Start Aktuelles Fukushima aktuell: TEPCO beschließt das Aus für AKW Fukushima Daini

Fukushima aktuell: TEPCO beschließt das Aus für AKW Fukushima Daini

Stilllegung des zweiten TEPCO-AKW in der Prräfektur Fukushima geplant

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Artikelbild: Fukushima Daini (Foto: TEPCO)
Stilllegung des AKW Fukushima Daini praktisch beschlossen (Foto: Copyright by TEPCO)

TEPCO kündigte für sein zweites AKW in Fukushima heute praktisch das „Aus“ an und könnte mit dieser Entscheidung eine ganze Reihe jahrelanger Diskussionen beenden.

Allerdings zeigen die Fukushima News auch, dass dies nicht unbedingt auf den idealistischen Einsatz von Atomkraftgegnern zurückzuführen ist. Die Hintergründe gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 14. Juni 2018.

TEPCO will AKW Fukushima Daini stilllegen

Überraschend gab der Präsident des Elektrizitätsunternehmens TEPCO, Tomoaki Kobayakawa am heutigen Donnerstag dem Gouverneur der Präfektur Fukushima, Masao Uchibori, die Pläne zur Stilllegung des zweiten AKW in der Präfektur bekannt.

Als Grund für die Entscheidung nannte Kobayakawa den Rufschaden, den die Präfektur durch die Anlage aufgrund von negativen Gerüchten erleide. Diese Situation behindere die Wiederbelebung der Region.

Das Kernkraftwerk Fukushima Daini (Fukushima 2), auch bekannt als „F2“ liegt 12 Kilometer südlich des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi (F1) entfernt und blieb, anders als die erste Anlage, vom Schicksal der Kernschmelze verschont.

Seitdem stehen die Reaktoren am F2 still.

Über die Zukunft des zweiten TEPCO-AKW war lange gestritten worden – zwischenzeitlich hatte man sogar die Möglichkeit eines Neustarts von Fukushima Daini in Erwägung gezogen und jahrelang wurde immer wieder die Forderung nach einer Stilllegung gestellt.

Zuletzte hatten alle Gemeindeversammlungen und die Präfekturverwaltung entsprechende Anträge vorgebracht. TEPCO entzog sich bislang stets einer definitiven Aussage und verwies unter anderem auf die Energiepolitik der Regierung in Tokyo.

Kobayakawa erklärte, nach einer Sitzung der Unternehmensführung habe er die übrigen Verantwortlichen von der Richtigkeit der Stilllegung überzeugen können. Nun sollen Gespräche über das genaue Vorgehen folgen.

Finanzielle Motivation

Die Entscheidung dürfte aber nicht allein aufgrund sozialer Bedenken gefallen sein, sondern vielmehr wirtschaftliche Gründe haben. Die Reaktoren der Anlage nähern sich der zulässigen Betriebsdauer von 40 Jahren.

Allein um die Reaktoren wieder in einen betriebsfähigen Zustand zu versetzen wären etwa 140 Milliarden Yen erforderlich. Zusätzliche Milliardenkosten würde die Modernisierung der Anlage nach den verschärften Sicherheitsrichtlinien verursachen.

Somit ist eine rein ökonomische Entscheidung ebenfalls wahrscheinlich. Über die Bekanntgabe der geplanten Stilllegung berichteten praktisch alle japanischen Medien, darunter Asahi Shimbun, jiji, NHK und Präfekturmedien.

Hintergrund

Auch wenn der Tsunami dort keine Kernschmelze zur Folge hatte, mussten in der Vergangenheit nicht nur bauliche Schäden behoben werden. So löste im Juli 2013 eine Ratte in einem Verteilerkasten einen Alarm aus.

Im März 2013 kam es zum Ausfall der Datenübertragung an ein System zur Reaktor-Überwachung, bevor im März 2015 der Transfer aller Brennelemente gemeldet werden konnte (Spreadnews berichtete jeweils).

Aufnahmen von Gebäuden des AKW Fukushima Daini hatten zudem bei Verschwörungstheoretikern zeitweise Verwirrung hervorgerufen, da sie den „guten Zustand“ nach Kernschmelzen für unmöglich hielten – sie verwechselten beide AKW.