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Fukushima aktuell: TEPCO droht Gerichtsverfahren

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Artikelbild - Symbol für Justiz und Gerechtigkeit (Grafik: pd)
Sammelklage: Zweiter Schuldspruch gegen Regierung und TEPCO (Grafik: pd)

Nach Klagedrohungen mit schwieriger Belegbarkeit, etwa über die Strahlungsfolgen der Katastrophe, sieht sich der Betreiber des AKW Fukushima heute mit konkreteren Vorwürfen konfrontiert.

Wie aus den aktuellen Fukushima News hervorgeht, erhält aber auch die Regierung in Japan aktuell juristischen Druck zu den Folgen der AKW-Krise.

Diese und weitere Meldungen, etwa zu den Neustartaussichten eines weiteren Reaktors, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 2. Oktober 2015.

Unsere heutigen Themen zum Wochenende:

  • Klage gegen TEPCO an Staatsanwaltschaft weitergereicht
  • Rechtsanwälte fordern mehr staatliche Unterstützung für Fukushima-Betroffene
  • Psychische Folgen der Fukushima-Krise untersucht
  • Neustarttermin für zweiten Sendai-Reaktor angekündigt

Klage gegen TEPCO an Staatsanwaltschaft weitergereicht: Die Präfekturpolizei Fukushima reichte eine Klage gegen Manager des Elektrizititätskonzerns TEPCO an die Staatsanwaltschaft weiter.

Statue der Justitia (Foto: pd)
TEPCO droht Anklage wegen radioaktiver Abwässer (Foto: pd)

Die Staatsanwaltschaft wird prüfen, ob der vor zwei Jahren eingereichten Klage stattgegeben wird.

Die Kläger machen das Unternehmen und insbesondere 32 frühere und gegenwärtige Mitglieder der Führung für den Austritt von radioaktiv kontaminiertem Wasser ins offene Meer verantwortlich.

Die Beklagten hätten die Aufforderung der Regierung zu besseren Schutzmaßnahmen nicht zeitnah umgesetzt, sondern diese durch Vorschieben von Kostengründen und anderen Vorwänden verzögert.

Auch die Verwendung unsicherer Lagertanks, die zum Großleck von 300 Tonnen radioaktiven Wassers geführt hatten und die verspätete Entdeckung durch schlampige Kontrollen werden TEPCO angelastet.

Dieses Vorgehen stelle ein Verstoß gegen gesetzliche Regelungen zum Umweltschutz dar und begründe die Klage.

Die Polizei teilte mit, man habe Beschäftigte des Kraftwerksbetreibers befragt und Material gesichtet, bevor man die Angelegenheit weiterleitete. Das Unternehmen wollte sich nicht näher zum Sachverhalt äußern.

Die Klägergruppe ist für Polizei und TEPCO keineswegs unbekannt, hatte die gleiche Gruppe doch bereits eine Fahrlässigkeitsklage eingereicht. Über die juristischen Entwicklungen berichteten Mainichi Shimbun und NHK.

Rechtsanwälte fordern mehr staatliche Unterstützung für Fukushima-Betroffene: Anlässlich ihrer jährlichen Menschenrechtskonferenz stelle die Japanische Vereinigung der Rechtsanwaltskammern eine Reihe von Forderungen an die Regierung des Landes.

Der Staat müsse Menschen, die aus verstrahlten Gebieten evakuiert wurden, regelmäßige medizinische Kontrollen kostenlos ermöglichen und die Ergebnisse unter Berücksichtigung des Datenschutzes veröffentlichen.

Dies ermögliche Experten die Beurteilung der langfristigen Folgen geringer Strahlungsbelastung und den Entwurf von künftigen Gegenmaßnahmen, so die Juristen. Über die Forderungen berichtete die Kyodo.

Psychische Folgen der Fukushima-Krise untersucht: Eine erste Zusammenfassung der psychischen Verfassung von Müttern und Kindern nach der Fukushima-Katastrophe wurde bereits vorab bekannt. Jetzt gibt es Einzelheiten.

So sei der Stresspegel seit der Katastrophe im März 2011 zwar zunächst kontinuierlich gefallen, stagniere jedoch seit vergangenem Jahr.

Die Werte liegen in der Präfektur deutlich über dem Wert einer 609 Personen umfassenden Mutter-Kind-Kontrollgruppe der Präfekturen Hyogo und Kagoshima.

Die alltäglichen Vorsichtsmaßnahmen gegen die weiterhin erhöhten Strahlungswerte führten dazu, dass die Belastung weiterhin im Bewusstsein bliebe. Dies verhindere ein weiteres Sinken des Stresspegels.

An der jüngsten Untersuchung nahmen erstmals auch 103 Mütter und Kinder aus Evakuierungsgebieten und Einwohner von Soma und Iwaki teil.

Auch Personen aus dem angrenzenden Teil der Präfektur Miyagi wurden einbezogen.

Die 4.733 gültigen Antworten auf 19 Testfragen wurden anhand einer Punkteskala von null bis drei ausgewertet und nach.

Bei evakuierten Kindern aus Sperrgebietsgemeinden in den ersten Grundschulklassen lag der durchschnittliche Stresspegel bei 1,06. Bei Kindern in höheren Klassen betrug er 0,98.

Bei evakuierten Müttern aus Sperrgebietsgemeinden mit Kindern in den ersten Grundschulklassen wurde ein durchschnittlicher Stresslevel von 1,64 nachgewiesen. Bei Müttern mit älteren Schülern lag er bei 1,85 Punkten.

Zum Vergleich: In der Stadt Fukushima lag die Stressbelastung bei Kindern der Altersgruppen bei 0,75 und 0,66 und die elterliche Belastung der Mütter bei 1,39 bzw. 1,36.

In der Kontrollgruppe betrug sie bei den Kindern der beiden Altersgruppen 0, 44 und 0,42. Bei den Eltern der Kontrollgruppe lag der Stresswert bei 1,08 bzw. 1,06.

Im Bezug auf Niedergeschlagenheit und Depression gaben 67 Prozent der Evakuierten an, sich depressiv zu fühlen. In der Vergleichsgruppe waren es lediglich 35 Prozent.

Eine Verbesserung der Werte sei neben besserer psychiatrischer Hilfe durch eine weitere Verbesserung der Lebensstände möglich, so die Experten des Zentrums für psychologische Studien bei Katastrophen.

Aus diesem Grund läuft seit dem 1. Oktober ein Anti-Stress-Programm, in dessen Rahmen kleine Gruppen von Müttern sich von Experten helfen lassen können, um positiv zu denken.

Über die Ergebnisse berichteten die Mainichi Shimbun, die Asahi Shimbun, sowie Präfekturmedien.

Neustarttermin für zweiten Sendai-Reaktor angekündigt: Kyushu Electric Power will am AKW Sendai noch in diesem Monat einen weiteren Reaktor wieder hochfahren.

Das teilte der Kraftwerksbetreiber am heutigen Freitag der Atomaufsichtsbehörde NRA mit. Als voraussichtlicher Neustarttermin wird der 14. Oktober genannt. Ab kommendem Freitag sollen die letzten Vorabkontrollen beginnen.

Nachdem im August bereits Reaktor 1 wieder hochgefahren wurde, wäre dies der zweite Neustart seit Einführung der strengeren Sicherheitslinien.

Die Regierung von Premierminister Shinzo Abe hält trotz öffentlicher Proteste an der Nutzung der Atomenergie fest und nennt hierfür Klimaschutzgründe.

Japan will bis 2030 lediglich den Anteil der Atomenergie bei der Elektrizitätsversorgung von 30 Prozent vor der Fukushima-Krise auf 20 bis 22 Prozent senken. Über die Neustartpläne berichtete die Kyodo, sowie Präfekturmedien.

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