Fukushima aktuell: TEPCO setzt schrittweise Räumung des J-Village um

Fukushima aktuell: TEPCO setzt schrittweise Räumung des J-Village um

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Artikelbild - J-Village Schild (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)
J-Village: TEPCO verlegt Verwaltung aus Sportanlage (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)

In den aktuellen Meldungen steht die Zukunft der Präfektur Fukushima heute besonders im Mittelpunkt. Entschädigungen, Neubewertungen und Umzüge beschäftigen sowohl die Verwaltungen, als auch den Kraftwerksbetreiber TEPCO und die Bürger.

Einzelheiten der Fukushima News gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 28. Januar 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • TEPCO-Verwaltung zieht aus J-Village um
  • Untersuchung zur Verbreitung des radioaktiven Materials in Küstennähe
  • Neueinschätzung der Herausforderungen für TEPCO
  • Beschwerden über Öffnungszeiten für Entschädigungs-Callcenter
  • Ex-Premier Kan sieht noch kein Ende der Fukushima-Krise

TEPCO-Verwaltung zieht aus J-Village um: Das vom Elektrizitätsanbieter TEPCO betriebene Zentrum für Wiederaufbau, wird den bisherigen Standort im J-Village auf dem Gelände der Gemeinden Naraha und Hirono verlassen. Das gab das Unternehmen gestern bekannt.

Neuer Standort soll eine Anlage in Hamadori sein. Sie diente bis zu den Ereignissen vom März 2011 als Wartungsstandort für die Stromversorgung und liegt 10 Kilometer vom AKW Fukushima Daiichi entfernt, im Sperrgebiet der Stadt Tomioka.

Ingesamt 50 Beschäftigte sollen dort zum Einsatz kommen und sich mit Verwaltungsaufgaben, etwa der Werbung für den Wiederaufbau, befassen. Nach Angaben von TEPCO sei die Entsendung von Mitarbeitern vor Aufhebung des Sperrgebiets auch ein Teil der Verantwortung für den Wiederaufbau der Region.

Der neue Standort eigne sich, da er durch das Tohoku-Großbeben nicht schwer beschädigt und die Möglichkeiten zum Anschluss an reguläre Wasserversorgung und Elektrizität gegeben sind. Durch den Umzug soll jedoch vor allem die Räumung des J-Village gefördert werden.

Das einstige Sportgelände, auf dem sich seit der AKW-Krise die Arbeiterunterkünfte und Verwaltungsgebäude befanden, soll aufgrund der Olympischen Spiele 2020 wieder der ursprünglichen Verwendung zugeführt werden können.

Untersuchung zur Verbreitung des radioaktiven Materials in Küstennähe: Das nationale Forschungszentrum für Fischerei in Yokohama, sprach gestern auf der Konferenz der Vereining der Fischereikooperativen in Iwaki.

Dort berichteten sie über die zwischen Dezember 2012 bis zum 26. November 2015 durchgeführten Untersuchungen, etwa zum Transfer von Sedimenten an der Präfekturküste.

Die Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Ablagerungen in der Tat der vorherrschenden Nord-Süd-Strömung folgen, was Schlüsse über die Verteilung des radioaktiven Materials seit der Kraftwerkskatastrophe ermögliche.

Für die Untersuchung waren Messgeräte an mehreren Stellen angebracht und Proben aus unterschiedlicher Tiefe analysiert worden. Über die Maßnahme berichteten Präfekturmedien.

Neueinschätzung der Herausforderungen für TEPCO: Die Atomaufsichtsbehörde hat die Zusammenfassung über die Herausforderungen für Kraftwerksbetreiber TEPCO während der Stilllegung des AKW Fukushima Daiichi überarbeitet.

Am gestrigen Mittwoch wurde der aktuelle Entwurf bei einem Treffen in Tokyo vorgelegt. Insbesondere das Risiko durch die ungeplante Verbreitung von radioaktivem Material, sei bei Intensivierung der Arbeiten zu berücksichtigen.

Da für den gesamten Stilllegungsprozess etwa 32 Jahre angesetzt sind, wurde eine langfristige Überwachung der Maßnahmen beschlossen.

Interessenvertreter aus Okuma betonten, unter Berücksichtigung der zunehmenden Aufhebung der Evakuierungsanordnungen sei insbesondere der Schutz landwirtschaftlicher Nutzflächen von Bedeutung. Zuvor hatte die Kontamination von Reisfeldern im Jahr 2013 eine Reihe widersprüchlicher Meldungen zur Folge.

Diese und weitere Themen, etwa die ausstehende Genehmigung zum Vollbetrieb des so genannten Eiswalls und damit verbundene Sicherheitsbedenken, werden bei einem nächsten Treffen am 15. Februar besprochen. Das berichten Präfekturmedien.

Beschwerden über Öffnungszeiten für Entschädigungs-Callcenter: Die Sprechzeiten des Callcenters für Entschädigungsfragen gegen Kraftwerksbetreiber TEPCO in der Präfektur Fukushima, sollen ab April gekürzt werden.

Statt Wochentags zwölf Stunden lang verfügbar zu sein,erfolgt nun eine drastische Kürzung aller Sprechzeiten. Die Bürger in Minamisoma beschwerten sich bei der Stadt über diesen Schritt.

Aufgrund der Berufstätigkeit vieler Einwohner sei es unter den neuen Bedingungen sehr schwer, die Verantwortlichen zu kontaktieren. Letztlich würde dadurch die Durchsetzung von Entschädigungsforderungen gegen TEPCO behindert.

Bürgermeister Sakurai Katsunobe reagierte auf die Kritik und besuchte den Hauptsitz des Elektrizitätsunternehmens, um dort eine schriftliche Forderung einzureichen. Über die Proteste berichteten Präfekturmedien.

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Teilnahmeberechtigt sind geschäftsfähige Personen über 18 Jahren, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben. Barauszahlung und Auslandsversand sind ausgeschlossen. Die Daten werden nur zum Versand genutzt und anschließend gelöscht.

Ex-Premier Kan sieht noch kein Ende der Fukushima-Krise: Bereits am Dienstag äußerte sich der frühere japanische Premierminister Naoto Kan im Nationalen Presseclub in Washington zu den Folgen der Kernschmelze am AKW Fukushima im März 2011.

Es gäbe keine Zweifel, das radioaktives Material in das Meer gelangt sei. Dies sei einer der Punkte, weshalb man die Krise nicht als beendet betrachten könne, selbst wenn der Zustand der Reaktoren unter Kontrolle zu sein scheine.

Mit seinen aktuellen Äußerungen widerspricht er damit indirekt seinen mehrfach zuvor gemachten Aussagen, die Problematik kontaminierter Abwässer sei „unter Kontrolle“ Das berichtete die Kyodo.

Kan führt den Verlust seines Amtes nach den Tohoku-Katastrophen auf den Einfluss von Lobbyisten der Kernergie („Atomdorf“) zurück und äußert sich seitdem offen kritisch zur Nutzung der Technologie.

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