Fukushima aktuell: Strahlungskontrollen bei Reis sollen effektiver werden

Fukushima aktuell: Strahlungskontrollen bei Reis sollen effektiver werden

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Artikelbild - Reispflanze (Foto: gengenHDR, cc-by)
Kontrollen von Fukushima-Reis: Suche nach mehr Kosteneffizienz durch neues Konzept (Symbolfoto: gengenHDR, cc-by)

Hohe Sicherheit und Kosten sind in Fukushima heute ebenso Thema, wie zu Beginn der Krise – und gerade bei Lebensmitteln auf Kosten der Sicherheit zu sparen, ist undenkbar.

Welchen Weg man in Japan aktuell prüft, um Auslastung und Finanzlast zu drücken, zeigen die Fukushima News im Spreadnews Japan-Ticker vom 30. Juni 2017.

Unsere heutigen Themen zum Wochenende:

  • Neues Vorgehen bei Lebensmittelkontrollen für Reis wird geprüft
  • Prozessauftakt gegen Ex-Manager von TEPCO
  • Wasserleck an Verbindungsleitung zwischen Umkehrosmose-Anlagen
  • Zwei Sichtungen eines Bären an der Zwischenlagerbaustelle
Neues Vorgehen bei Lebensmittelkontrollen für Reis wird geprüft

Nachdem im Jahr 2012 die vollständige Kontrolle aller Reislieferungen aus der Präfektur Fukushima eingeführt worden war, wollen die dortigen Behörden nun die Einführung eines neuen Kontrollkonzepts prüfen.

Zu diesem Zweck soll eine Studiengruppe aus verschiedenen Organisationen zusammengestellt werden, um die mögliche Alternative auf Herz und Nieren zu prüfen. Das wurde auf dem gestrigen Treffen des Komitees für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei beschlossen.

Erforderlich wird dieser Schritt, weil sich der Reisanbau der Präfektur langsam erholt und so der Verkauf von Erträgen steigt. Weiterhin jeden einzelnen Sack auf gewohnte Weise zu testen wäre aufwändig und teuer. Bislang kosteten die Tests 33,6 Milliarden Yen.

Da die Jahrgänge 2015 und 2016 unterhalb des Lebensmittelgrenzwerts blieben, wäre eine Weiterführung der bisherigen Praxis eine unnötige Belastung für den Handel. Im kommenden Jahr sei dies noch möglich, danach müssten Alternativen verfügbar sein.

Als Alternative soll ein neues Konzept mit Stichproben unter stärkerer Berücksichtigung von Zertifizierung durch unabhängige Stellen entwickelt werden. Der Einführung sollen Befragungen von Produzenten und Verbrauchern vorausgehen.

Das berichten Präfekturmedien.

Bereits in der Vergangenheit war an Maßnahmen zur Gewährleistung einer gleich bleibenden Lebensmittelsicherheit und gleichzeitiger Senkung von Kosten und Aufwand beim Reisanbau geforscht worden.

So hatte Mitte des Monats die Nationale Forschungsorganisation für Landwirtschaft und Lebensmittel (NARO) eine neue Reissorte vorgestellt, die aufgrund einer gezielten, strahlungsinduzierten Mutation nur etwa die Hälfte an radioaktivem Cäsium aufnimmt.

Der  geplanten Anbau in Fukushima könnte in Kombination mit bereits getroffenen Maßnahmen wie etwa Kaliumdüngung, diese teuren Maßnahmen reduzieren.

Prozessauftakt gegen Ex-Manager von TEPCO

Drei frühere Manager des Kraftwerksbetreibers TEPCO bekannten sich heute bei der ersten Anhörung vor einem Gericht in Tokyo als „nicht schuldig“

Dem früheren Vorsitzenden, Tsunehisa Katsumata, sowie Sakae Muto und Ichiro Takekuro wird nach japanischem Recht eine fahrlässige Tötung durch Unterlassung vorgeworfen. Hintergrund sind die Kernschmelzen am AKW Fukushima Daiichi vom März 2011.

Die Kläger werfen den Beschuldigten vor, sie hätten die Möglichkeit eines solchen Tsunami vorhersehen und entsprechende Schutzmaßnahmen treffen müssen.

Die früheren Mitglieder der TEPCO-Führung drückten ihr Bedauern aus, argumentieren aber dagegen, eine Naturkatastrophe solchen Ausmaßes sei nicht vorhersehbar gewesen und daher sei ihnen auch nichts vorzuwerfen.

Über die Verhandlung berichteten zahlreiche nationale und internationale Medien, wie Kyodo, jiji, NHK und Präfekturmedien.

Wasserleck an Verbindungsleitung zwischen Umkehrosmose-Anlagen

Am gestrigen Donnerstag entdeckte ein Angestellter eines Partnerunternehmens gegen 10:01 Uhr, dass Wasser an einer Druckleitung zwischen den Lagertankbereichen H2 und H4 austrat.

Die Leckstelle befindet sich an der Unterseite der Leitung, die eine Entsalzungseinheit der Umkehrosmose-Anlage mit einem mobilen Membrankonstruktion der gleichen Anlage verbindet. Anschließend wurden Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt.

Zunächst einmal wurde das verbliebene Wasser ausgeleitet und die Leckstelle mit wasserdichtem Vinyl abgedichtet. Gegen 15:45 Uhr wurde offiziell der Stopp des Wasserlecks bekannt gegeben.

Eine Strahlungsmessung vor Ort ergab, dass die Konzentration nicht höher lag, als die allgemeine Umgebungsradioaktivität. Die Analyse des Wassers ergab, dass die Cäsiumkonzentration unter dem Nachweiswert liegt.

Die Konzentration von Betastrahlern beträgt 19 Becquerel pro Liter. TEPCO geht nun davon aus, dass es sich um Regenwasser handelt, das nach der Anbringung der Leitung zur Erprobung genutzt worden war, jedoch nicht abgepumpt wurde.

Aufgrund der Tropfgeschwindigkeit von 2-3 Tropfen pro Sekunde und des Zeitpunkts der Entdeckung geht TEPCO von insgesamt 260 Litern aus. Die Leitung soll gänzlich entfernt werden, da man sie nicht weiter verwenden wird. Das berichtete der Kraftwerksbetreiber TEPCO.

Zwei Sichtungen eines Bären an der Zwischenlagerbaustelle

Die lokalen Medien berichten immer wieder über Sichtungen von wilden Bären, die sich an Straßen, oder private Grundstücke trauen. Doch nun wurden die Tiere auch an einem besonders wichtigen Ort gesichtet.

Am gestrigen Donnerstag berichteten zwei Männer unabhängig voneinander, einen Bären am Standort des im Bau befindlichen Zwischenlagers für radioaktiv kontaminiertes Erdreich gesichtet zu haben.

Während der erste Augenzeuge gegen 9:50 Uhr mit Dekontaminationsarbeiten beschäftigt war, meldete die andere Person ihre Sichtung gegen 11:40 Uhr von einem LKW aus.

Da in der Nähe der Sichtung weitere Dekontaminationmaßnahmen durchgeführt werden, ruft die Polizei Futaba zu besonderer Aufmerksamkeit und Vorsicht auf.

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