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Fukushima aktuell: TEPCO-Arbeiter sollen olympischen Sportlern weichen

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Artikelbild: Zugangssperre am J-Village (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Zugangssperre am J-Village in Naraha (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)

Nachdem TEPCO am Wochenende den Bau von zwei Kohlekraftwerken in der Präfektur angekündigt hatte, scheint es so, als würde beim Unternehmen tatsächlich eine Vorwärtsbewegung einsetzen. Doch auch die Pläne zur Verlegung von Kraftwerksarbeitern können nicht über Lecks und Ausfälle hinwegtäuschen, die am AKW Fukushima heute weiterhin Thema sind.

Einzelheiten der Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 25. November 2013.

Unsere Themen zu Wochenbeginn:

  • Olympia 2020 führt zur Verlegung der Fukushima-Arbeiter
  • Ölleck an schwerem Räumgerät
  • Teilausfall der Stickstoffeinspeisung
  • Weitere Brennelemente-Bergung möglicherweise Dienstag
  • Nur ein Bruchteil der Evakuierten plant Rückkehr
  • IAEA beginnt Beobachtermission am AKW Fukushima
  • Einblick in neues Krankenhaus in Präfektur Fukushima

Olympia 2020 führt zur Verlegung der Fukushima-Arbeiter: Die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo werfen nun bereits ihre Schatten voraus und zwingen die Kraftwerksarbeiter am AKW Fukushima Daiichi langfristig zu einem Umzug. Seit Beginn der Katastrophe waren die Arbeitskräfte im so genannten „J-Village“ untergebracht.

J-Village Hinweisschild (Foto: Coypright by Andreas Teichert DTRG e.V.)
J-Village Hinweisschild (Foto: Coypright by Andreas Teichert DTRG e.V.)

Ursprünglich handelt es sich bei der 1997 gebauten Anlage um die größte Sportanlage Japans, auf der auch die Nationalmannschaft des Landes trainierte.

Mit Ausbruch der Krise am Kraftwerk im März 2011 wurde das Gelände geräumt. Das J-Village befindet sich auf dem Gebiet der Gemeinden Hirono und Futaba und ist daher nur 20 Kilometer vom AKW entfernt.

Durch die Krise am Atomkraftwerk kam es zur Absperrung des gesamten Areals, der Zutritt ist nach wie vor nur nach Sicherheitskontrollen möglich.

J-Village: Stadion in Hirono (Foto: pd)
J-Village: Stadion in Hirono (Foto: pd)

Nun sollen die Sportstätten bis 2018 von der Belegschaft verlassen werden und die Sportanlagen, die zum großen Teil von TEPCO finanziert wurden, wieder ihrem ursprünglichen Verwendungszweck zugeführt werden.

Das berichten Kyodo und jiji am heutigen Montag unter Berufung auf Quellen innerhalb des Unternehmens.

Neben einem Fußballstadion und zwölf weiteren Fußballplätzen finden sich dort sowohl Einrichtungen für weitere Ballsportarten wie Basketball, Volleyball und Tennis, als auch ein beheiztes Schwimmbad und ein Hotel.

Diese Einrichtungen sollen nach Willen der Präfekturverwaltung, des japanischen Fußballbunds und des Kraftwerksbetreibers pünktlich zu den Olympischen Spielen in Tokyo als Unterkunft für Fußball-Nationalmannschaften dienen.

Die Olympioniken könnten nach einer Dekontamination die Anlage wie geplant nutzen. Wohin die Arbeiter verlegt werden, ist bislang noch unklar.

Ölleck an schwerem Räumgerät: Am heutigen Montag entdeckte der Angestellte eines Partnerunternehmens den Austritt von Öl am Arm des ferngesteuerten Räumgeräts  ASTTACO-SoRa, das zur Entfernung von Trümmern in Reaktorgebäude 3 eingesetzt wird.

Daraufhin wurden die Arbeiten eingestellt, so dass auch der Ölaustritt stoppte. Gegenwärtig untersuche man die Umstände des Lecks.

Teilausfall der Stickstoffeinspeisung: Kraftwerksbetreiber TEPCO teilte am Samstag mit, dass es am selben Tag um 15:57 Uhr zu einem teilweisen Ausfall der Stickstoffeinspeisung in die Reaktoren 1 bis 3 kam. Zu diesem Zeitpunkt waren zwei der drei Einheiten zur Gasabscheidung aktiv.

Ein Alarm habe auf Spannungsprobleme an Einheit A hingewiesen, diese habe dann den Betrieb eingestellt. Einheit B lief wie vorgesehen weiter. Gegen 17:03 Uhr ging dann Einheit C aus dem Standby in Betrieb, so dass um 17:12 Uhr die Einheiten B und C problemlos liefen..

Es habe trotz des Zwischenfalls keine Änderungen in der Wasserstoffkonzentration, oder der Temperatur im Sicherheitsbehälter gegeben. Man untersuche nun die Umstände des Alarms.

Weitere Brennelemente-Bergung möglicherweise Dienstag: TEPCO hatte, nachdem im Verlauf der vergangenen Woche die ersten 22 Brennelemente erfolgreich aus dem Becken geborgen werden konnten, eine Prüfung des Vorgangs durchzuführen, um im weiteren Verlauf sowohl effektiver, als auch sicherer vorgehen zu können.

Neue Bergungsmaßnahmen sollen daher frühestens am morgigen Dienstag beginnen, berichteten Kyodo und NHK. Nachdem sich Sand und Schwebeteilchen im Lagerbecken negativ auf die Sicht ausgewirkt hätten, wolle man zunächst durch Pumparbeiten eine Klärung des Wassers erreichen.

Nur ein Bruchteil der Evakuierten aus Minamisoma plant Rückkehr: Eine im August und September durchgeführte Befragung von 5.677 Haushalten, die ursprünglich in der heutigen Evakuierungszone von Minamisoma ansässig waren, kommt zu dem Schluss, dass nur ein Drittel dieser Personen die Absicht haben, wieder zurückzukehren, selbst wenn die Evakuierungen jetzt aufgehoben würden.

Übergangshaussiedlung (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Eine Übergangshaussiedlung (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Insgesamt 3.543 (62 Prozent) der befragten Haushalte gaben eine Antwort.

Die Umfrage geht auf eine Zusammenarbeit zwischen der Behörde für Wiederaufbau und der Stadtverwaltung Minamisoma zurück. Die Ergebnisse sollen in einen Rückkehrplan für evakuierte Bürger einfliessen.

Insgesamt 26 Prozent lehnten eine Rückkehr kategorisch ab. Weitere 29 Prozent sind Befürworter einer Rückkehr und 44 Prozent bezeichneten sich als unentschlossen.

Als Bedingungen für eine Entscheidungsfindung nannte die Gruppe der unentschlossenen mehr Informationen, wie viel Dekontaminationsarbeiten bereits durchgeführt wurden und wann die Strahlungswerte sinken.

Auch Informationen über Infrastruktur wie Krankenhäuser, Schulen und Wiedereröffnung von Geschäften wurden von den Unschlüssigen als Kriterien genannt. Über die Umfrage berichtete die NHK.

IAEA beginnt Beobachtermission am AKW Fukushima: Wie geplant begann am heutigen Montag ein Team der Internationalen Atomenergiebehörde unter Leitung von Juan Carlos Lentijo mit der Arbeit in Japan.

Atomsymbol
AKW Fukushima: IAEA-Experten auf erneuter Mission (Grafik: pd)

Zuvor war angekündigt worden, die 19 Experten würden sowohl Gespräche in Tokyo führen, als auch auf der Anlage tätig werden (Spreadnews berichtete am 20. November 2013). Die Mission läuft bis Mittwoch kommender Woche.

Nach Ansicht von Lentijo sind sowohl die Bergung der Brennelemente, als auch die Lösung des Problems radioaktiver Abwässer von besonderer Bedeutung.

Nach der Einholung von Informationen ist für Mittwoch der Besuch der Kraftwerksanlage geplant. Ein abschließender Bericht mit Empfehlungen wird dann der japanischen Regierung vorgelegt. Hierüber berichteten Kyodo und NHK.

Einblick in neues Krankenhaus in Präfektur Fukushima: Am gestrigen Sonntag konnten sich 500 geladene Besucher einen ersten Eindruck vom neuen Krankenhaus in Sukagawa (Präf. Fukushima) verschaffen. Die im April vergangenen Jahres begonnenen Arbeiten waren Ende Oktober abgeschlossen worden.

Bei der Ausstattung des vierstöckigen Gebäudes mit 21.612 Quadratmetern wurde nicht nur auf die Ausstattung mit modernstem medizinischen Gerät besonders Wert gelegt, sondern auch die Erfahrungen und Erkenntnisse aus den Folgen des Tohoku-Erdbebens flossen in den Neubau der Klinik ein.

So wurden sowohl bessere Katastrophenschutzmaßnahmen, als auch eine verbesserte Notstromversorgung integriert. Die offizielle Eröffnung ist nach Angaben einer Lokalzeitung für den zweiten Dezember angesetzt.

1 KOMMENTAR

  1. Ich glaube kaum, daß auch nur irgendeine olympische Fußballmannschaft bei einer Entfernung von 20 Kilometern zum havarierten Atomkraftwerk diese Anlagen nutzen möchte.

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