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Fukushima aktuell: Stilllegung von AKW Fukushima Daini gefordert

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Artikelbild: Fukushima Daini (Foto: TEPCO)
Stilllegung des AKW Fukushima Daini gefordert (Foto: TEPCO)

Im Allgemeinen war der Zustand des AKW Fukushima Daini nicht von ausgeprägtem Interesse, gab es doch außer einer Reihe von baulichen Schäden durch das Tohoku-Erdbeben und Katastrophenübungen weniger besondere Vorkommnisse. Dennoch gibt es aktuell Forderungen nach einer Stilllegung – die eine Besonderheit aufweisen.

Weitere Fukushima News befassen sich mit illegalen Überstunden und Strahlungsschutzmaßnahmen am AKW Fukushima Daiichi. Diese und weitere Themen die neben den Kraftwerken in Fukushima heute relevant sind, nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. Dezember 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Stilllegung von Fukushima Daini gefordert
  • Illegale Überstunden am AKW Fukushima kritisiert
  • TEPCO will Kraftwerksgelände aus Strahlungsschutzgründen asphaltieren
  • Räumung der  Katastrophentrümmer unterschiedlich erfolgreich
  • Schriftzeichen des Jahres 2013 vorgestellt

Stilllegung von Fukushima Daini gefordert: Eine Versammlung Ortschaft Tomioka hat am gestrigen Mittwoch mit Mehrheit eine Petition zur Stilllegung des Kernkraftwerks Fukushima Daini (Fukushima 2) beschlossen.

Als Begründung heisst es in der Petition, nachdem die Regierung Abe erklärt hatte, die Atomenergie bleibe wichtiger Stützpfeiler, sei es in höchstem Maße unwahrscheinlich, dass die Einwohner einem Neustart des Kernkraftwerks zustimmen werden.

Die Reaktoren 3 und 4 befinden sich auf dem Gebiet der Gemeinde, das Kraftwerk liegt nur zehn Kilometer vom AKW Fukushima Daiichi (Fukushima 1) entfernt.

AKW Fukushima Daini: Hauptkontrollbereich für Reaktor 6 am 11. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima Daini: Hauptkontrollbereich für Reaktor 6 am 11. März 2011 (Foto: TEPCO)

An dieser zweiten Anlage kam es jedoch nicht zu Kernschmelzen, da Notstromversorgung und Kühlung rechtzeitig wieder funktionierten.

Auch wenn die Präfekturleitung Fukushima bereits in der Vergangenheit schon Petitionen zur Stilllegung aller Reaktoren beschlossen hatte, ist es nach Meldung der NHK das erste Mal, dass die Gemeindeversammlung einer einzelnen Ortschaft dort solch einen Antrag stellt.

Atomkraftgegner befürworten die Stilllegung aller Nuklearanlagen des Landes. Nicht zuletzt aufgrund von Erdbebengefahr und Tsunami sei der Betrieb von Reaktoren und Forschungseinrichtungen zu gefährlich.

Illegale Überstunden am AKW Fukushima kritisiert: Das Arbeitsaufsichtsbüro der Präfektur Fukushima in Tomioka, hat Ende November insgesamt 18 Unternehmen verwarnt und angewiesen, die Überstunden von Kraftwerksarbeitern, die am AKW Fukushima Daiichi beschäftigt sind, einzustellen.

AKW Fukushima: Ableiten von Wasser währen des Taifuns Wipha am 16. Oktober 2013 (Aufnahme: TEPCO)
AKW Fukushima: Ableiten von Wasser während des Taifuns Wipha am 16. Oktober 2013 (Aufnahme: TEPCO)

Bei den Arbeiten zur Bewältigung des stark radioaktiven Wassers in Gräben, die zwischen Mitte August und Mitte Oktober durchgeführt worden waren, hätten Arbeiter die maximal zulässigen Überstunden von zwei Stunden pro Tag überschritten.

Diese Begrenzung dient dazu, die Belastung der Angestellten durch Radioaktivität zu beschränken.

Toshiba, sowie dessen 17 Subunternehmen räumten ein, das ihre Angestellten zwischen Juli und Oktober täglich einige Stunden länger arbeiten mussten, als dies gesetzlich zulässig ist.

Nach Angaben des Arbeitsamts der Präfektur betraf die illegale Verlängerung der Arbeitszeit vor allem Aufgaben, die in Nähe zu radioaktiv kontaminiertem Wasser durchgeführt werden mussten.

Die verantwortlichen Unternehmen rechtfertigten sich gegenüber jiji und NHK, man sei sich nicht bewusst gewesen, dass auch die Arbeitseinweisungen, Vorbereitungen auf die Hauptaufgaben und auftretende Wartezeiten gesetzlich in das tägliche Maximum von 10 Arbeitsstunden pro Tag einfließen. Nach dem Hinweis durch die Behörde habe man das bisherige Vorgehen angepasst.

Über die illegalen Arbeitspraktiken berichteten jiji und NHK.

TEPCO will Kraftwerksgelände aus Strahlungsschutzgründen asphaltieren: Noch am gestrigen Mittwoch kündigte Kraftwerksbetreiber TEPCO an, das Gelände der Anlage asphaltieren zu wollen. Auf diese Weise soll die Strahlungsbelastung der Arbeiter verbessert werden.

AKW Fukushima: Sandsäcke an Wassertanks am 22. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Asphaltierung soll vor Strahlung und Regenwasser schützen (Foto: TEPCO)

Die Strahlung werde so auf ein Drittel des bisherigen Werts gesenkt – selbst in Bereichen, in denen derzeitig noch 100 Mikrosievert pro Stunde gemessen wird.

Auch Regenwasser gelange dann nicht mehr so schnell in den Boden, wo es andernfalls Teil des Grundwassers werden würde, dass durch Einfließen in die Untergeschosse von Gebäuden auf dem Gelände radioaktiv kontaminiert wird und eines der großen Probleme am Kernkraftwerk darstellt.

Zunächst werde man bislang verbliebenen Schutt und Trümmer vom Gelände schaffen und in Folge die obersten Erdschichten abtragen, um den Boden dann zu asphaltieren. Mit diesem Plan folgt das Unternehmen den Forderungen einer Expertengruppe vom Dienstag. Neben anderen Maßnahmen war auch die Asphaltierung verlangt worden (Spreadnews berichtete am 10. Dezember 2013).

Ausgenommen von der geplanten Maßnahme, sind lediglich der Wald im nördlichen Teil des Reaktorgeländes und Bereiche um die Reaktorgebäude in denen die Strahlung zu hoch ist. Die ersten Arbeiten könnten möglicherweise bereits im Verlauf des Monats beginnen. Über die Maßnahmen berichteten Kyodo und Yomiuri Shimbun.

Atomkraftgegner hatten zuvor bereits die Theorie aufgestellt, durch die steigenden Strahlungswerte an den Grundwassermessposten könnte auch die Strahlung auf dem Gelände steigen.

Räumung der Katastrophentrümmer unterschiedlich erfolgreich: Angesichts der Konzentration auf die Situation am AKW Fukushima Daiichi, geht in Berichterstattungen die Situation in den benachbarten Präfekturen Iwate und Miyagi bisweilen etwas unter. Dabei waren sie ebenfalls vom Tsunami des Tohoku-Erdbebens betroffen.

Zerstörungen vier Tage nach dem Tsunami (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Zerstörungen vier Tage nach dem Tsunami (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Zumindest in der Präfektur Miyagi gab es jedoch Fortschritte, meldet das Umweltministerium doch, bis Ende Oktober 94 Prozent der Katastrophentrümmer geräumt zu haben. Auch in der Präfektur Iwate konnten 86 Prozent des Materials mittlerweile beseitigt werden. Bis März kommenden Jahres sollen beide Präfekturen fertig sein.

Für die Präfektur Fukushima belegt die Bilanz wenige positive Zahlen. Dort wurden lediglich 59 Prozent der vorhandenen Trümmer geräumt – bereits ausgenommen von dieser Zahl sind die Sperrgebiete um das Kraftwerk.

Die Erfolge in Miyagi haben jedoch auch ihre Schattenseiten. Unter den 5.000 Helfern befinden sich viele Zeitarbeiter und Überlebende der Katastrophe. Nach Abschluss der Arbeiten muss die Präfekturleitung neue Arbeitsplätze und Beschäftigungsverhältnisse für diese Menschen finden, berichtet die Kyodo.

Bei den Naturkatastrophen vom März 2011 fielen in den drei Präfekturen die Gesamtzahl von schätzungsweise mehr als 16 Millionen Tonnen an Trümmern an.

Schriftzeichen des Jahres 2013 vorgestellt: Seit 1995 wird durch eine nationale Abstimmung das „Kotoshi no Kanji“ ermittelt – das Schriftzeichen des Jahres. Es soll die bedeutendste Entwicklung und Ereignisse des ausklingenden Jahres repräsentieren. Im Rahmen einer Zeremonie am Tempel Kiyomizudera wird am 12. Dezember eine große Kalligraphie das Kanji präsentiert.

Kanji des Jahres 2013: "Wa" (Ring)
Kanji-Schriftzeichen des Jahres 2013: „Wa“ (Ring) Grafik: pd

Das in diesem Jahr gewählte Kanji lautet „Wa„, was sich mit „Ring“ oder „Rad“ übersetzen lässt.

Dabei geht es dann auch nicht um die scheinbar endlos wiederholenden Probleme am AKW Fukushima Daiichi, sondern das Zeichen wurde insbesondere aufgrund seiner Affinität zur Stimmvergabe an Japan als Gastgeber der Olympischen Spiele 2020 gewählt.

Der Hauptpriester des Tempels sieht in dem Kanji-Schriftzeichen, das auch als „Rin“ gelesen werden kann, darüber hinaus auch ein Symbol für die gegenseitige Unterstützung und die fortschreitenden Bemühungen zum Wiederaufbau nach dem Tohoku-Erdbeben 2011.

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