Fukushima aktuell: TEPCO rudert bei Verklappung von Tritium-Abwässern zurück

Fukushima aktuell: TEPCO rudert bei Verklappung von Tritium-Abwässern zurück

Relativierung der Pläne erfolgte nach Protesten

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Artikelbild: Offizielles Foto des AKW Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
Das AKW Fukushima Daiichi: (Foto: TEPCO)

Das Wochenende war für TEPCO alles andere als erholsam – und auch die sonstigen Fukushima News zeigen, dass es für den Betreiber des AKW Fukushima heute nichts zu lachen gibt.

Diskussionen um die radioaktiven Abwässer des Kernkraftwerks werden das Thema vermutlich auch langfristig in Japan aktuell halten. Wir berichten im Spreadnews Japan-Ticker vom 17. Juli 2017.

Unsere heutigen Themen zum Wochenbeginn:

  • TEPCO rudert bei Verklappung von Tritium-Abwässern zurück
  • Verklappung des Tritiumwassers könnte sieben Jahre dauern
  • Besichtigung des AKW-Geländes nach Entsorgungsdiskussion
TEPCO rudert bei Verklappung von Tritium-Abwässern zurück

Nachdem der neue TEPCO-Vorsitzende Takashi Kawamura am vergangenen Freitag erklärt hatte, die die Verklappung stark tritiumhaltiger Abwässer am AKW Fukushima Daiichi sei längst eine beschlossene Sache, rudert das Unternehmen nun zurück.

Nachdem sich mit Masayoshi Yoshino, der aus der Präfektur Fukushima stammt, der Minister für Wiederaufbau einschaltete und erklärte, dieser Beschluss sei für die dortigen Fischer problematisch, sah sich TEPCO zu einer weiteren öffentlichen Äußerung genötigt.

Der AKW-Betreiber erklärte am Wochenende, die Äußerung von Kawamura sei so zu verstehen, dass die Verklappung anhand der vorgegebenen Richtlinien, sowie nach wissenschaftlichen und technologischen  Standards kein Problem darstelle.

Der TEPCO-Vorsitzende hatte am Freitag erklärt, die Entscheidung, das stark tritiumhaltige Wasser nach ausreichender Verdünnung zu verklappen sei „bereits getroffen worden“.

Wie das Unternehmen nachträglich richtigstellte, habe man dagegen noch keinen endgültiger Beschluss in dieser Angelegenheit gefasst

Wiederaufbauminister Yoshino hatte erklärt, ihm sei zwar die wissenschaftliche Einschätzung der Unbedenklichkeit dieser Maßnahme bekannt, dennoch habe er, als dort geborener Bürger, großes Verständnis für die Bedenken der Menschen in Fukushima.

Die öffentliche Bekanntgabe der Verklappungspläne hatte auch international für große Aufmerksamkeit gesorgt. Wie die spätere Richtigstellung zeigt, wird jedoch auch in Japan zumindest offiziell nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Über das Zurückrudern des Elektrizitätsanbieters nach dem Einwand durch Minister Yoshino berichtete die Kyodo.

Verklappung des Tritiumwassers könnte sieben Jahre dauern

Die Lagertanks voller Wasser beizubehalten ist ein Sicherheitsrisiko und auch wenn durch die Multinuklid-Filteranlage ALPS ein großer Teil des radioaktiven Materials gefiltert wird, gibt es bislang keine brauchbare Möglichkeit zur Filterung von Tritium.

Seit Jahren arbeitet daher die Arbeitsgruppe zur Bewältigung radioaktiver Abwässer an der Lösung des Problems. Bislang wurden fünf Möglichkeiten der Entsorgung geprüft, darunter die gezielte Verdunstung, das Binden durch Zement und die Einlagerung im Erdboden.

Im Juni vergangenen Jahres hatte die Regierung dann in einem Bericht zusammengefasst, sowohl in Fragen des Zeitaufwands als auch der Kosten, könne durch die Verdünnung und Verklappung das beste Ergebnis bei der Entsorgung erzielt werden.

Eine „schnelle Lösung“ ist die Maßnahme dennoch nicht. Um die 770.000 Tonnen Wasser aus 600 Lagertanks auf die gewünschte Weise im Meer zu verklappen ist dennoch ein Zeitraum von vier bis sieben Jahren erforderlich. Das berichten Präfekturmedien.

Besichtigung des AKW-Geländes nach Entsorgungsdiskussion

Anlässlich der jüngsten Diskussionen besuchten Mitglieder des Subkomitees zur Bekämpfung radioaktiver Abwässer, das dem Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) untergeordnet ist, das AKW Fukushima Daiichi.

Dabei verschafften sie sich einen Eindruck vom Standort der 600 Stahltanks auf dem Kraftwerksgelände. Die Lagerkapazität konnte nach Darstellung von TEPCO zwar für zwei weitere Jahre gesichert werden – danach ist jedoch Schluss.

Über den Besuch berichteten die Teilnehmer anschließend gegenüber Präfekturmedien.

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