Fukushima aktuell: Stromausfall an Eiswall-Kühlsystem

Fukushima aktuell: Stromausfall an Eiswall-Kühlsystem

Erster großer Zwischenfall seit Inbetriebnahme des Eiswalls

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Artikelbild - AKW Fukushima: Gefriereinheit des Eiswall-Projekts am 30. April 2015 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Gefriereinheit des Eiswall-Projekts am 30. April 2015 (Foto: TEPCO)

Bislang verlief der Betrieb des Eiswalls technisch problemlos – doch eine vom AKW Fukushima heute gemeldete Störung änderte dies in den frühen Morgenstunden.

Weitere Fukushima News befassen sich mit neuen Erkenntnissen zu den langfristigen Folgen der Ereignisse vom März 2011. Details hierzu finden sich wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 28. Juni 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Stromausfall an Eiswall-Kühlsystem und Filterenlage
  • Fukushima-Fallout ging als Glasregen auf Tokyo nieder
  • TEPCO entschuldigt sich bei Aktioniären für Kernschmelzen-Schweigeorder

Stromausfall an Eiswall-Kühlsystem und Filteranlage: Am heutigen Dienstag kam es gegen 3:40 Uhr am AKW Fukushima Daiichi zu einem Alarm, der auf Probleme an der Stromversorgung hinwies.

Eine Untersuchung vor Ort ergab, dass eine Cäsiumfilteranlage, ein Strahlungsmessposten und die Kühlanlage für den Eiswall, zumindest partiell ausgefallen waren. Zum Zeitpunkt des Zwischenfalls waren 22 der insgesamt 30 Kühleinheiten für den Eiswall in Betrieb.

Zunächst war unklar, wie viele der Eiswall-Kühleinheiten von dem Stromausfall betroffen sind. Es handelt sich um den ersten großen Zwischenfall an der Grundwasserbarriere seit der Inbetriebnahme des Eiswalls im März diesen Jahres.

Wie der Kraftwerksbetreiber TEPCO öffentlich bekannt gab, sei die Kühlung der Brennelemente in den Reaktoren und Abklingbecken weiter gewährleistet, da diese Kühlsysteme nicht von dem Ausfall betroffen waren.

Messgeräte auf dem Gelände wiesen zudem keine Veränderungen im Strahlungsniveau der Umgebung nach. Auch eine manuelle Prüfung im Bereich des ausgefallenen Messpostens konnten keine Auffälligkeiten feststellen.

Das Unternehmen arbeite nun daran, die Stromversorgung vollständig wiederherzustellen und die Ursache zu ermitteln. Neben TEPCO berichteten auch Kyodo, NHK und Präfekturmedien über den Zwischenfall.

Im Rahmen des Eiswallprojekts soll durch unterirdisch verlegte Rohre ein Kühlmittel zirkulieren und das umgebende Erdreich zu gefrieren, um so eine Barriere gegen die Vermischung von Grundwasser und kontaminiertem Reaktorabwasser zu bilden.

Fukushima-Fallout ging als Glasregen auf Tokyo nieder: Im Zuge der Kraftwerkskatastrophe in Fukushima, kam es auch im 230 Kilometer entfernten Tokyo zu radioaktivem Niederschlag.

Wie ein wissenschaftliches Team von der Kyushu Universität unter Leitung des außerordentlichen Professors Satoshi Utsunomiya nun feststellte, war ein Großteil an radioaktivem Cäsium des Fallouts nicht wasserlöslich, wie bisher angenommen.

Etwa 89% des Cäsium sei in Form von feinen Glaspartikeln über der japanischen Hauptstadt niedergegangen und habe sich daher nicht durch Umwelteinflüsse wie etwa Regenfälle weiter verdünnt.

Dies kann zu Hot Spots führen – Bereichen erhöhter Radioaktivität – wenn die Oberflächen nicht mit Hochdruckreinigern dekontaminiert werden. Die feinen Partikel entstanden im Rahmen der Kernschmelze und wurden durch die Wasserstoffexplosion freigesetzt.

Berechnungen zur Stärke des Fallouts, eine möglicherweise längere Halbwertszeit, und veränderte Mengen bei der Inkorporation durch Einatmung, sollten nun neu beurteilt werden, so die Experten. Über die Entdeckung berichteten bereits gestern mehrere japanische Medien.

TEPCO entschuldigt sich bei Aktioniären für Kernschmelzen-Schweigeorder: Naomi Hirose, Präsident des Energieanbieters TEPCO, entschuldigte sich bei einer heutigen Aktionärsversammlung für die Informationspolitik der Vergangenheit.

Hirose drückte sein Bedauern aus, dass die Anordnung der damaligen TEPCO-Führung, die Verwendung des Begriffs „Kernschmelze“ zu unterlassen, zu Besorgnis und Ängsten geführt habe.

In seiner Rede vor 1.200 Personen erklärte der jetzige TEPCO-Präsident, er nehme diese Entdeckungen sehr ernst und arbeite daran, die Wiederholung eines solchen Vorgehens zu verhindern.

Zu den Anträgen und Vorschlägen, die von den Aktionären während des Treffens eingereicht wurden, gehörte sowohl Befürwortung als auch Ablehnung von Reaktorneustarts, sowie Kritik an der anhaltend schlechten Entschädigungspolitik des Unternehmens.

Über die Entschuldigung berichtete die NHK.

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