Fukushima aktuell: Strahlungsniveau in Reaktor auf höchstem Stand seit 2011

Fukushima aktuell: Strahlungsniveau in Reaktor auf höchstem Stand seit 2011

Tödliche Werte im Sicherheitsbehälter nachgewiesen

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Artikelbild - Fukushima-Reaktor 2: Einführen der Kamera am 30. Januar 2017 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2: Einführen der Kamera am 30. Januar 2017 (Foto: TEPCO)

Wenn vom AKW Fukushima heute ein Strahlungsrekord gemeldet wird, dann sind das aktuelle Fukushima News, wie es sie seit langer Zeit nicht mehr gegeben hatte.

Doch auch andere Meldungen, die aus Japan aktuell berichtet werden, verdienen Aufmerksamkeit, selbst wenn sie weniger dramatisch sein mögen. Das Ganze gibt es wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 2. Februar 2017.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Strahlungsniveau in Reaktor auf höchstem Stand seit 2011
  • TEPCO bekräftigt Pläne für Robotereinsatz in diesem Monat
  • Früherer Fukushima-Arbeiter verklagt AKW-Betreiber
  • Unbekannter spendet Betrag für Kinder in Tamura
Strahlungsniveau in Reaktor auf höchstem Stand seit 2011

Wie der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi am heutigen Donnerstag bekannt gab, liegt der Strahlungswert innerhalb des Sicherheitsbehälters von Reaktor 2 auf dem höchsten Stand seit den Kernschmelzen im Jahr 2011.

Nach Angaben des Unternehmens sei in der Nähe des Zugangsbereichs in einem Areal direkt unterhalb des Druckbehälters ein Wert von 350 Sievert pro Stunde nachgewiesen worden sei. Das ist ein vielfaches der tödlichen Strahlungsdosis.

Der bislang im inneren des Reaktorgebäudes gemessene Wert betrugf 73 Sievert pro Stunde. Zusätzlich zu diesen Daten hat der Kraftwerksbetreiber aber auch weitere Informationen veröffentlicht, die sich aus der Analyse der Kamerabilder aus Reaktor 2 ergeben.

Demnach habe man an dem Gitter unterhalb des Druckbehälters ein großes Loch mit einem Durchmesser von zwei Metern entdeckt. Auch sei ein Teil des Gitters verformt gewesen. TEPCO kombinierte zur Illustration die Einzelaufnahmen zu einem Gesamtbild.

Fukushima-Reaktor 2: Loch in Bodengitter, 30. Januar 2017 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2: Loch in Bodengitter, 30. Januar 2017 (Foto: TEPCO)

Zusammen mit den bisherigen Funden von Klumpen auf dem Gitter legt diese Analyse nahe, dass die zusammengschmolzene Masse (Corium) aus dem Druckbehälter austrat und durch das Gitter auch noch in  weiter unten liegende Bereiche gelangte.

Über diese Neuigkeiten berichtete die Kyodo.

Präfekturmedien sprechen bei der vor Ort gemessenen Strahlungsdosis sogar von 530 Sievert. Es ist jedoch unklar, in welchem der beiden Fälle ein Zahlendreher vorliegt.

TEPCO bekräftigt Pläne für Robotereinsatz in diesem Monat

Naohiro Masuda, Verantwortlicher für die Arbeiten am AKW Fukushima Daiichi bestätigte heute bei einem Treffen mit einem Präfekturausschuss, noch in diesem Monat den so genannten Skorpion-Roboter in Reaktor 2 einsetzen zu wollen.

So geht es etwa darum zu klären, ob die beim Kamera-Einsatz im vergangenen Monat entdeckte Klumpen tatsächlich aus geschmolzenen Brennelementen und anderem Material aus dem Reaktorkern bestehen.

Obwohl die Kamerasichtung im Bodengitter, dass ein Teil der Strecke des Roboters werden wird,  ein Loch, sowie Verformungen nachgewiesen hatte, bewerte man den Einsatz im Inneren des Sicherheitsbehälters als sicher.

Es sei unwahrscheinlich, dass die Struktur unter dem Gewicht wegbreche, da sie offenbar nur durch die Hitze verformt wurde, erklärte Masuda. Über das Festhalten an den Plänen und diese erste Einschätzung berichteten Präfekturmedien.

Früherer Fukushima-Arbeiter verklagt AKW-Betreiber

Ein 42 Jahre alter Mann aus der Präfektur Fukuoka forderte bei seiner ersten Anhörung vor einem Gericht in Tokyo eine Entschädigung in Höhe von 59 Millionen Yen von zwei früheren Arbeitgebern, bei denen es sich um Elektrizitätsunternehmen handelt.

Der Kläger war zwischen Oktober 2011 und Dezember 2013 an den beiden TEPCO-Kernkraftwerken Fukushima Daiichi und Fukushima Daini, sowie der von Kyushu Electric betriebenen Anlage des Kernkraftwerks Genkai (Präf. Saga) tätig.

Besonders kritisiert der frühere Kraftwerksarbeiter den Umgang von TEPCO mit seinen Arbeitskräften. Er habe den hehren Vorsatz gehabt, bei der Bewältigung der Krise zu helfen – die dortigen Arbeiten wären jedoch wie Verschleißgut behandelt worden.

Es ist das erste Mal seit der Kraftwerkskatastrophe, dass eine Krankheit mit der Strahlungsbelastung am Arbeitsplatz als Klagegrund von den Behörden akzeptiert wurde.

In der Klageschrift gibt er an, einer Strahlungsbelastung von mindestens 19,8 Millisievert ausgesetzt gewesen zu sein. Im Jahr 2014 war dann Leukämie diagnostiziert worden und er habe in Folge eine Depression entwickelt.

Er begründet seine finanziellen Forderungen mit dem Umstand, nicht länger arbeitsfähig zu sein und daher kein Einkommen mehr zu haben. Über die Anhörung berichtete die Kyodo.

Unbekannter spendet Betrag für Kinder in Tamura

Trotz der Versuche zur Wiederbelebung einstiger Sperrgebietsgemeinden und Bemühung um das wirtschaftliche Wiedererstarken der Region, sehen sich immer noch viele Familien direkt oder indirekt von den Folgen der AKW-Katastrophe betroffen.

Dies nahm nun ein unbekannter Wohltäter zum Anlass, um der Gemeinde Tamura postalisch eine anonyme Spende in Höhe von 5,92 Millionen Yen zukommen zu lassen.

Die beiden Briefe trafen am Montag ein und enthielten ein Begleitschreiben, in dem der Spender darum bittet, in den schwierigen Zeiten des Wiederaufbaus das Geld zur Unterstützung finanziell benachteiligter Schüler zu nutzen.

Außer einem Poststempel der Stadt Chichibu (Präf. Saitama) gibt es keine Hinweise auf die Identität des großzügigen Bürgers. Die Stadtverwaltung erklärt, man werde nun erarbeiten, wie sich der Wunsch des Spenders am besten realisieren lasse.

Über die anonyme Spende berichteten Präfekturmedien

 

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