Start Aktuelles Fukushima aktuell: TEPCO räumt Ineffektivität des Eiswalls ein

Fukushima aktuell: TEPCO räumt Ineffektivität des Eiswalls ein

Reduzierung radioaktiver Abwässer durch den Eiswall weniger erfolgreich als erwartet

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Artikelbild - AKW Fukushima: Befüllung der Rohre des Eiswallprojekts am 15. September 2015 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Befüllung der Rohre des Eiswallprojekts am 15. September 2015 (Foto: TEPCO)

Die aus Japan aktuell gemeldeten Fukushima News über mangelnde Effektivität und gesundheitliche Langzeitfolgen, die Einwohner der Präfektur Fukushima heute betreffen, sind auch für den AKW-Betreiber TEPCO ein Grund zur Besorgnis.

Die Details zu den Meldungen gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 1. März 2018.

Unsere heutigen Themen:

  • Eiswall nur beschränkt gegen Grundwasserkontamination wirksam
  • Rückfälle bei Fukushima-Kindern mit Schilddrüsenkrebs
  • Erstmals seit 3/11 wieder Fukushima-Fisch ins Ausland exportiert
Eiswall nur beschränkt gegen Grundwasserkontamination wirksam

Der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi gab heute bekannt, dass der so genannte „Eiswall“ nur eine beschränkte Wirksamkeit gegen die Kontamination von Grundwasser zeigt und offenbar sogar weniger effektiv ist, als konventionelle Pumpmaßnahmen.

Das auf einer Länge von 1,5 Kilometern unterirdisch um die Reaktorgebäude verlaufende Kühlsystem soll den Erdboden gefrieren und durch diese Barriere eine Vermischung kontaminierter Abwässer mit dem sauberen Grundwasser aus den Berge, verhindern.

Täglich fielen etwa 500 Tonnen frisch kontaminiertes Wasser an.

Neue Zahlen, die über einen Zeitraum von drei Monaten vor und nach der de facto Fertigstellung des Eiswalls im November 2017 erfasst wurden, zeigen einen Rückgang der neu anfallenden Menge radioaktiver Abwässer um etwa 95 Tonnen.

Berücksichtigt man die zusätzliche Grundwasserumleitung, bei der das aus den Bergen herabströmende Grundwasser umgeleitet, heraufgepumpt und ins Meer verklappt wird, werden täglich 380 Tonnen an neuen Abwässern verhindert.

Das bedeutet also, dass die Verklappung von Grundwasser als Maßnahme effektiver ist, als das millionenschwere Eiswall-Projekt. Nun plant die Regierung diese ernüchternde Selbsteinschätzung durch eigene Experten prüfen zu lassen.

Über diesen Rückschlag für TEPCO berichtete die NHK.

Rückfälle bei Fukushima-Kindern mit Schilddrüsenkrebs

Die Nonprofit-Organisation “ 3.11 Fund for Children with Thyroid Cancer“ forderte auf einer Pressekonferenz am heutigen Donnerstag sorgfältige Nachuntersuchungen von Patienten mit Schilddrüsenkrebs, die Rückfälle erlitten hatten.

Schilddrüse (Grafik: pd)
NGO fordert angemessene Berücksichtigung der Rückfälle bei Schilddrüsenkrebs (Abb. symbolisch, pd)

Eine Untersuchung der Organisation habe in 8 von 84 Fällen – das entspricht 9,5 Prozent – eine erneute Krebserkrankung bei den Patienten festgestellt, die zum Zeitpunkt der AKW-Krise zwischen 6 und 15 Jahre alt waren.

Der Rückfall erfolgt durchschnittlich 28 Monate nach der ersten Operation und macht einen erneuten Eingriff erforderlich. In einem Fall kam es bereits ein Jahr nach der ersten Maßnahme zur erneuten Krebsdiagnose.

Die Nichtregierungsorganisation betonte, dass selbst ein beratender Expertenausschuss der Präfektur sich nicht mit der Möglichkeit von Rückfällen befasst habe. Daher sei eine Fortführung der Schilddrüsenscreenings dringend erforderlich, um ein realistisches Bild zu erhalten.

Der „3.11 Fund for Children with Thyroid Cancer“ bemüht sich um die finanzielle Unterstützung der Betroffenen im Bezug auf die Kosten medizinischer Behandlungen. Über die Forderungen berichtete die NHK.

Erstmals seit 3/11 wieder Fukushima-Fisch ins Ausland exportiert

Am gestrigen Mittwoch wurde erstmals seit der Kraftwerkskatastrophe vom 11. März 2011 wieder Fisch aus den Gewässern der Präfektur Fukushima an ausländische Abnehmer verkauft.

Die erste Lieferung ging nach Thailand, nachdem 2016 die nationalen Beschränkungen aufgehoben worden und Verhandlungen mit einem Handelsunternehmen in Thailand erfolgreich waren, das keine zusätzlichen Handelsbeschränkungen erlassen hatte.

Die Flunder aus den Küstengebieten der Präfektur Fukushima gilt als besonders wohlschmeckend und so können sich die japanischen Restaurants in Thailand auf die etwa eine Tonne Fisch freuen, die bis Ende dieses Monats verkauft werden soll.

Bei der ersten Abnahme fanden etwa 100 Kilogramm der Delikatesse auf dem Markt in Soma ihren Abnehmer. Aufgrund der anhaltenden niedrigen Preise für Waren aus Fukushima, machte der thailändische Großhändler ein echtes Schnäppchen.

Seit April 2015 wurde bei  allen 25.000 Arten von Meeresprodukten der Region keine Überschreitung des japanischen Lebensmittelgrenzwerts für Cäsium in Höhe von 100 Becquerel pro Kilogramm mehr festgestellt.

Über diesen Exporterfolg berichteten Mainichi Shimbun, Asahi Shimbun und jiji.