Start Aktuelles Fukushima aktuell: Tankbarrierenleck könnte bereits seit Monaten bestehen

Fukushima aktuell: Tankbarrierenleck könnte bereits seit Monaten bestehen

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Artikelbild - AKW Fukushima: Regenwassertanks am 3. Juni 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Regenwassertanks am 3. Juni 2014 (Foto: TEPCO)

Was als einfache Meldung über Wasseraustritt an Regenwassertanks begann, weitet sich nun immer weiter aus. Wie vom AKW Fukushima heute zu hören ist, könnte kontaminiertes Wasser bereits seit mehreren Monaten ausgetreten und sogar in die Umwelt gelangt sein. Diese und weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 6. Juni 2014.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Wasserleck an Lagertankbarriere könnte seit März bestehen
  • Ölaustritt bei Fahrzeugbetankung
  • Fukushima-Arbeiter mit gesundheitlichen Problemen abtransportiert
  • Dekontaminationsbehälter in Minamisoma vorgestellt
  • Ex-Premier Kan für Veröffentlichung der Fukushima-Protokolle

Wasserleck an Lagertankbarriere könnte seit März bestehen: Nachdem zu Beginn der Woche erste Meldungen über den Wasseraustritt an zwei Behältern veröffentlich worden waren, wurden in der Folge weitere Details bekannt. So räumte Kraftwerksbetreiber TEPCO ein, möglicherweise sei  Wasser aus dem Lagertankbereich gelangt.

AKW Fukushima: Ventil an Regenwassertank-Barriere am 3. Juni 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Kontaminiertes Wasser trat womöglich seit Monaten aus (Foto: TEPCO)

Zu den besonderen Umständen der aktuellen Lecks gehört, dass im betroffenen Lagertankbereich seit März keine standardmäßigen Kontrollgänge durchgeführt und der Austritt aus den beiden Behältern erst durch Beamte der Atomaufsichtsbehörde NRA entdeckt wurde (Spreadnews berichtete).

Jetzt erklärt TEPCO, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Wasseraustritt bereits seit Einstellung der Patrouillen im März der Wasseraustritt erfolgte.

Das Unternehmen rechtfertigte die mangelnde Kontrollen des Areals mit dem Umstand, dass sich dort nur kleinere Tanks für Regenwasser befinden. Nach dem jüngsten Zwischenfall wolle man jetzt auch andere, scheinbar unbedeutende Anlagen kontrollieren, die bislang unbeaufsichtigt geblieben waren.

Im aktuellen Fall sind bisherigen Schätzungen zufolge, etwa 3,4 Tonnen radioaktives Wasser aus den Betonbarrieren um die Regenwassertanks gelangt. Das eingelagerte Regenwasser ist über den Sicherheitswert zur Freisetzung in die Umwelt belastet. Man entnehme weiterhin Erdproben, um weitere Einschätzungen vornehmen zu können.

Ölaustritt bei Fahrzeugbetankung: Am heutigen Freitag wurde gegen 8:30 Uhr ein Treibstoffleck an einer Leitung entdeckt, die zur Betankung eines Fahrzeugs genutzt wurde. Nach dem Abschalten des Fahrzeugmotors stoppte der Ölaustritt. Das ausgetretene Öl verteilte sich auf einer Fläche von 1 3 x Metern auf dem Betonboden. Eine Neutralisierungssubstanz wurde ausgebracht und die Feuerwehr informiert.

Fukushima-Arbeiter mit gesundheitlichen Problemen abtransportiert: Während einer Arbeitspause gegen 11:00 Uhr klagte der Angestellte eines Partnerunternehmens, der zuvor mit Reinigungsarbeiten beschäftigt war, über seine schlechte gesundheitliche Verfassung.

Nach einer ersten Versorgung vor Ort wurde um 11:51 Uhr der Krankenwagen angefordert. Gegen 13:26 Uhr folgte die Fahrt zur Feuerwehrwache Tomioka. Am Körper des Arbeiters wurde keine radioaktive Kontamination festgestellt. Bereits zuvor war die Aufforderung erfolgt, die Kraftwerksarbeiter in ihrer Schutzkleidung vor Hitzefolgen zu schützen.

Dekontaminationsbehälter in Minamisoma vorgestellt: Am gestrigen Donnerstag wurde in Minamisoma (Bezirk Haramachi), eine Demonstration flexibler Behälter für kontaminiertes Erdreich durchgeführt. Von Bedeutung ist dabei der Innenbeutel des Behälters, der Material zur Adsorption radioaktiven Materials enthält.

Der Behälter ist das Ergebnis der Arbeit einer landesweiten Studiengruppe aus Universitätsprofessoren und Unternehmen, die sich mit dem Thema der Dekontaminationsmöglichkeiten befasst

Die bisherige Sammlung von radioaktiv kontaminiertem Erdreich in Plastiksäcken und ähnlichen Behältnissen, bringt das Risiko mit sich, dass Schäden zur Freisetzung von belastetem Material führen können. Durch den Innenbeutel mit Zeolith und Preussischblau soll insbesondere radioaktives Cäsium gebunden werden.

Die Wasserdurchlässigkeit zieht dabei nicht nur das Cäsium aus dem feuchten Erdreich und Laub, sondern reduziert auf diese Weise auch den Wassergehalt des Materials, was sich beispielsweise auf eine künftige Verbrennung positiv auswirken würde.

Nach dem Willen der Entwickler sollen die Behälter so bald wie möglich kommerziell genutzt werden. Über die Entwicklung berichteten Präfekturmedien.

Ex-Premier Kan für Veröffentlichung der Fukushima-Protokolle: Nachdem  Gesprächsprotokolle des Fukushima-Untersuchungsausschusses von der Asahi Shimbun als Grundlage einer Artikelserie genutzt worden waren, mehren sich die Forderungen nach einer vollständigen Offenlegung durch die Regierung.

Japans Ex-Premier Naoto Kan im November 2011 (Foto: Gobierno de Chile cc-by)
Ex-Premier Kan befürwortet Veröffentlichung von Fukushima-Protokollen (Foto: Gobierno de Chile cc-by)

Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga, signalisierte bereits entsprechende Bereitschaft und erklärte, man müsse jedoch erst die Meinung der Personen einholen, die neben dem verstorbenen Kraftwerksleiter Masao Yoshida ebenfalls befragt worden waren.

Naoto Kan, der zum Zeitpunkt der Fukushima-Krise Premierminister war, befürwortet die Offenlegung der Dokumente und erklärte, die damaligen Befragungen müssten in größtmöglichem Maße veröffentlicht werden, es sei denn, die gegenwärtige Regierung lege es auf eine willkürliche Handhabung der Angelegenheit an.

Nach einer Anfrage der Asahi Shimbun bei 72 Politkern, erklärten 11 von ihnen, durch den Untersuchungsausschuss befragt worden zu sein. Insgesamt zehn dieser Politiker stimmten einer Veröffentlichung vorbehaltslos, oder mit Bedingungen zu.

Seinerzeit waren insgesamt 772 Personen Teil der Untersuchung.

Krisenminister Goshi Hosono am 15. April 2011 (Foto: TEPCO)
Krisenminister Goshi Hosono am 15. April 2011 (Foto: TEPCO)

Führende Personen während der Fukushima-Krise, wie der frühere Chefkabinettssekretär Yukio Edano und die Sonderberater des damaligen Premiers – Gosho Hosono und Manabu Terata, befürworten die Veröffentlichung, oder zeigten sich zumindest einverstanden.

Motohisa Ikeda, zu diesem Zeitpunkt stellvertender Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie, damals für die externe Notfallkoordination der Regierung verantwortlich, lehnte eine Antwort auf die Anfrage ab.

Die Befragungen waren zwar hinter geschlossenen Türen erfolgt, jedoch eine Veröffentlichung bei gemeinsamem Einverständnis vorgesehen – erst die Folgeregierungen habe den Zugang zu den Dokumenten für die Allgemeinheit abgelehnt und die Namen der befragten Personen vertraulich gehandhabt, berichtet die Asahi Shimbun.

 

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