Fukushima aktuell: Stark radioaktive Ablagerungen in Autowaschanlagen

Fukushima aktuell: Stark radioaktive Ablagerungen in Autowaschanlagen

Bekanntes Kontaminationsproblem wurde lange ignoriert

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Artikelbild - Autowaschanlage in Japan (Foto: Dick Thomas Johnson, flickr cc-by)
Präfektur Fukushima: Reinigung kontaminierter Autowaschanlagen geplant (Foto: Dick Thomas Johnson, cc-by)

Mit einer Meldung über Kontamination von Autowaschanlagen beginnt die Woche in Fukushima heute alles andere als entspannt. Auch Streitigkeiten über die Aufhebung einer Evakuierungsanordnung beschäftigen die Menschen.

Weitere Fukushima News, etwa über die Demontage an einem Reaktorgebäude, oder Bemühungen um den Ruf der Präfektur, gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 7. November 2016.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Extrem hohe radioaktive Ablagerungen in mehreren Autowaschanlagen
  • Abschluss der Schutzmantel-Demontage an Reaktor 1 in Sicht
  • Uneinigkeit über Freigabe von Tomioka
  • Fukushima-Kalenderprojekt bittet um Spenden
Extrem hohe radioaktive Ablagerungen in mehreren Autowaschanlagen

In Abwasserbehältern von Autowaschanlagen in der Präfektur Fukushima sammeln sich offenbar radioaktiv kontaminierte Ablagerungen an, die mehr als das siebenfache über dem gesetzlichen Grenzwert von 8.000 Becquerel pro Kilogramm liegen.

Das geht aus Aussagen und Dokumenten der Automobilindustrie hervor, die japanischen Medienvertretern vorliegen. Demnach wurde an mehreren Waschanlagen der Präfektur Fukushima starke radioaktive Belastungen in dem abgespülten Material nachgewiesen.

Zu den höchsten Belastungen zählt eine Konzentration von 57.400 Becquerel pro Kilogramm, was den zulässigen Höchstwert gleich mehrfach überschreitet.

Die radioaktive Kontamination ist vermutlich auf Ruß und Asche zurückzuführen, die unmittelbar nach dem radioaktiven Fallout der Kraftwerkskatastrophe an den Fahrzeugen hafteten, bevor sie in die Waschanlage gebracht wurden.

An etwa 1.700 Tankstellen mit Waschanlage nähert sich die Kapazität in den Lagertanks dem Ende. Um ein Überlaufen zu verhindern, schöpfen einige Anlagen den Schlamm per Hand ab, was zu Besorgnis über Gesundheitsgefahren für die Beschäftigten führte.

Die Gesamtmenge an kontaminiertem Material dürfte bei mehreren tausend Tonnen liegen.

Den mit dem Aufbau der Behälter beauftragten Firmen sei das Problem zwar bekannt gewesen, jedoch habe man es nicht öffentlich gemacht, da man Einbußen bei den Kundenzahlen befürchtete.

Mehrere Verbände aus dem Automobilbereich hatten sich deswegen bereits an die Regierung und den Kraftwerksbetreiber TEPCO gewandt.

Doch sowohl das Umweltministerium, als auch das Unternehmen gaben jetzt zu, die Bedenken der Verbände bislang ignoriert zu haben.

Als Ursache für die fehlende Beachtung werden geltende Dekontaminationsgesetze genannt, die lediglich bei Klärschlamm und Verbrennungsasche eine Meldung der Strahlungswerte an Behörden vorschreiben, nicht jedoch bei anderen Abfällen.

Experten fordern jetzt, dass das Material offiziell als radioaktiver Abfall deklariert wird, so dass die Regierung für die sachgemäße Entsorgung verantwortlich ist. Über die Angelegenheit berichtete die Kyodo.

Abschluss der Schutzmantel-Demontage an Reaktor 1 in Sicht

Die im September begonnenen Arbeiten zur Entfernung der Seitenpaneele am Schutzmantel um Reaktor 1 des AKW Fukushima Daiichi, sollen am 14. November abgeschlossen sein. Das wurde am Wochenende bekannt.

Fukushima-Reaktor 1: Entferntes Seitenpaneel am 13. September 2016 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Entferntes Seitenpaneel am 13. September 2016 (Foto: TEPCO)

Zuvor war mit der Entfernung der obersten Paneelreihe eine wichtige Hürde bei der Demontage des Schutzmantels genommen worden. Mittlerweile konnten 16 der insgesamt 18 Seitenpaneele ohne Zwischenfälle entfernt werden.

Die Konstruktion war im Oktober 2011 errichtet worden, um das Reaktorgebäude vor Wettereinflüssen zu schützen und die Ausbreitung von radioaktivem Material aus dem Reaktor einzudämmen.

Die Demontage des Dachteils begann im Juli 2015 und im Folgemonat konnte der Kraftwerksbetreiber TEPCO den Abschluss der Dachpaneel-Arbeiten bekannt geben.

Vor der Entfernung der einzelnen Teile wird eine Bindemittel versprüht, das aushärtet und so das Aufwirbeln von radioaktiv belastetem Staub verhindern soll – eine Maßnahme, die nach der Kontamination von Reisfeldern bei ähnlichen Arbeiten eingeführt wurde.

Mit der Räumung der Trümmer soll ab kommendem Frühjahr begonnen werden. Anschließend will man eine Vorrichtung zur Bergung der Brennelemente anbringen. Dafür ist ein Zeitraum von zwei Jahren vorgesehen. Dann soll die Bergung der Brennelemente anlaufen.

Über die Aussichten der Arbeiten berichteten Präfekturmedien.

Uneinigkeit über Freigabe von Tomioka

Am Samstag trafen sich Einwohner von Tomioka zu einer Konferenz am runden Tisch in Tokyo, um mit der Regierung über den Zeitplan zur Aufhebung der Evakuierungsanordnung zu diskutieren.

Straßensperre in der Präfektur Fukushima (Foto: Prof. Haruhiko Okumura cc-by)
Streitigkeit um Freigabe von Sperrgebietsgemeinde (Symbolfoto: Prof. Haruhiko Okumura cc-by)

Die Regierung plant eine Aufhebung für Ende Januar, oder spätestens Anfang Februar. Nach Angaben von Bürgermeister Koichi Miyamoto wollen die Einwohner von Tomioka eine Freigabe der Gemeinde erst im April.

Auf dem Treffen blieb die Regierung bei ihrem Entwurf und erklärte, im Rahmen des Drei-Zonen-Modells, einen Großteil der Gemeinde im Januar freigeben zu wollen. Ausgenommen wären lediglich stark kontaminierte Gebiete.

Ausgehend von dem Umstand, dass Infrastruktur und lebensnotwendige Angebote vor Ort zur Verfügung stehen, könne man die Gemeinde freigeben. Über die Differenzen berichteten Präfekturmedien.

Fukushima-Kalenderprojekt bittet um Spenden

Das Projekt „This is Fukushima“ will das international dominierende Bild der Präfektur Fukushima als eine Art unbewohnbare Sperrzone korrigieren und bemüht sich darum, auch die positiven Aspekte zu zeigen.

Aus diesem Grund veröffentlicht das Team aus freiwilligen Helfern seit 2011 einen Kalender, der Motive aus der Präfektur zeigt. Die Kosten werden dabei privat und durch Spenden gedeckt.

Bis zum 25. November können sich Personen, die mit der Idee dieses Projekts sympathisieren, an der Gofundme-Kampagne für den Fukushima-Kalender 2017 beteiligen.

Sollte der Kalender realisiert werden können, wird Spreadnews.de erneut einige Exemplare an Leser verlosen.

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