Start Aktuelles Fukushima aktuell: Technologiesuche und Strahlungsanstiege beschäftigen TEPCO

Fukushima aktuell: Technologiesuche und Strahlungsanstiege beschäftigen TEPCO

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Artikelbild: TEPCO-Slogan
Der Lack ist ab: TEPCO kämpft mit vielen Problemen (Foto: Copyright by tokyoremix.com)

Die Suche nach Technologie zur Bewältigung der Krise und der Strahlungsanstieg sind nur zwei der Themen, die im Zusammenhang mit dem Kernkraftwerk Fukushima heute bekannt wurden. Weitere Meldungen befassen sich mit dem Betrieb anderer Anlagen, der Auswirkung der AKW-Katastrophe auf Evakuierte, sowie der Geheimhaltung von Informationen.

Alle Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 17. Dezember 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Strahlungsanstieg an weiterem Messposten
  • Technologie zur Reaktorräumung gesucht
  • Mehr Todesopfer durch Evakuierung als durch Tohoku-Naturkatastrophen
  • Betrieb der Anlage in Rokkasho für 2014 geplant
  • Behörde verschwieg bereits vor 3/11 AKW-Informationen

Strahlungsanstieg an weiterem Messposten: Am gestrigen Montag kam es an einem der Grundwassermessposten zu einem neuen Höchstwert für diesen Standort.

In den gestern entnommenen Wasserproben wurden Betastrahler mit einem Wert von 63.000 Becquerel pro Liter nachgewiesen. Der bisherige dort nachgewiesene Wert betrug 67 Becquerel pro Liter.

Der Grundwasserkontrollpunkt befindet sich östlich von Reaktor 1 und etwa fünf Meter von der Küste entfernt. Nach Angaben von TEPCO kam es in einem nahe gelegenen Messposten zu keiner nennenswerten Änderung der Messwerte. Das berichtet die jiji.

AKW Fukushima: Grundwasser-Kontrollpunkt am 9. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Grundwasser-Kontrollpunkt am 9. Juli 2013 (Foto: TEPCO)

Der Grenzwert für die Verklappung von radioaktiv kontaminiertem Wasser liegt für Strontium-90 bei weniger als zehn Becquerel pro Liter.

Die neuen Strahlungswerte sind ein weiteres Zeichen dafür, wie dringend das Grundwasserproblem einer Lösung bedarf – auch wenn TEPCO derartige Meldungen als positives Zeichen für die chemische Bodenaushärtung sieht, die so ihre Effektivität zeige.

Technologie zur Reaktorräumung gesucht: Japans Kerntechniker suchen nach technischen Möglichkeiten, geschmolzene Brennelemente aus den Reaktoren der Anlage bergen zu können. Das ist das Ergebnis eines Treffens von 130 Mitgliedern des Internationalen Forschungsinstituts für Stillegung von Atomanlagen (IRID) am heutigen Dienstag.

Die Entfernung von Brennelementen aus den Reaktoren soll frühestens 2020 beginnen und ist einer der wichtigsten Schritte im Stilllegungsprozess für den 30 bis 40 Jahre eingeplant sind. Grundlage  zur Bergung des Materials ist die Auffüllung der Sicherheitsbehälter mit Wasser um die Strahlungsbelastung der Kraftwerksarbeiter auf ein Minimum zu beschränken.

Voraussetzung für derartige Arbeiten ist jedoch die geeignete Technologie. Diese müsse beispielsweise den Zustand der geschmolzenen Brennelemente in Reaktoren und Sicherheitsbehältern bestimmen können. Auch die Bergung des Materials durch ferngesteuerte Anlage bedürfe entsprechender technologischer Mittel.

Aus diesem Grund wenden sich die Experten nun sowohl an japanische, als auch internationale Stellen, um geeignete Technologien ermitteln zu können. Auch Anwendungen, die eigentlich nicht für die Nutzung in der Kerntechnik vorgesehen sind, könnten von Interesse sein, erklärte die Leitung des IRID. Das berichtet die NHK.

Mehr Todesopfer durch Evakuierung als durch Tohoku-Naturkatastrophen: Wie aus Daten der Präfekturverwaltung hervorgeht, starben dort 1.605 Personen an den Folgen der Evakuierung, aufgrund der Katastrophe am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi und weitere 1.603 unmittelbar aufgrund der Naturkatastrophe vom 11- März 2011 (Stand 30. November 2013).

Übergangshaussiedlung (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Eine Übergangshaussiedlung (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Damit starben mehr Personen aus der Präfektur an mangelnder medizinischer Versorgung nach der Flucht, oder nahmen sich wegen psychischer Probleme das Leben, als durch Erdbeben und Tsunami. Allerdings gibt es keine klare Definition für „Todesfälle mit Katastrophenbezug“ und Daten werden immer noch gesammelt, so dass die tatsächliche Zahl noch höher liegen könnte.

Die Anerkennung eines Sterbefalls als Folge der Katastrophe ist für Entschädigungsansprüche von Angehörigen von Bedeutung. Tatsächlich könnte die Zuordnung um so schwerer werden, je länger die Evakuierungsphase andauert, da in diesem Zeitraum auch andere Faktoren zur Verschlechterung der Gesundheit, wie etwa Vorerkrankungen, auftreten können.

Das bisherige Vorgehen besteht darin, nach Einzelfällen vorzugehen und die Umstände vom Beginn der Evakuierung, bis zum Todesfall zu untersuchen, um anhand von Entfernung des einstigen Wohnorts, Länge der Evakuierung und anderen Faktoren eine Einschätzung durchzuführen.

In den benachbarten Katastrophenpräfekturen Miyagi und Iwate liegt die Zahl dieser indirekten Todesfälle Ende November bei 878 bzw. 428 Personen. Über diese Daten berichteten Mainichi Shimbun und Yomiuri Shimbun.

Betrieb der Anlage in Rokkasho für 2014 geplant: Japan Nuclear Fuel Ltd, (JNFL) Betreiber der Wiederaufarbeitungsanlage Rokkasho (Präf. Aomori) hofft, die Anlage bis kommenden Oktober endgültig in Betrieb nehmen zu können. Noch führt das Unternehmen dort lediglich einen Testlauf durch.

Am Donnerstag soll ein Treffen mit Präfekturvertretern erfolgen. Dort will der Betreiber deutlich machen, dass auch die ab Mittwoch geltenden neuen Sicherheitsstandards der Atomaufsicht NRA eingehalten werden. JNFL erklärte bereits, man gehe nicht davon aus, dass größere Anpassungen erforderlich sein werden und sieht auch Prüfungen optimistisch entgegen.

Bei dem Treffen am Donnerstag wird es im Wesentlichen darum gehen, sowohl von der Präfekturleitung, als auch den Verantwortlichen der Ortschaft Rokkasho eine Zustimmung für die Pläne zu erhalten. Anschließend will der Anlagenbetreiber die für einen Start notwendige Sicherheitsprüfung durch die NRA beantragen, berichtet die NHK.

Behörde verschwieg bereits vor 3/11 AKW-Informationen: Die internationale Besorgnis, Japans neues Geheimhaltungsgesetz könnte genutzt werden um kritische Informationen über die Sicherheit von Kernkraftwerken unter Verschluss zu halten, wird nachvollziehbarer wenn man jetzt hört, das ähnliches bereits geschehen ist.

Japans Premierminister Shinzo Abe im Juli 2013 (Foto: pd)
Verschleierung in der Regierung bereits vor Geheimhaltungsgesetz von Premierminister Shinzo Abe (Foto: pd)

Experten der früheren Atomaufsicht NISA erhielten im Jahr 2008 mehrfach Informationen von den USA über die Katastrophenpläne, mit denen die Amerikaner auf einen kompletten Stromausfall eines AKW durch einen terroristischen Angriff reagieren würden.

Die NISA beschränkte den Zugriff auf diese vertraulichen Katastrophenpläne, die unter dem Namen B.5.b liefen, auf wenige Verantwortliche. Selbst die Japanische Atomenergiekommission, die für die Terrorabwehr an Kernkrafwerken verantwortlich ist, erhielt keine Informationen aus diesen Plänen.

Ein Teil der B.5.b befasst sich mit den Vorbereitungen für einen völligen Stromausfall – etwa die Ausarbeitung von Richtlinien für Betreiberfirmen und die Möglichkeit einer manuellen Bedienung von Entlüftungsmaßnahmen und Kühlsystemen, sowie die Bereitstellung von transportablen Batterien.

Atomexperten sind der Ansicht, dass die Umsetzung und Preisgabe der Inhalte des Dokuments an Behörden und Kraftwerksbetreiber, die Handhabung der Fukushima-Krise deutlich erleichtert hätte. Der parlamentarische Fukushima-Untersuchungsausschuss kam in einem Bericht vom Juni 2012 sogar zu dem Schluss, die Katastrophe hätte durch Weitergabe von B.5.b verhindert weden können.

Auch Kraftwerksbetreiber TEPCO kommt in seinem eigenen Bericht zu dem Schluss, zumindest sei eine Verzögerung der Entwicklung möglich gewesen, wenn man die US-Informationen gehabt hätte. Die Geheimhaltung der Dokumente wurde von den USA nach der Katastrophe aufgehoben und die wichtigsten Punkte im Juni 2011 veröffentlicht.

Über die Folgen der Geheimhaltung der Dokumente berichtete die Asahi Shimbun. Kritiker des neuen Geheimhaltungsgesetzes sehen durch die ungenauen Formulierungen, die es der Regierung erlaubten, praktisch willkürlich Inhalte als vertraulich zu klassifizieren, sowohl die Pressefreiheit, als auch die Sicherheit von Kernkraftwerken bedroht.

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