Fukushima aktuell: TEPCO fürchtet massiven Rückschlag bei Grundwasserbekämpfung

Fukushima aktuell: TEPCO fürchtet massiven Rückschlag bei Grundwasserbekämpfung

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Artikelbild - AKW Fukushima: Fertiggestellte Spundwand am 26. Oktober 2015 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Spundwand soll Teil des Erfolgskonzepts sein (Foto: TEPCO)

Kurz vor dem Wochenende droht am AKW Fukushima heute ein massiver Rückschlag bei der Bekämpfung radioaktiver Abwässer, der bisherige Fortschritte zunichte machen könnte.

Die in den Fukushima News jetzt bestätigten Erfolge sind daher vermutlich lediglich als schwacher Trost zu sehen. Die Einzelheiten gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 18. Dezember 2015.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Bewältigung von kontaminiertem Grundwasser in der Krise
  • Erfolg der Grundwasserbekämpfung bestätigt

Bewältigung von kontaminiertem Grundwasser in der Krise: Die Fertigstellung der Spundwand im Oktober war als großer Erfolg bejubelt und bereits eine deutliche Reduzierung der Grundwassermenge in den Reaktorgebäuden festgestellt worden.

Nun drohen unerwartete Entwicklungen den positive Effekt der stählernen Grundwasserbarriere in Kombination mit der Grundwasserverklappung, die bereits erreichten Erfolge der Maßnahmen gegen kontaminierte Abwässer zunichte zu machen.

Der Plan sieht vor, das durch die Spundwand an der Küstenseite aufgestaute Wasser heraufzupumpen, zu filtern und anschließend kontrolliert in das Meer zu verklappen.

Dadurch soll sowohl eine unkontrollierte Meereskontamination verhindert, als auch der Grundwasserpegel in den Reaktorgebäuden gesenkt werden. TEPCO konnte diesbezüglich auch erste Erfolge melden.

Jetzt stellte das Unternehmen fest, dass die angestaute Menge an Grundwasser mit 400 Tonnen deutlich höher ist, als zunächst vermutet. Außerdem ist der Salzgehalt des Wassers an der Spundwand zu hoch, so dass es nicht wie üblich dekontaminiert werden kann.

Da ungefiltertes Wasser jedoch nicht verklappt werden darf, bleibt TEPCO nichts anderes übrig, als das übersalzene radioaktive Abwasser in die Reaktorgebäude zu pumpen. Damit ist der angestrebte Effekt der Grundwasserbekämpfung in den Gebäuden zunächst dahin.

Der Kraftwerksbetreiber will jedoch nicht aufgeben und plant nun, das Grundwasser auf der landeinwärts gerichteten Seite und damit weiter von der Spundwand entfernt heraufzupumpen – offenbar in der Hoffnung, dass der Salzgehalt des Grundwassers dort niedriger ist.

Außerdem wolle man sich dennoch an der Filterung des stark salzhaltigen Wassers versuchen, um die Auswirkungen des Vorgangs auf die Wasserqualität zu beobachten. Über diese äußerst unerfreuliche Meldung berichtete die NHK.

Erfolg der Grundwasserbekämpfung bestätigt: Ironischerweise fällt die Meldung über den drohenden Rückschlag mit der Bestätigung der Erfolge bisheriger Grundwasserbekämpfungsmaßnahmen zusammen.

Nachdem bereits ein Expertentreffen des Industrieministeriums den Rückgang des Grundwassers in den Reaktorgebäuden bekannt gegeben hatte, wurden diese Angaben heute von TEPCO auf einem Treffen in der Stadt Iwaki bestätigt.

Man habe die täglich in den Gebäuden anfallende Menge zwischen September und Dezember erfolgreich von zuvor 300 auf nun 200 Tonnen reduzieren können.

TEPCO will die Menge an heraufgepumpten Wasser erhöhen, sobald die Erlaubnis zum Einsatz des unterirdischen Eiswalls als zusätzliche Grundwasserbarriere erfolgt. Man hofft, die Menge dann weiter auf 150 Tonnen senken zu können. Das berichten Präfekturmedien.

Wie realistisch diese Einschätzungen angesichts der jüngsten Probleme tatsächlich noch sind, hängt wohl vom Erfolg der Alternativmaßnahmen ab.

1 KOMMENTAR

  1. Bereits letzte Woche wurde berichtet, dass die stählerne Spundwand „kippt“ (http://www.spreadnews.de/fukushima-aktuell-radioaktives-grundwasser-drueckt-auf-spundwand/1148311/) und Risse im Beton sichtbar sind (http://www.spreadnews.de/fukushima-aktuell-tepco-fuehrt-dichtungsarbeiten-an-spundwand-durch/1148327/). Es scheint nur zu offensichtlich, dass Tepco das Versagen der Spundwand verheimlicht. Sie wird wohl gerissen sein. Das gesamte Projekt war Hybris. Es darf zudem betweifelt werden, dass sich der nun salzgetränkte Boden noch wie geplant einfrieren lässt.

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