Fukushima aktuell: TEPCO verbietet Pokémon Go auf AKW-Gelände

Fukushima aktuell: TEPCO verbietet Pokémon Go auf AKW-Gelände

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Artikelbild - Pokemon: Pikachu-Parade (Foto: Yoshikazu Takada, cc-by)
Pokémon: Nicht überall willkommen (Symbolfoto: Yoshikazu Takada, cc-by)

Wenn sich der Betreiber des AKW Fukushima heute dazu veranlasst sieht, seine Anlagen gegen digitale Monster zu verteidigen, mag das belustigen – für das Sicherheitspersonal bedeutet der neuste Smartphone-Hype dagegen hohe Aufmerksamkeit.

Unterdessen gehen die verschiedenen Arbeiten in Japan aktuell natürlich weiter. Die Details der Fukushima News gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 26. Juli 2016.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • TEPCO will Pokémon von AKW Geländen verbannen
  • Pokemon Go führt zu Zwischenfällen
  • Radioaktive Belastung bei Fisch sinkt weiter
  • Kontaminierte Abfälle aus Chiba umdeklariert
  • Umfrage: Regierung trifft bei AKW-Krisen auf Misstrauen
TEPCO will Pokémon von AKW Geländen verbannen

Der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi hat den Anbieter des beliebten Smartphone-Spiels „Pokemon Go“ aufgefordert, die Projektion virtueller Figuren auf den Kraftwerksgeländen zu unterbinden.

Zuvor hatte bereits die Atomaufsichtsbehörde NRA gewarnt, sowohl harmlose Spieler, als auch Terroristen könnten unter dem Vorwand der Pokemon-Jagd auf die gesicherten Anlagen gelangen.

Nach Angaben von TEPCO hätten Tests ergeben, dass mindestens auf einem der drei geprüften Kernkraftwerke des Unternehmens ein Pokemon-Charakter zu finden.

Geprüft worden waren die beiden AKW Fukushima Daiichi und Fukushima Daini, sowie das AKW Kashiwazaki-Kariwa (Präf. Niigata). Aus Sicherheitsgründen gab man den genauen Standort nicht preis.

Auch wurden die Beschäftigten durch ihren Arbeitgeber angewiesen, auf das Smartphone-Spiel innerhalb der Kraftwerksareale zu verzichten. Das berichtete die Kyodo.

Pokemon Go führt zu Zwischenfällen

Seit der Einführung des Spiels in Japan am vergangenen Freitag, gab es bislang mehr als 36 Unfälle im Zusammenhang mit Pokemon Go und mehr als 70 Straftaten. So wurden in Fukushima, Kyoto und Nagoya bereits spielende Radfahrer von der Polizei entdeckt.

Auch spielende Autofahrer habe man nach Angaben der Polizei bereits aufgegriffen, darunter mindestens einen Fahrer in der Präfektur Fukushima

In der Nähe der Stadt Mino (Präf. Gifu) wurde ein verirrter Brasilianer auf einer Autobahn aufgegriffen, nachdem er sich von einer Grillparty entfernt und im Spiel versunken war.

In Nagoya wurde eine Radfahrerin von einem Handtaschendieb beraubt. Er hatte ausgenutzt, dass sie während der Fahrt auf ihrem Smartphone spielte.

Die Polizei weist auf die Gefahren und die Gesetzesverstöße hin, die bei einer Gefährdung des Straßenverkehrs vorliegen. Über die Verstöße berichteten mehrere japanische Medien, darunter jiji, NHK und Präfekturmedien.

Radioaktive Belastung bei Fisch sinkt weiter

Alle 8.438 Proben von Meeresfischen und Schalentieren, die zwischen April 2015 vergangenen Jahres und März diesen Jahres vor der Küste der Präfektur Fukushima gefangen wurden, weisen Cäsiumwerte unter dem Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm auf.

Damit liegt nicht nur erstmals der Fang eines ganzen Jahreszeitraums gänzlich unterhalb des Grenzwerts, sondern in 91,27 Prozent der Fälle, lag die Belastung sogar unter dem Nachweiswert.

Damit ist ein deutlicher Rückgang festzustellen. Als Ursache wird die vergleichsweise geringe Halbwertszeit von Cäsium-134 genannt.

Um einen genauen Vergleich anstellen zu können, wurde bei der Berechnung durchweg der Grenzwert von 100 Becquerel angelegt, obwohl in der Akutphase der Krise übergangsweise auch 500 Becquerel pro Kilogramm als Richtwert galten.

Über die positive Entwicklugn berichteten Präfekturmedien.

Kontaminierte Abfälle aus Chiba umdeklariert

Bereits am Freitag sprach das Umweltministerium davon, den Status von radioaktiv kontaminiertem Abfall in der Stadt Chiba, nahe Tokyo aufzuheben und als konventionellen Müll behandeln zu wollen.

Am vergangenen Samstag war es schließlich soweit und erstmals wurde Abfall, der durch die Fukushima-Katastrophe kontaminiert worden war, zurückgestuft. Insgesamt 7,7 Tonnen konnten umdeklariert werden, da ihr Strahlungswert unter die Vorgabe von 8.000 Bequerel gesunken war.

Es handelt sich bei dem Material von 3,5 Tonnen Zeolit mit einer Cäsiumbelastung von 6.100 Becquerel und 4,2 Tonnen Verbrennungsasche mit einer Belastung von von 4.020 Becquerel pro Kilogramm, die sich in einem Mülllager des Stadtbezirks Mihama befinden.

Nachdem das Umweltministerium die Regelung im April ausgearbeitet hatte, stellte die Stadt Chiba im Juni den Antrag. Einer der Gründe hierfür ist, dass das Umweltministerium in jeder Präfektur gesonderte Lagerstätten für radioaktive Abfälle plant.

Die Stadt Chiba versucht nun offenbar der Verpflichtung als Standort für die gleichnamige Präfektur zu entkommen, da dort nunmehr keine kontaminierten Abfälle vorhanden sind.

Das umdeklarierte Material soll nicht wie Abfall entsorgt, sondern aus Rücksicht auf die Bürger weiter eingelagert werden – den Status als Standort von Atommüll ist die Stadt durch diesen Schachzug jedoch los.

Über die Umsetzung der Entscheidung berichteten jiji und Mainichi Shimbun.

Umfrage: Regierung trifft bei AKW-Krisen auf Misstrauen

Die Ergebnisse einer Umfrage bei 360 Bürgern in der Stadt Omaezaki, nahe dem AKW Hamaoka, die zwischen Mai und Juni durchgeführt wurde, zeigen das tiefe Misstrauen gegenüber der Regierung in Atomfragen.

Dazu befragt, welche Informationsquellen sie im Fall eines Kraftwerkskatastrophe als „am wenigsten vertrauenswürdig“ einstufen würden, gaben 29,2 Prozent der Befragten die Regierungsbehörden an.

Lediglich soziale Netzwerke schnitten mit 36,7 Prozent noch schlechter ab. Auf Platz drei der Misstrauenskandidaten folgten mit 11,9 Prozent unabhängige Fernsehberichte.

Zur „vertrauenswürdigsten Quelle“ befragt, scheinen den Menschen vor allem Quellen vor Ort zu sein. Auf Platz Eins schafften es „Präfekturen und Gemeinden“ mit 41,4 Prozent, während es die Regierung nur auf 11,7 Prozent schaffte..

Hirotada Hirose, emeritierter Professor an der Frauenuniversität Tokyo sieht in diesem Misstrauen ein Sicherheitsproblem. Im Katastrophenfall könnte das Vertrauen in die Evakuierungsfragen zu Schwierigkeiten führen.

Vor Reaktorneustarts müsste somit zunächst verloren gegangenes Vertrauen wiedergewonnen werden. Über diese Umfrage berichtete die Mainichi Shimbun.

 

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