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Fukushima aktuell: TEPCO-Verantwortlicher räumt Kenntnis der Kernschmelzen-Richtlinien ein

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Artikelbild - AKW Fukushima: Blick auf die Reaktoren am 15. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Blick auf die Reaktoren am 15. März 2011 (Foto: TEPCO)

Im Skandal um die vorgebliche Unkenntnis von Notfall-Richtlinien, gibt es vom Betreiber des AKW Fukushima heute ein ungewöhnliches Eingeständnis. Weitere Fukushima News betreffen unterirdische Lagertanks und Lebensmittel.

Die aus Japan aktuell gemeldeten Nachrichten finden sich nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. April 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • TEPCO-Verantwortlicher räumt Kenntnis von Notfall-Richtlinien ein
  • Strahlungsanstieg an unterirdischem Lagertank weniger sprunghaft
  • Gemüse und Obst aus Fukushima unter Grenzwert

TEPCO-Verantwortlicher räumt Kenntnis von Kernschmelzen-Richtlinien ein: Mit Yuichi Okamura räumte erstmals ein hochrangiges Mitglied des Unternehmens TEPCO ein, Kenntnis von den Kriterien für die Klassifizierung einer Kernschmelze gehabt zu haben.

In einer gestern durchgeführten Pressekonferenz erklärte Okamura, ihm seien die Kriterien zwar bekannt gewesen – es habe sich dabei jedoch lediglich um „persönliches Wissen“ gehandelt, dass er sich während seiner 20 Jahre dauernden Tätigkeit angeeignet habe.

Aussagen darüber, ob er von der Existenz der schriftlichen Definition in den Notfallrichtlinien wusste, oder er sein vorgeblich rein persönliches Wissen mit Kollegen teilte, machte er nicht.

TEPCO hatte im Zuge der Fukushima-Katastrophe 2011 erst im Mai und damit zwei Monate nach den dramatischen Ereignissen eingeräumt, dass sich Kernschmelzen ereignet hätten.

Als Rechtfertigung verwies das Unternehmen damals darauf, dass es keine Grundlage gebe, auf deren Basis sich das Auftreten einer Kernschmelze tatsächlich definieren ließe.

Doch am 24. Februar 2016 gab das Unternehmen bekannt, man habe in einer Notfallrichtlinie genaue Kriterien gefunden, ab denen offiziell vom Zustand einer Kernschmelze zu sprechen ist.

Der Umstand, dass die Richtlinie mit der entsprechenden Kernschmelzen-Definition offenbar fünf Jahre lang einem Großteil der Belegschaft gänzlich unbekannt war, hatte zu Kritik am Sicherheitsbewusstsein des Unternehmens geführt.

Okamura erklärte, er sei zum Zeitpunkt der Katastrophe mit den Kühlmaßnahmen für Reaktor 4 beschäftigt gewesen und sei nicht in der Position gewesen, eine Erklärung über eine Kernschmelze zu veröffentlichen.

Über dieses erste Eingeständnis aus den Reihen der TEPCO-Führung berichtete die Asahi Shimbun.

Strahlungsanstieg an unterirdischem Lagertank weniger sprunghaft: Vergangene Woche hatte ein drastischer Strahlungsanstieg an einem Grundwassermessposten nahe eines  unterirdischen Lagertanks des AKW Fukushima Daiichi für Aufsehen gesorgt.

Tatsächlich hält dieser Aufwärtstrend weiter an, allerdings verläuft er nun weniger sprunghaft. Die bisherigen Entwicklungen im Überblick:

  • 05. April – keine Auffälligkeiten seit 30. März (gemeldet am 6. April)
  • 06. April – Anstieg von 87 auf 8.100 Becquerel (gemeldet am 7. April)
  • 07. April – Anstieg von 8.100 auf 9.300 Becquerel (gemeldet am 8. April)
  • 08. April – zunächst keine Auffälligkeiten (gemeldet am 9. April)
  • 09. April – Anstieg von 11.000 auf 16.000 Becquerel (gemeldet am 10, April)
  • 10. April – Anstieg von 16.000 auf 18.000 Becquerel (gemeldet am 11. April)
  • 11. April – Anstieg von 18.000 auf 22.000 Becquerel (gemeldet am 12. April).

Es wurden bereits Bedenken laut, an dem unterirdischen Lagertank könne ein Leck aufgetreten sein, was den Anstieg der Werte am Messposten erklären würde. TEPCO bestätigte diese Theorie jedoch noch nicht, sondern gab bekannt, die Entwicklung weiter verfolgen zu wollen.

Gemüse und Obst aus Fukushima unter Grenzwert: Eine Untersuchung von Obst und Gemüse aus der Präfektur ergab keine Überschreitung des Lebensmittelgrenzwerts von 100 Becquerel pro Kilogramm im Fiskaljahr 2015.

Es handelt sich somit um das dritte Fiskaljahr, in dem keine Grenzwert-Überschreitungen festgestellt wurden. Bei Wildgemüse, Meeresprodukten und Pilzen, bei denen es noch Überschreitungen gab, sanken die Belastungswerte kontinuierlich.

Diese Fortschritte werden auf die anhaltenden Dekontaminationsmaßnahmen in der Präfektur zurückgeführt. Über die Ergebnisse berichten Präfekturmedien.

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