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Fukushima aktuell: TEPCO erklärt Strategie gegen geflutete Tunnel

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Artikelbild - TEPCO erläutert Maßnahmen gegen radioaktives Grundwasser, 18. Februar 2014 (Foto: TEPCO)
TEPCO erläutert Maßnahmen gegen radioaktives Grundwasser, 18. Februar 2014 (Foto: TEPCO)

Das vom Betreiber des AKW Fukushima heute veröffentlichte Material hat primär informativen Charakter kommt damit den Forderungen jener Bürger entgegen, die auf verständliche Weise über bereits getroffene und neu geplante Maßnahmen informiert werden wollen. Die übrigen Medien berichten dagegen vorrangig über die Winterstürme, die Japan aktuell im Griff haben.

Einzelheiten der Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 18. Februar 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • TEPCO präsentiert  Pläne gegen kontaminiertes Wasser
  • Fukushima-Einwohner fordern bessere Informationen
  • Sieben Gemeinden fordern Mitbestimmung für AKW Hamaoka:
  • Prüfung von TEPCO-AKW wird sich um Monate verschieben

TEPCO präsentiert  Pläne gegen kontaminiertes Wasser: Der Elektrizitätskonzern TEPCO, Betreiber des AKW Fukushima Daiichi, veröffentlicht heute außerhalb seiner regulären Pressekonferenzen ein offizielles Informationsvideo zur Bewältigung des kontaminierten Wassers.

Computersimulation des AKW Fukushima vom 18. Februar 2014 (Grafik: TEPCO)
AKW Fukushima: TEPCO erklärt Strategie gegen geflutete Tunnel (Grafik: TEPCO)

In dem etwa elfminütigen Video, berichtet Masayuki Ono über die Problematik und das Problem wird auf leicht verständliche Weise aus Sicht der Unternehmens erläutert. Der Inhalt selbst bietet daher unseren regelmäßigen Lesern praktisch nichts Neues.

Zunächst wird das Hautproblem – radioaktives Wasser dringt durch die unterirdischen Tunel bis zum Hafenbereich – genannt.

In Diagrammen wird der Verlauf der Tunnel von den Turbinengebäuden zu Strukturen im Hafenbereich gezeigt.

Auch der Zwischenfall vom 2. April 2011 als Wasser aus den Tunneln in den Hafenbereich gelangte, wird erwähnt.

Der damalige Leckbereich wurde anschließend mit Beton aufgefüllt. Bereits im Boden befindliches Wasser sei jedoch für die jetzige Kontamination mitverantwortlich.

Aufgrund der hohen Konzentration an radioaktivem Material könnten bereits geringe Mengen dieses Wassers, wenn sie in den Hafenbereich gelangen, dort zu Strahlungsanstiegen führen. Insgesamt sollen sich im Tunnel von Gebäude 2 etwa 5.000 Tonnen und im zweiten Tunnel etwa 6.000 Tonnen. Ein Auspumpen sei aufgrund der hohen Umgebungsradioaktivität zunächst schwierig.

Im weiteren Verlauf des Videos präsentiert das Unternehmen dann die bekannte, bislang durchgeführte Maßnahme, zunächst nur Cäsium aus dem Tunnelkreislauf zu Filtern, um das Strahlungsniveau niedrig zu halten und erläutert dann die Pläne, das Wasser in den Tunnel selbst zu gefrieren und so eine Eiswand zu schaffen.

Fukushima-Eiswandtests: Zweiter Versuch mit Hindernissen (Video: TEPCO)
Fukushima-Eiswandtests: Versuch mit Hindernissen (Video: TEPCO)

Fotos der Tests zeigen nicht nur das bereits bekannte Bild einer gefrorenen Eiswand, sondern auch den Versuch, eine Eiswand zu schaffen, wenn der Raum für die mit Zement und Bentonit aufgefüllten Hüllen der Kühlstäbe durch Rohre und Stahlträger teilweise eingeschränkt ist. Auch in diesem Fall sei das Experiment erfolgreich verlaufen.

Bei ausreichender Festigkeit würde sogar eine Art „Selbstheilung“ eintreten – sollten Risse auftreten und Wasser in die Barriere gelangen, werde es dort ebenfalls gefrieren. Auch ein Schmelzen sei nicht ohne weitere möglich. Die Methode war bislang nur zur zeitlich beschränkten Bodenfrostung genutzt worden, bevor TEPCO sie adaptierte.

Ist ein Tunnel blockiert und das Wasser abgepumpt, werde man ihn mit Füllmaterial schließen. Mit dem Eiswandbau wolle man im März 2014 beginnen und erste Abpumpungen im Mai 2014 anlaufen. Soweit die Darstellung von TEPCO im unternehmenseigenen Video.

Die Risiken der Frostungsmethode, etwa die Tatsache, das die notwendigen Geräte für eine derartige Maßnahme nicht auf einen Dauerbetrieb ausgelegt sind, wurden nicht erwähnt.

Fukushima-Einwohner fordern bessere Informationen: Das Industrieministerium berief am gestrigen Monat eine Konferenz ein, bei der die Gemeindeleitung, Geschäftsführer und weiterere Vertreter der Präfektur Fukushima ihre Anliegen und Meinungen äußern konnten.

Einer der Kritikpunkte war die mangelnde Verständlickeit der veröffentlichten Informationen. Der hohe Gehalt an technischen Begriffen mache die Berichte für den Normalbürger nur sehr schwer nachvollziehbar, was wiederum zu Missverständnissen und Verunsicherung führe.

Pläne zur Formung eines Ausschusses, durch dessen Arbeit das Fachchinesisch verständlicher werden soll, waren bereits zu Beginn der Monats bekannt gegeben worden (Spreadnews berichtete am 7. Februar 2014). Ein Vertreter des Industrieministeriums erklärte, vor der nächsten Anpassung der Pläne für das AKW, werde man die Möglichkeiten der Behörde prüfen.

Masao Uchibori, Vize-Gouverneut der Präfektur, hatte zuvor erklärt, die Fortschritte bei den Arbeiten müssten in kürzeren Zeiträumen erfolgen. Von Jahrzehnten zu sprechen mache es unmöglich, den Fortschritt der Arbeiten zu beurteilen. Insbesondere für Menschen, die erwägen, eines Tages zurückzukehren, wären genauere Angaben zur Entscheidungsfindung sinnvoll.

Über die aktuellen Forderungen berichtete die NHK

Sieben Gemeinden fordern Mitbestimmung für AKW Hamaoka: Sieben Gemeinden fühlen sich bei der Entscheidungsfindung am AKW Hamaoka (Präf. Shizuoka) übergangen und fordern den Betreiber Chubu Electric auf, einen Sicherheitsvertrag mit den Gemeinden zu unterzeichnen. Mit dessen Unterzeichnung würde der Betreiber die Einverständnis für Neustarts benötigen.

AKW Hamaoka (Foto: Yasunobu Hiraoka cc-by-nd)
Das AKW Hamaoka (Foto: Yasunobu Hiraoka cc-by-nd)

Erste Regelungen waren bereits mit vier Ortschaften abgeschlossen worden, die sich in größerer räumlicher Nähe zum AKW Hamaoka befinden. Als Chubu Electric am 14. Februar eine Sicherheitsprüfung beantragte, wurden daher auch nur die fraglichen Gemeinden in Kenntnis gesetzt.

Während die Verwaltungen vom Omaezaki und Makinohara (5-Kilometer-Radius um das AKW), sowie Kakegawa und Kikugawa (10-Kilometer-Radius) informiert wurden, erfahren die Städte Fujieda, Fukuroi, Iwata, Shimada und Yaizu ebenso wenig davon, wie die Orte Mori und Yoshida, die sich jeweils in einem Umkreis zwischen 20 und 31 Kilometern um das AKW befinden.

Damit sind sie ebenfalls Teil der so genannten  “Urgent Protective Action Planning Zone” (UPZ), deren Bereich den Umkreis von fünf bis 30 Kilometern um ein Kernkraftwerk umfasst, für die besondere Sicherheitsmaßnahmen bei Reaktorunfällen gelten.

Da im Fall der zunächst ignorierten Gemeinden jedoch  das Recht auf Mitentscheidung für Reaktorstarts in den Vertrag einfliessen soll, dürfte sich Chubu Electric deutlich weniger kooperativ zeigen, als dies bei den anderen Gemeinden der Fall war. Über die Forderung berichtete die Asahi Shimbun.

Prüfung von TEPCO-AKW wird sich um Monate verschieben: Nachdem der Betreiber TEPCO einem Antrag auf Sicherheitsprüfung des AKW Kashiwazaki Kariwa (Präf. Niigata) gestellt hatte, begann die Atomaufsichtsbehörde NRA am Montag mit ihrer Arbeit und schickte ihren Verantwortlichen Kunihiko Shimazaki, sowie 15 weitere Beschäftigte für eine zweitägige Prüfung an die Anlage.

Das AKW Kashiwazaki-Kariwa im April 2011 (Original: Daisuke Yamagishi cc-by)
Monatelange Verzögerungen am AKW Kashiwazaki-Kariwa erwartet (Original: Daisuke Yamagishi cc-by)

Ziel des Unternehmens ist eine Neustarterlaubnis für die Reaktoren 6 und 7 der Anlage.

Doch diese Genehmigung dürfte noch eine Weile auf sich warten lassen, erklärte die NRA doch, der Elektrizitätsanbieter müsse zunächst weitere Untersuchungen an 23 geologischen Verwerfungen unter der Anlage durchführen.

Nach Einschätzung der TEPCO-Führung, vertreten durch Takafumi Anegawa, werden die zusätzlichen Arbeiten zwischen drei bis sechs Monate in Anspruch nehmen.

Im bisherigen Geschäftsplan vom Dezember 2013 ist ein Neustart für den Zeitraum Juli 2014 anvisiert. Anegawa erklärte, der Plan habe lediglich vorläufigen Charakter.

Über den zeitlichen Rückschlag für den Kraftwerksbetreiber berichtete die NHK.

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