erhöhter Notfallgrenzwert sinnvoll.

Nach der Fukushima-Katastrophe war der Wert zwar für neun Monate auf 250 Millisievert erhöht worden, allerdings wolle man bei der Festlegung eines neuen Werts sowohl internationale Standards berücksichtigen, als auch die Einstellung der AKW-Beschäftigten zu solch einer Maßnahme einholen. Das berichtete die NHK.

Entschädigungsbetrug bei TEPCO-Zahlungen: Die japanische Polizei nahm am Samstag vier Personen fest, denen vorgeworfen wird, TEPCO um Entschädigungszahlungen von 12 Millionen Yen betrogen zu haben. Zwischen April und Mai 2012 sollen sie unter dem Vorwand, ein Unternehmen bekomme Kundenabsagen wegen der Strahlungsangst, gefälschte Ansprüche geltend gemacht haben.

Japan: Japanische Yen-Banknoten (Foto: pd)
TEPCO um Entschädigungsgelder betrogen (Symbolfoto: pd)

Zu den Verdächtigen gehört neben dem Betreiber des Unternehmens auch ein früheres Mitglied einer, im August 2012 durch den früheren Verteidigungsminister Fumio Kyuma gegründeten Non-Profit-Organisation (NPO).

Deren Ziel ist die Unterstützung von Bürgern bei finanziellen Forderungen wegen Geschäftsschäden durch die Katastrophe.

Die ehemalige NPO-Mitarbeiter bestreitet den Tatvorwurf, die anderen Festgenommenen haben den Vorwurf bereits eingeräumt. Das berichten etwa Kyodo und jiji.

Unter Bezug auf Quellen in Ermittlungskreisen heißt es zudem, man wolle auch den Ex-Verteidigungsminister auf freiwilliger Basis zu den Vorwürfen befragen.

ALPS-Arbeiten verlaufen erfolgreich: Bei den am Sonntag durchgeführten Stopp der Querstromfiltration von Einheit A, zum Austausch gegen ein verbessertes Bauteil, gab es keine Probleme und die Betriebsfähigkeit war nicht eingeschränkt. An den einzelnen Einheiten des Systems werden Maßnahmen durchgeführt, die vor allem gegen Korrosion und Abnutzung schützen, sowie die Leistung verbessern sollen.

Der AKW Betreiber hat  den erneuten Komplettbetrieb aller ALPS-Einheit für Dezember geplant.

Fehlalarm bei Mülllagerung: Am Freitag kam es um 2:58 Uhr im Gebäude der unterirdischen Abfalllagerung an Reaktor 5, zum Alarm eines Leckdetektors an einem der  Schlammstapelbehälter. Bis 15:00 Uhr konnte jedoch keine Füllhöhenschwankung festgestellt werden. TEPCO geht daher von Kondenswasser aus, dass den Detektor ausgelöst hatte. Um 15:45 Uhr wurde der Alarm aufgehoben.

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