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Fukushima aktuell: TEPCO kannte Risiko höherer Tsunami seit Jahren

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Artikelbild - AKW Fukushima: Eintreffen des Tsunami am 11. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Eintreffen des Tsunami am 11. März 2011 (Foto: TEPCO)

Sowohl das Auftauchen eines internen TEPCO-Papiers, als auch die Meldung eines Angriffs auf Computersysteme für Zwischenlager, sind Teil der aktuellen Fukushima News. Einzelheiten zu den Ereignissen in Fukushima, heute im Spreadnews Japan-Ticker vom 18. Juni 2015.

Unsere heutigen Themen:

  • TEPCO war Risiko höherer Tsunami seit Jahren bekannt
  • Computervirus im Netzwerk des Zwischenlagerunternehmens
  • Atomenergie-Slogan soll erhalten bleiben
  • Verklappung von Berggrundwasser durchgeführt

TEPCO war Risiko höherer Tsunami seit Jahren bekannt: Dem Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi war das Risiko und die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen vor Tsunami bereits drei Jahre vor der Kraftwerkskatastrophe bekannt.

Wie aus einem internen Schreiben aus dem Jahr 2008 hervorgeht, sei sich das Unternehmen bewusst gewesen, dass die Tsunami-Schutzmaßnahmen unzureichend sind.

Diese Angaben widerlegen die bisherige Behauptung des AKW-Betreibers, man habe nicht mit einem derart hohen Tsunami gerechnet.

Das fragliche Dokument war von Anwälten in einem seit 2012 geführten Schadensersatzprozess von mehr als 40 Aktionären gegen TEPCO vorgelegt worden. Die Kläger fordern eine Gesamtsumme von 5,5 Billionen Yen.

Das Schriftstück war offenbar für ein internes Treffen zusammengestellt worden und erklärt, Maßnahmen gegen Tsunami seien „unumgänglich“ da man „nicht anders könne, als größere Tsunami zu erwarten, als gegenwärtig geplant„.

Man habe „keine andere Wahl als“ die maximal zu erwartende Höhe für Tsunami anzuheben.

Im Rahmen des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Fukushima-Katastrophe war eine Einschätzung des Unternehmens vom Juni 2008 vorgelegt worden, dass mit Wellen von bis zu 15,7 Metern zu rechnen sei.

Das jetzt bekannt gewordene interne Schreiben wurde jedoch erst im September 2008 verfasst, so dass TEPCO die Unzulänglichkeit dieser ersten Einschätzung offenbar bewusst war – es wurden jedoch keine Konsequenzen daraus gezogen und die Sicherheitsmaßnahmen nicht angepasst.

Nach Angaben der Kläger habe das Dokument zudem einen Hinweis enthalten, das der Inhalt sensible Informationen umfasse und nach der Aushändigung während des Treffens wieder zurückgegeben werden musste.

TEPCO verteidigt sich gegen diese Vorwürfe und erklärt in einem Schreiben an das Gericht, das interne Papier weise lediglich darauf hin, dass für die Zukunft weitere Tsunami-Schutzmaßnahmen erforderlich seien, jedoch sei nicht von einem ausdrücklichen Risiko die Rede.

Über das Schreiben berichteten Kyodo und Asahi Shimbun.

Computervirus im Netzwerk des Zwischenlagerunternehmens: Wie das Umweltministerium am gestrigen Mittwoch mitteilte, wurde das interne Netzwerk des Unternehmens, dass die Zwischenlagerung von Dekontaminationsabfällen organisiert, von einem Computervirus befallen.

Die „Japan Environmental Storage & Safety Corporation“ (JESCO) ist ein staatliches Unternehmen und für das Management der Zwischenlagerstandorte verantwortlich.

Nach Angaben der JESCO habe man Dienstag Nacht die externe Verbindung getrennt, nachdem eine ungewöhnliche Datenübertragung entdeckt worden war.

Das Umweltministerium habe den Transfer von Dekontaminationsabfällen am Mittwochmorgen vorübergehend gestoppt, die Arbeiten jedoch später wieder angenommen.

Ob Daten illegal kopiert wurden, untersuche man derzeit noch. Allerdings sollen sich keine sensiblen Daten auf den Rechnern befunden haben.

So würden etwa die Informationen zu den Grundstückseigentümern geplanter Standorte beim Umweltministerium selbst gespeichert und nicht im Netzwerk des Unternehmens.

Ob ein Zusammenhang mit ähnlichen Datenlecks in der jüngsten Vergangenheit besteht, ist unklar. Anfang des Monats war die Rentenstelle und später die Tokyoter Handelskammer gehackt und vertrauliche Daten entwendet worden.

Über den vermutlichen Datendiebstahl beim staatlichen Zwischenlagerunternehmen JESCO berichtete die Kyodo.

Atomenergie-Slogan soll erhalten bleiben: Nach einer Petition mit 6.502 Unterzeichnern, die für eine Erhaltung gestimmt hatten, soll ein Pro-Atomenergie-Slogan in Futaba erhalten bleiben.

Die Werbetafel mit dem Versprechen, Atomenergie werde eine leuchtende Zukunft bringen, überspannt in der derzeitigen Geisterstadt eine ganze Straße.

Geht es nach dem Willen von Bürgermeister Shiro Izawa, wird die alternde Tafel zwar aus Sicherheitsgründen demontiert, jedoch weiterhin öffentlich ausgestellt.

Yuji Onuma der als Grundschüler den Propaganda-Slogan bei einem Wettbewerb eingereicht hatte, hatte dazu aufgerufen, die öffentliche Tafel erhalten – als Mahnmal für die Selbstüberschätzung des Menschen.

Über die Entscheidung von Bürgermeister Izawa, diese und sogar weitere Propaganda-Werbetafeln zu erhalten, berichteten die Asahi Shimbun, sowie Präfekturmedien.

Verklappung von Berggrundwasser durchgeführt: Am heutigen Donnerstag wurde am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi eine weitere Verklappung von Grundwasser aus den Bergen durchgeführt.

Die Maßnahme soll die Ansammlung von zusätzlichem Grundwasser unter dem Gelände der Anlage verhindern, indem aus den Bergen herabfließendes Grundwasser umgeleitet und nach einer Analyse in den Pazifik geleitet wird.

Bei der heutigen Einleitung aus dem Lagertank wurden 1.258 Tonnen verklappt. Nach Angaben der Betreiberfirma TEPCO gab es keine Auffälligkeiten.

 

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