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Fukushima aktuell: Technischer Defekt unterbricht Schutzmantelarbeiten

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Artikelbild - Fukushima-Reaktor 1: Kraneinsatz bei Dachpaneelentfernung am 10. November 2014 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Kraneinsatz bei Dacharbeiten am 10. November 2014 (Foto: TEPCO)

Die in Fukushima heute geplanten Arbeiten werden durch einen Zwischenfall behindert und dennoch bleibt das Thema in Japan aktuell, befassen sich doch die Fukushima News auch mit weiteren Gesprächsprotokollen und möglichen gesundheitlichen Folgen. Weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. November 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • Schutzmantelarbeiten wegen Kranproblemen unterbrochen
  • Fukushima-Protokolle eines NISA-Mitarbeiters
  • Diskussion zur möglichen Überdiagnose von Schilddrüsenkrebs
  • Einspruch gegen Einwilligung zum AKW-Neustart vorgelegt

Schutzmantelarbeiten wegen Kranproblemen unterbrochen: Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO am heutigen Donnerstag meldete, musste der Einsatz des Krans an Reaktor 1 bereits gestern unterbrochen werden.

Der Kran wird unter anderem zum Einsprühen von chemischen Bindemitteln durch den Schutzmantel eingesetzt, um das Aufwirbeln von radioaktivem Material während künftiger Arbeiten zu verhindern.

Ursache für den ungeplanten Stopp ist offenbar ein Ölleck an einer der Leitungen für den Kran, das von Angestellten eines Partnerunternehmens entdeckt worden war.

Da Kontrolle und Austausch der Leitungen jedoch Zeit in Anspruch nehmen wird, sollen die Hauptarbeiten mit dem Gerät erst in einigen Tagen fortgesetzt werden. Über den Zwischenfall berichteten Präfekturmedien.

Fukushima-Protokolle eines NISA-Mitarbeiters: Nach der Veröffentlichung der ersten Yoshida-Papiere, gab die Regierung gestern weitere Protokolle zur Fukushima-Krise frei. Tatsächlich geben die Gesprächsprotokolle der Befragungen durch die Fukushima-Untersuchungskommission Einblick in die Entwicklungen im Verlauf der Katastrophe.

Tetsuya Yamamoto, ehemals Verantwortlicher für Sicherheitskontrollen bei der mittlerweile durch die Atomaufsicht NRA abgelösten Behörde NISA, gehört zu jenen Personen, die einer Veröffentlichung seiner Befragungsprotokolle zustimmten. Yamamoto erklärte, sein größtes Bedauern gelte dem Umstand, dass die NISA im Voraus keine Maßnahmen zum Schutz vor einem völligen Stromausfall veranlasst hatte, obwohl diesbezüglich Maßnahmen hätte getroffen werden können.

Sowohl seine Behörde als auch der Kraftwerksbetreiber TEPCO, hätten auf einen Komplettausfall der Elektrizitätsversorgung vorbereitet sein müssen, da dieses Ereignis sogar in den Katastrophengesetzen als mögliche Folge eines schweren Unfalls genannt wird.

Seiner Einschätzung nach sei das Fehlen jeder Maßnahmen zur Bewältigung eines Stromausfalls für die Reaktorkühlung die Hauptursache für die Kernschmelzen vom März 2011. Hätte es mobile Generatoren auf Fahrzeugen an einem sicheren Standort gegeben, wäre das Schlimmste vermutlich verhindert worden, so Yamamoto.

Neben den bereits bekannt gewordenen Aussagen von Manabu Terata, damals Berater im Büro des Premierministers und den Worten von Tetsuya Yamamoto, folgen weitere Gesprächsprotokolle, etwa der Befragung des früheren NISA-Sprechers Hidehiko Nishiyama. Hierüber berichtete die jiji.

Diskussion zur möglichen Überdiagnose von Schilddrüsenkrebs: Bei seinem bislang vierten Treffen diskutierte der Untersuchungsausschuss für Schilddrüsenuntersuchungen bei Einwohnern der Präfektur Fukushima, die zum Zeitpunkt der Katastrophe unter 18 Jahre alt waren, mögliche Diagnoseprobleme.

Dabei geht es um so genannte „Überdiagnosen“ – Fälle, in denen die Kontrollen zwar reale Probleme aufzeigen, die jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals gesundheitliche Auswirkungen haben werden und ohne die gezielte Untersuchung gar nicht entdeckt worden wären.

Derartige Überdiagnosen sind ein bekannter Effekt bei der Durchführung von Kontrollen im Frühstadium von Erkrankungen.

Nun sollen die Diagnosemethoden geprüft und ein gemeinsamer  Bericht zusammengestellt werden. Das langsame Fortschreiten von Schilddrüsenkrebs und die daher erforderlichen wiederkehrenden Tests, würden für die Patienten und ihre Angehörigen sowohl eine körperliche als auch emotionale Belastung darstellen, zumal in einzelnen Fällen mit Überdiagnosen gerechnet werden müsse.

Mit Stand vom August sind bislang 57 Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Kindern bestätigt worden. Über die aktuelle Diskussion berichteten Präfekturmedien.

Einspruch gegen Einwilligung zum AKW-Neustart vorgelegt: Nachdem Japans Atomaufsichtsbehörde NRA im September die Einhaltung der verschärften Sicherheitsrichtlinien am AKW Sendai (Präf. Kagoshima) bestätigt und damit den Weg für einen Neustart praktisch freigegeben hatte, wurde nun eine Beschwerde eingereicht.

Nun reichten etwa 1.400 Personen aus ganz Japan, darunter auch Einwohner aus Gebieten in der Nähe des Kernkraftwerks einen Einspruch gegen die Reaktorneustarts ein. Die NRA nahm den Einspruch offiziell entgegen.

Die Protestler argumentieren, die Anlage sei nicht ausreichend auf massive Großbeben vorbereitet und die Evakuierungspläne nicht hinreichend geprüft. Nach Angaben der Atomaufsicht werde man den Bürgern die Möglichkeit bieten, ihre Bedenken öffentlich zu äußern und die Inhalte des Einspruchs prüfen.

Bei der Anlage wird es sich voraussichtlich um das erste Kernkraftwerk der insgesamt 54 Anlagen des Landes handeln, das seine Reaktoren wieder hochfahren kann und ans Netz gehen wird. Ein Neustart wird nach der Durchsicht von Dokumenten und der Prüfung neuer Geräte bereits für kommendes Jahr erwartet.

Über die Proteste gegen die Bestätigung der Neustart-Sicherheit berichtete die NHK.

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