Start Aktuelles Fukushima aktuell: TEPCO plant wassersparende Reaktorkühlung

Fukushima aktuell: TEPCO plant wassersparende Reaktorkühlung

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Artikelbild - Areva-Filteranlage mit Chemikalientanks am 22. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Areva-Filteranlage am 22. Oktober 2011 (Foto: Copyright by TEPCO)

Wie aus Fukushima heute zu hören ist, plant die Betreiberfirma TEPCO ein neues Konzept zur wassersparenden Reaktorkühlung. Weitere Fukushima News befassen sich unter anderem mit den Befürchtungen der Ausbeutung von Arbeitskräften in der Präfektur.

Die Einzelheiten zu diesen Themen gibt es wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 16. August 2018.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Interner Kühlkreislauf für Sicherheitsbehälter geplant
  • UN-Experten fürchten Ausbeutung von Fukushima-Arbeitern
  • Wasserleck an Multinuklid-Filteranlage
Interner Kühlkreislauf für Sicherheitsbehälter geplant

Das Elektriztitätsunternehmen TEPCO, Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi, plant die Konstruktion eines Systems, mit dem die Menge an Wasser, das nach der Kühlung der zusammengeschmolzenen Brennelemente übrig bleibt, reduziert werden kann.

Im Rahmen des neuen Kühlkreislaufs soll ausschließlich das Wasser aus dem Sicherheitsbehälter heruntergekühlt und zur weiteren Kühlung des radioaktiven Materials genutzt werden, anstatt ständig neues Wasser einspeisen zu müssen.

Auf diese Weise soll die täglich anfallende Menge von stark radioaktivem Abwasser weiter reduziert werden, da das einzuspeisende Wasservolumen ebenfalls verringert werden könnte.

Der bisherige externe Kühlkreislauf beruht auf der Einspeisung von Kühlwasser in das Reaktorgebäude, das anschließend wieder abgepumpt, in speziellen Anlagen gefiltert und erneut hineingepumpt wird.

Aufgrund von baulichen Schäden gelangt dabei jedoch ein Teil des hochgradig radioaktiv kontaminierten Wassers in die Kellergeschosse der angrenzenden Turbinengebäude, mischt sich dort mit eingedrungenem Grundwasser, muss von dort abgepumpt und in Tanks eingelagert werden.

Gegenwärtig fließen etwa 100 Tonnen Grundwasser pro Tag in die Gebäude. Nach Angaben von TEPCO kann jedoch ein Großteil der anfallenden 100 bis 150 Tonnen kontaminiertem Wasser kontrolliert werden – mit Ausnahme der Regenzeit.

Zusätzlich zum Konzept, die Wasserzirkulation auf den Sicherheitsbehälter zu beschränken, will TEPCO nach Möglichkeiten suchen, bereits vorhandene Cäsium-Filteranlagen in den Prozess einzubinden.

Der Plan sieht vor, bis zum olympischen Jahr 2020 den unbeabsichtigten Austausch von Wasser zwischen Reaktor- und Turbinengebäuden zu unterbinden und die Gesamtmenge an kontaminierten Abwässern zu reduzieren. Außerdem soll der Einfluss von Grundwasser stärker reduziert werden.

Über diese Pläne berichten Präfekturmedien.

UN-Experten fürchten Ausbeutung von Fukushima-Arbeitern

Einer heute in Genf veröffentlichte UN-Meldung zufolge drängen Menschenrechtsexperten der Vereinten Nationen die japanische Regierung dazu, die Ausbeutung von zehntausend Arbeitskräften als Folge der Fukushima-Krise zu verhindern und sie zu schützen.

Die Sonderberichterstatter Baskut Tuncak (Entsorgung von Gefahrengütern), Urmila Bhoola (Formen moderner Sklaverei) und Dainius Puras (Recht auf Lebensstandard) sehen das Risiko von Missbrauch bei den dort tätigen Arbeitskräften.

Insbesondere Obdachlose, Asylsuchende und ausländische Arbeiter wären gefährdet, im Rahmen der Dekontaminationsarbeiten von ihren Arbeitgebern ausgebeutet zu werden – etwa durch mangelnde Gefahrenaufklärung und die Ausnutzung finanzieller Notlagen.

Insbesondere das undurchsichtige Geflecht aus Subunternehmen öffne dem Missbrauch Tür und Tor. Wie groß die Zahl der rekrutierten Kräfte aeit der AKW-Katastrophe 2011 ist, zeigen die Zahlen der zentralen Registrierungsstelle für Arbeiter mit Strahlungsbezug.

Diese meldet zwischen 2011 und 2016 insgesamt 76.951 Anwerbungen von Dekontaminationsarbeitern.

Die japanische Regierung hat sich bereit erklärt, Empfehlungen anderer Staaten zur Reduzierung der Radioaktivität und dem Schutz der Bevölkerung zu folgen. Die Experten fordern unter anderem eine Reduzierung der zulässigen Belastung auf 1 Millisievert pro Jahr.

Für September wird vom UN-Experten Baskut Tuncak ein Bericht für den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen erwartet, der eine Verbesserung des Schutzes von Arbeitskräften mit Kontakt zu Gefahrengut, einfordern wird.

Hintergrund

Die Organisierte Kriminalität im Dekontaminationsgeschäft, sowie die fachfremde Ausbeutung vietnamesischer Arbeiter und die illegale Beschäftigung Minderjähriger waren in der Vergangenheit mehrfach Thema bei Spreadnews.

Wasserleck an Multinuklid-Filteranlage

Am heutigen Donnerstag wies gegen 10:27 Uhr (Ortszeit) ein Alarm auf ein Wasserleck an einer Einheit des Multinuklid-Filtersystems auf dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi hin. Der Betreiber führte eine Untersuchung vor Ort durch.

Dabei wurde festgestellt, dass Wasser aus der oberen Öffnung ded Adsorptionsturms C übergelaufen war. Die Gesamtmenge beläuft sich auf etwa 12 Liter. Der Wasseraustritt endete, sobald das dortige Ventil geschlossen wurde.

Eine Analyse ergab, dass die Konzentration von Cäsium-134 unter dem Nachweiswert und im Fall von Cäsium-137 bei lediglich 26 Becquerel pro Liter lag. Die Gesamtkonzentration aller Betastrahler betrug 20.000 Becquerel pro Liter.

Das ausgelaufene Wasser verblieb innerhalb der Barriere und gelangte nicht in die Umwelt. Durch den Einsatz von entsprechendem Gerät konnte die entstandene Wasserlache von 1 x 1 Meter gegen 14:20 Uhr entfernt werden.

Über den Zwischenfall berichtete der Kraftwerksbetreiber TEPCO.