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Fukushima aktuell: Streit um Entsorgung radioaktiv belasteter Abfälle

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Artikelbild - Schwarze Säcke (Foto: Prof. Haruhiko Okumura)
Radioaktive Abfälle: Umweltministerium führt Tests für künftige Bauprojekte durch (Symbolfoto: Prof. Haruhiko Okumura,cc-by)

Während die Arbeiten am AKW Fukushima heute zwischen Verzögerungen und Fortschritten schwanken, bleibt das Problem radioaktiver Abfälle aus den Dekontaminationsmaßnahmen. Weitere Fukushima News, etwa zu den Lagerprotesten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 29. Oktober 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Lagerung von radioaktiven Abfällen auf Schulgeländen ungeklärt
  • Erste Arbeiten an Schutzmantel von Reaktor 1 abgeschlossen
  • Umfangreiche Standby-Aktion an Filteranlagen
  • Petition gegen langfristiges Lager in Shioya eingereicht
  • Neue Sicherheitsbeurteilung für AKW Oi akzeptiert

Lagerung von radioaktiven Abfällen auf Schulgeländen ungeklärt: Aufnahmen von Plastiksäcken mit radioaktiv kontaminierter Erde, aus denen mittlerweile sogar Pflanzen sprießen, sind im Zusammenhang mit der Fukushima-Katastrophe ein bekanntes Motiv in der Bildberichterstattung.

Ungeklärt ist jedoch der dauerhafte Verbleib des kontaminierten Erdreichs, das neben Privatgrundstücken auch auf dem Gelände von Schulen der Präfektur Fukushima erfolgt. Ursache hierfür ist eine unzureichende Rechtslage, die nur Dekontaminationsarbeiten abdeckt, die nach Inkrafttreten eines Gesetzes im Januar 2012 durchgeführt wurden.

Diese Regelung des Umweltministeriums wird von der Präfekturverwaltung als unsinnig angesehen und hatte bereits mehrfach Regelungen verlangt, die einen Transport der Dekontaminationsabfälle von den Schulanlagen in die künftigen Zwischenlager ermöglichen.

Im August hatte die Präfektur dem Bau von Zwischenlagern zugestimmt und die Regierung versucht seitdem, von Gemeinden und Grundstückseigentümern ebenfalls die Genehmigungen zum Zwischenbau zu erhalten.

Eine klare Antwort durch das Umweltministerium steht in der Umlagerungsfrage noch aus, es ist jedoch wahrscheinlich, dass die entstehenden Transportkosten den Hintergrund der Verzögerungen darstellen. Das berichtete die jiji.

Erste Arbeiten an Schutzmantel von Reaktor 1 abgeschlossen: Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO mitteilte, habe der Schaden am Schutzmantel von Reaktor 1 zu keinen weiteren technischen Problemn geführt, so dass am heutigen Mittwoch um 8:45 Uhr die ersten Arbeiten zur Einbringung von Bindemitteln in das Innere des Schutzmantels abgeschlossen werden konnten.

Auch bei den Arbeiten am heutigen Morgen wurde nach Darstellung des Unternehmens, kein Anstieg bei der Freisetzung radioaktiven Materials aufgrund der Beschädigung festgestellt werden.

Doch auch wenn das erste Einsprühen eines chemischen Bindemittels unter den Schutzmantel von Reaktor 1 erfolgreich verlief, wird es offenbar zu Verschiebungen im Zeitplan kommen. So soll die versuchsweise Entfernung eines Dachpaneels auf Freitag verlegt werden. Hierüber berichten TEPCO und Kyodo.

Umfangreiche Standby-Aktion an Filteranlagen: Wegen Umbauarbeiten wurde eine Reihe von Einheiten, die der Filterung von radioaktivem Wasser dienen, zeitweise in den Standby-Modus versetzt. Hierzu gehören neben einer Umkehrosmose-Einheit zur Entsalzung, auch die Cäsiumfilteranlage SARRY und alle Einheiten der alten ALPS-Anlage und des Testbetriebs der zweiten ALPS-Anlage, sowie des Hochleistungs-Filtersystems.

Die Einheiten wurden jeweils zu unterschiedlichen Zeitpunkten gestoppt. TEPCO meldet im Zusammenhang mit dieser Aktion keine technischen Probleme.

Petition gegen langfristiges Lager in Shioya eingereicht: Nicht nur die Einwohner der Ortschaft Shioya (Präf. Tochigi), sind gegen die Errichtung eines Lagers, in dem langfristig Dekontaminationsabfälle mit Belastungen über 8.000 Becquerel pro Kilogramm eingelagert werden sollen.

Gelände der Ortschaft Shioya, Präf. Tochigi (Foto: pd)
Gelände der Ortschaft Shioya, Präf. Tochigi (Foto: pd)

Der Umfang des Protests wird durch die Zahl von etwa 173.000 Unterschriften einer entsprechenden Petition deutlich – denn die Bevölkerung von Shioya beträgt lediglich 11.643 Einwohner. Daher sind diese Zahlen das Zeichen eines landesweiten Protests.

Bereits nach der Bekanntgabe als möglicher Lagerstandort im Juli 2014 hatten Einwohner protestiert.

Die geplante Anlage hätte ihren Standort etwa 150 Kilometer nördlich von Japans Hauptstadt Tokyo und wäre eines der geplanten fünf langfristigen Lager. Die Gegner des Lagerbaus nennen Angst um die Sicherheit der Trinkwasserversorgung des Ortes und fürchten einen zunehmenden Bevölkerungsschwund.

Yasuhiro Ozato, Staatsminister für Umwelt, nahm die Petition heute entgegen, erklärte, er nehme die Bedenken der Protestler sehr ernst und betonte, wie wichtig ein problemloser Austausch zu diesen Vorbehalten sei.

Dagegen hat das Umweltministerium für den 9. November ein Treffen aller Bürgermeister der Präfektur angekündigt, um für das Endlager zu werben. Über die Petition berichteten Kyodo und NHK.

Neue Sicherheitsbeurteilung für AKW Oi akzeptiert: Am heutigen Mittwoch akzeptierte Japans Atomaufsichtsbehörde eine überarbeitete Einschätzung der maximalen Erdbebenstärke am Kernkraftwerk Oi durch den Betreiber Kansai Electric.

Eine erste Einschätzung der Bodenbeschleunigung von maximal 700 gal, war von der NRA als „zu optimistisch“ zurückgewiesen worden und tatsächlich geht das Betreiberunternehmen nun von 856 gal aus und berücksichtigt dabei die Möglichkeit der gleichzeitigen Bewegung entlang drei geologischer Verwerfungen, sowie erdbodennaher Erschütterungen.

Auch wenn Kansai Electric einräumte, mindestens ein Jahr für die nun erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen an der Anlage zu benötigen und eine Prüfung der Einschätzungen zu weiteren Katastrophenszenarien noch aussteht, könnte dies bereits ein erster Schritt zu einem künftigen Neustart sein. Das berichtete die NHK.

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