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Fukushima aktuell: Strontiumanstieg in Meeresnähe

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Artikelbild - AKW Fukushima: Schlickzaun am 10. April 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Schlickzaun am 10. April 2011 (Foto: TEPCO)(Symbolfoto: TEPCO)

Die Regierung akzeptierte den Zehn-Jahres-Geschäftsplan von TEPCO, der auch den Neustart des AKW Kashiwazaki-Kariwa vorsieht. Dennoch musste sich der Betreiber des AKW Fukushima heute erneut mit den Folgen der Fukushima-Krise befassen. Doch auch andere Unternehmen der Atomindustrie sehen sich Kritik ausgesetzt.

Fukushima News und weitere Meldungen im Spreadnews Japan-Ticker vom 15. Januar 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Erneut Strontiumrekord eines Messpostens
  • Hoher Cäsiumnachweis durch Erdreich
  • TEPCO lehnt Angebot bei Fukushima-Entschädigung ab
  • Atomkraftkritischer Politiker als Taxi-Fahrgast abgelehnt
  • TEPCO-Tochter beantragt Prüfung von Zwischenlager

Erneut Strontiumrekord eines Messpostens: In Wasserproben, die von einem Messposten etwa 40 Meter vom Damm entfernt nahe Reaktor 2 stammen, wurde ein Wert von 2,4 Millionen Becquerel an Strontium-90 und weiteren Betastrahlern nachgewiesen.

Damit übersteigen die Strahlungswerte der am Montag entnommenen Probe den bisherigen Höchstwert des Messpostens von 2,2 Millionen Becquerel pro Liter. Dieser war in einer Wasserprobe vom Donnerstag vergangener Wochen ermttelt worden.

Die Verantwortlichen bei TEPCO erklärten, man gehe nicht davon aus, dass der Anstieg auf weitere Lecks zurückzuführen ist. Das berichtet die jiji.

Das Unternehmen hatte in der Vergangenheit mehrfach Probleme mit Betastrahlung. Diese lässt sich zwar durch Schutzkleidung abschirmen, allerdings wird die mögliche Kontamination des Meeres kritisch beobachtet. Derzeit arbeitet das Unternehmen daran, durch künstliche Aushärtung tieferer Bodenschichten diesen Vorgang zu verhindern.

Hoher Cäsiumnachweis durch Erdreich: In Wasserproben, die am gestrigen Dienstag aus einem Ableitungskanal entnommen worden waren, wiesen im Vergleich zu dem nur einen Tag zuvor entnommenen Proben eine deutliche Erhöhung um das Zehnfache auf.

Lag die Konzentration von Cäsium-134 am Montag noch unterhalb des Nachweiswerts, wies sie nun Werte von 180 Becquerel pro Liter auf. Noch höher war der Anstieg bei Cäsium-137. Dort wurde eine Erhöhung auf 420 Becquerel pro Liter festgestellt. Auch hier lag die Konzentration zuvor unter dem Nachweiswert.

Die Gesamtkonzentration aller Betastrahler stieg von 200 auf 1.100 Becquerel pro Liter.

Kraftwerksbetreiber TEPCO erklärte, die deutliche Trübung der aktuellen Probe zeige, das Erdreich aus der Drainage im Wasser gelöst wurde und es sehr wahrscheinlich sei, dass es hierdurch zu den erhöhten Werten gekommen war. Auch die neuen Werte übertreffen allerdings nicht die bisherigen Strahlungsrekorde.

TEPCO lehnt Angebot bei Fukushima-Entschädigung ab: Der Betreiber der schwer beschädigten Kraftwerksanlage Fukushima Daiichi hat das Angebot eines Schlichters zur Leistung von Entschädigungszahlungen aufgrund von Ängsten über gesundheitliche Spätfolgen, abgelehnt.

Japanische Yen-Banknoten (Foto: pd)
TEPCO zögert bei Entschädigungsleistungen (Symbolfoto: pd)

Insgesamt hatten sich 180 einstige Bewohner von Iitate (Ortsteil Nagadoro) mit Forderungen an das Vermittlungszentrum für Entschädigungsleistungen der Fukushima-Katastrophe gewandt.

Sie begründeten ihre Forderungen damit, dass sie länger als notwendig der Strahlung ausgesetzt waren, da die Evakuierungsaufforderung der Behörden für den Ortsteil erst spät erfolgt sei.

Nun lehnte der Kraftwerksbetreiber die Einigung ab. Obwohl die Schlichter im vergangenen Jahr die Entschädigung durch den Kraftwerksbetreiber empfohlen und im Dezember damit begonnen hatten, genaue Schlichtungsvorschläge vorzulegen, habe das Unternehmen erklärt, die Grundlage der Forderungen sei nicht klar.

TEPCO begegnet der Forderung der Rechtsanwälte, das Unternehmen solle den Vorschlag akzeptieren, da es bereits versprochen hatte, die Anträge der Schlichter anzuerkennen und zu berücksichtigen, und versprach, man werde bei einer Anerkennung der Ansichten des Vermittlungszentrums umgehend handeln. Das berichtete die NHK.

Atomkraftkritischer Politiker als Taxi-Fahrgast abgelehnt: Das Büro des LDP-Abgeordneten Masatoshi Akimoto reservierte am 7. Januar bei einem Taxiunternehmen in Tsuruga ein Taxi für den Politiker, da er beabsichtigte, in der zweiten Monatshälfte die Atomanlagen der Stadt zu besichtigen.

Taxifahrt: Nicht überall so einfach wie hier in Tokyo (Symbolbild, Hajime Nagahata, cc-by)
Taxifahrt: Nicht überall sind Fahrgäste so willkommen wie hier in Tokyo (Symbolbild, Hajime Nagahata, cc-by)

In Tsuruga befinden sich das AKW Tsuruga, sowie der Forschungsreaktor Monju. Die örtliche Wirtschaft ist von der Atomenergie abhängig und stagniert seit dem gesetzlich vorgeschriebenen Stillstand der Kernkraftwerke.

Ein Angestellter informierte sich im Internet über die politische Aktivität des Politikers und erfuhr auf diese Weise, dass sich Akimoto für einen schrittweisen Ausstieg des Landes aus der Atomenergie einsetzt. Daraufhin tätigte der Beschäftigte einen Rückruf an das Büro.

Er erklärte, das Unternehmen sehe sich nicht in der Lage, Personen, die eine Haltung gegen die Atomenergie haben zu befördern, da viele Beschäftigte der Atomindustrie ebenfalls die Dienstleistungen des Unternehmens in Anspruch nehmen.

Nach Angaben der Mainichi Shimbun entschuldigte sich die Leitung des Taxidienstes bei dem Politiker und versicherte, die Ablehnung von Reservierungen entspreche nicht der Unternehmenspolitik – der betreffende Angestellte habe auf eigene Verantwortung gehandelt. Das zuständige Büro des Transportministeriums in Nagoya habe den Zwischenfall bestätigt.

Die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete dagegen später, das Unternehmen habe sich für die Absage der für kommenden Montag geplanten Tour bislang nicht entschuldigt, jedoch werde man Disziplinarmaßnahmen gegen den Mitarbeiter erwägen.

TEPCO-Tochter beantragt Prüfung von Zwischenlager: Das Unternehmen Recyclable-Fuel Storage, das zu 80 Prozent von TEPCO und 20 Prozent durch die Japan Atomic Power betrieben wird, beantragte am heutigen Mittwoch die Durchführung von Sicherheitsprüfungen für eine im Bau befindliche Einheit zur Zwischenlagerung radioaktiver Abfälle.

Die Anlage, die im März 2015 in der Stadt Mutsu (Präf. Aomori) ihren Betrieb aufnahmen soll, wird für einen maximalen Zeitraum von 50 Jahren bis zu 3.000 Tonnen an Atommüll, insbesondere abgebrannte Brennelemente der beiden Unternehmen, einlagern. Dieser soll dann bis zum Transport in die Wiederaufarbeitungsanlage Rokkasho dort verbleiben.

Nach Angaben der Betreiberfirma Recyclable-Fuel Storage entspricht die Zwischenlagerstätte auch den verschärften Sicherheitsstandards. Entsprechende Simulationen hätten dies bestätigt, da nun auch Erdbeben, die 30 Prozent stärker sind, als die bisher simulierten, keine Schäden an den Strukturen verursacht hätten. Das berichteten jiji und NHK.

Das Unternehmen rechnet daher mit einem positiven Ergebnis des Sicherheitstests durch die Atomaufsichtsbehörde NRA. Dies ist eine Grundvoraussetzung für den Betrieb von Atomanlagen in Japan.

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