Fukushima aktuell: TEPCO lehnt Entschädigung für vermisste Demenzpatientin ab

Fukushima aktuell: TEPCO lehnt Entschädigung für vermisste Demenzpatientin ab

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Artikelbild - Gehirn (Grafik: Patrick Denker cc-by)
Hinterbliebene von Demenzpatientin kämpfen um Entschädigung (Symbolfoto: Patrick Denker cc-by)

Die Vergangenheit holt den Betreiber des AKW Fukushima heute wieder einmal ein und so sieht sich TEPCO in Japan aktuell mit einer Entschädigungsforderung konfrontiert. Doch das Unternehmen ist weniger kooperativ als sonst.

Weitere Fukushima News befassen sich mit der Ausweitung von Befugnissen der Atomaufsichtsbehörde und vergleichenden Untersuchungen zu Schilddrüsenkrebs. Die Details gibt es nun, im Spreadnews Japan-Ticker vom 5. August 2016.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • TEPCO lehnt Entschädigungszahlung für vermisste Demenzkranke ab
  • Mehr Befugnisse für Atomaufsichtsbehörde NRA geplant.
  • Zunahme von Schilddrüsenkrebs bei Kindern unwahrscheinlich
TEPCO lehnt Entschädigungszahlung für vermisste Demenzkranke ab

Vor einem Gericht in Tokyo hat der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi der Forderung von Angehörigen einer 88 Jahre alten Frau mit Demenz, die seit der Kraftwerkskatastrophe vermisst wird, widersprochen.

TEPCO erklärt, die aus Minamisoma stammende Frau sei bereits aufgrund des Tohoku-Großbebens aus dem Futaba-Krankenhaus in Okuma geflohen, in dem sie seit 2006 lebte, und nicht etwa aufgrund der Ereignisse am Kernkraftwerk.

Die Klinik war am 16. März 2011 aufgrund der AKW-Katastrophe evakuiert worden – doch die demenzkranke Frau war weder damals, noch bei einer Kontrolle im April, als ein zeitweiser Zutritt genehmigt wurde, aufzufinden. Schließlich erklärte man sie für tot.

Das Unternehmen ist zwar in der Regel bereit zur Entschädigung von Hinterbliebenen, deren Angehörige aufgrund der Umstände bei der Evakuierung starben. In diesem Fall sieht man jedoch keinen ausreichenden Zusammenhang.

Der Vertreter der Kläger erklärt, zwar hätten sich die elektrischen Zimmertüren als Reaktion auf das Erdbeben selbstständig geöffnet – es sei jedoch die AKW-Krise gewesen, die eine Suchaktion verhindert habe. Somit sei TEPCO sehr wohl in der Verantwortung.

Die Angehörigen verklagten im Februar 2014 den Elektrizitätsanbieter auf eine Entschädigungssumme von 44 Millionen Yen. Ein Urteil wird für den 10. August erwartet. Über diesen tragischen Fall berichtete die Mainichi Shimbun.

Mehr Befugnisse für Atomaufsichtsbehörde NRA geplant

In einem gestern vorgelegten Entwurf zur Reform des Inspektionssystems an japanischen Kernkraftwerken, die durch eine Empfehlung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA angeregt wurde, erhält die japanische Atomaufsicht NRA mehr Befugnisse.

Dem Entwurf zufolge soll die NRA künftig Überraschungsinspektionen durchführen können, die dem Betreiber nicht angekündigt werden müssen. Bislang folgen die Routine-Checks einem festen Plan und finden alle 13 Monate statt.

Zusätzlich wird erwogen, der NRA die Befugnis zu geben, Reaktortests als bestanden oder durchgefallen zu beurteilen – dies steht bislang nur dem übergeordneten Ministerium zu.

Der Antrag soll bis Ende des Monats fertiggestellt sein und man rechnet damit, das neue Inspektionssystem im Jahr 2020 einführen zu können. Das berichtet die NHK.

Zunahme von Schilddrüsenkrebs bei Kindern unwahrscheinlich

Professor Noboru Takamura vom Medizinischen Forschungsinstitut für die Atombombenkrankheit in Nagasaki, vergleicht in einem Bericht erstmals die unterschiedlichen Schilddrüsenkrebsdaten zwischen Tschernobyl und Fukushima.

Dabei kommt er zu dem Schluss, dass in der Präfektur Fukushima eine Zunahme wie im Fall der Ereignisse in Weißrussland 1986 als unwahrscheinlich anzusehen sei. Dies hätte eine Analyse der statistischen Daten gezeigt.

Allerdings hätte dieser Vergleich auch deutlich gemacht, dass die Situation bei der Entwicklung von Schilddrüsenkrebs in beiden Fällen signifikant anders verlaufe. Die Ergebnisse werden im „British Medical Journal“ veröffentlicht. Das berichten Präfekturmedien.

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