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Fukushima aktuell: TEPCO veröffentlicht Video-Interview mit AKW-Angestellten

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Artikelbild - Fukushima-Arbeiter berichten (Video: TEPCO)
Fukushima-Arbeiter berichten (Video: TEPCO)

Nach dem gestrigen Gedenken, begann am AKW Fukushima heute wieder der Alltag. Betreiber TEPCO veröffentlichte gestern noch ein Video, muss heute jedoch erneut Probleme melden. Die Hintergründe der Kraftwerkskatastrophe sind immer noch nicht gänzlich geklärt, wie eine weitere Meldung zeigt.

Alle Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. März 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • TEPCO veröffentlicht Video-Interview mit AKW-Arbeiter
  • Leck im Untergeschoss von Reaktor 6
  • Strahlungsanstieg vor Wasserstoffexplosion gemessen
  • US-Atomexperte besucht AKW Fukushima
  • Gelöste Mutter aus Fukushima-Daini Reaktor 4 untersucht
  • Gedenken am AKW Fukushima
  • Rede der NRA zum Gedenktag

TEPCO veröffentlicht Video-Interview mit AKW-Beschäftigten: Gestern veröffentlichte der Kraftwerksbetreiber TEPCO ein Video, in dessen Verlauf mehrere Angestellte über die aktuelle Situation an sprachen. Dabei bezog sich das Material nur auf die Arbeiten an Reaktor 4.

Interview eines TEPCO-Beschäftigten, 11. März 2014 (Video: TEPCO)
Interview eines TEPCO-Beschäftigten, 11. März 2014 (Video: TEPCO)

So berichtet etwa ein Mitarbeiter der offenbar bei der Brennelementebergung in Reaktor 4 für den Einsatz der Arbeitskräfte verantwortlich ist. Er berichtet, dass die Strahlung in Reaktor 4 zwar geringer sei, als in den Reaktoren 1 und 3, dennoch bestehe diese natürlich.

Daher sei die Minimierung der Strahlungsbelastung für die Beschäftigten der zentrale Punkt der Planung.

Im weiteren Verlauf des Videos erzählt er, dass die Schutzkleidung, insbesondere das Tragen mehrerer Gummihandschuhe, die Durchführung von Detailarbeiten behindere. Da die tägliche Strahlungsbelastung der Beschäftigten nicht überschritten werden darf, gebe man ihnen einfache körperliche Arbeiten, die keine Feinmotorik erfordern.

In einem zweiten Beitrag berichtet ein Mitarbeiter über die Arbeiten an Reaktor 4. Das Gebäude weise einen Bereich mit großen Schäden auf, der nicht belastet werden sollte, so dass man eine L-förmige Abdeckung angebracht habe.

Selbst im Falle eines Erdbebens werde es keinen Kontakt zwischen Gebäude und Abdeckung geben. Ein 50 Zentimeter messender Zwischenraum soll hierfür ausreichen, da bei einem Erdbeben lediglich eine Bewegung von 20 Zentimetern eintreten würde.

Interview eines TEPCO-Angestellten (Video: TEPCO)
Interview eines TEPCO-Angestellten (Video: TEPCO)

Im letzten Interview wird auf die Sicherheit des Abklingbeckens Bezug genommen.  Das Becken im Inneren des Gebäudes sei verstärkt worden und der Zustand werde ständig durch Arbeiter kontrolliert. Aufgrund der Stahlkonstruktion des Schutzmantels um das Gebäude bestünden bei der Brennelementebergung keine Probleme.

Allerdings geschähen jeden Tag mehrere Dinge hintereinander, auf die man reagieren müsse. Der Angestellte berichtet, die Arbeiter würden sehr dazu angespornt durchzuhalten, man arbeite bereits so schnell wie möglich an der Dekontamination. Dies sei das oberste Ziel.

Mit dieser Erkenntnis endet das Video. Keiner der TEPCO-Beschäftigten wurde namentlich, oder mit der ihm zugeteilten Funktion genannt, jedoch wurden weder Stimmen verfremdet, noch Gesichter unkenntlich gemacht.

Leck im Untergeschoss von Reaktor 6: Auch wenn in Reaktor 4 schon 462 der insgesamt 1533 Brennelemente erfolgreich aus dem Abklingbecken ausgelagert wurden, die Regierung nun die Fortschritte bei den Dekontaminationsarbeiten beschwört und die Reaktortemperaturen kontrolliert werden, zeigen Lecks, dass die Situation keineswegs normal ist.

Am gestrigen Dienstag wurde gegen 12:22 Uhr bei der Kontrolle eines Sicherheitsventils, der Wasseraustritt an einem Rohr, sowie eine Wasserlache entdeckt.  Nachdem die temporäre Pumpe gegen 12:28 Uhr abgeschaltet worden war, endete auch der Wasseraustritt.

Die ausgelaufene Menge beläuft sich nach Angaben von TEPCO auf etwa 330 Liter. Wie sich herausstellte, gab es an zwei Stellen Wasserlachen – eine davon war etwa zwei Zentimeter tief und bedeckte eine Fläche von 3 x 2 Metern. Die zweite Lache war mit fünf Zentimetern deutlich tiefer und breitete sich auf 1,5 x 1 Metern aus.

Zum radioaktiven Material, dass im ausgetretenen Wasser nachgewiesen wurde, machte TEPCO folgende Angaben:

  • Cobalt-60: 2,4 × 10 4 Becquerel pro Liter
  • Mangan-54: 6,7 × 10 2 Becquerel pro Liter
  • Gammastrahler gesamt: 2,5 × 10 4 Becquerel pro Liter

Die Gesamtmenge an Gammastrahlern des Wassers wird mit 8,3 × 10 6 Becquerel angegeben. Der Kraftwerksbetreiber erklärte, man werde die Leckstelle im Auge behalten und die Ursache des Zwischenfalls ermitteln. Man gehe davon aus, dass das Wasser aus einem Transferschlauch stammt, der sich offenbar gelöst habe.

Strahlungsanstieg vor Wasserstoffexplosion gemessen: Nachdem das AKW Fukushima Daiichi am 11. März 2011 vom Tsunami getroffen worden war, zeichneten 14 Messposten um die Anlage alle 20 Sekunden die gemessenen Strahlungsdaten auf. Bei der Auswertung wurde eine Besonderheit festgestellt.

Die Reaktoren 1 und 1 des AKW Fukushima (Foto: TEPCO)
Die Fukushima-Reaktoren 1 und 2 am 6. Mai 2011 (Foto: TEPCO)

An einem Messposten, der sich 5,6 nordwestlich der Kraftwerksanlage befand, wurden Daten erfasst, die am 12. März 2011 um 14:10 Uhr – und damit eine Stunde vor der Wasserstoffexplosion von Reaktor 1 – einen Anstieg der Radioaktivität in der Umgebung belegen.

Nach Ansicht von Masamichi China, Forschungsleiter der Japanischen Atomenergiebehörde JAEA ist dieser Anstieg der Umgebungsradioaktivität möglicherweise auf Notfallmaßnahmen, wie etwa die Entlüftung zum Druckausgleich zurückzuführen, die zehn Minuten zuvor eingeleitet worden war.

Wie die NHK berichtet, könnte dabei die Maßnahme, die radioaktiv kontaminierte heiße Luft zunächst durch Wasser zu leiten, um den Wert an radioaktivem Cäsium auf ein Tausendstel des Ursprungswerts zu reduzieren, möglicherweise nicht den gewünschten Effekt gehabt haben.

Die Daten sind für Wissenschaftler dennoch interessant, da sie Aufschlüsse darüber geben, wie radioaktives Material in die Umwelt gelangt und wie effektiv der Druckausgleich und die Filterung des radioaktiven Materials sind.

US-Atomexperte besucht AKW Fukushima: Anlässlich des gestrigen Jahrestags besuchte der frühere Vorsitzende der US-Atomaufsicht, Dr. Dale Klein die Anlage und hielt aus gegebenem Anlass eine Rede zu den Entwicklungen vor Ort.

AKW Fukushima: Dr. Dale Klein spricht am 11. März 2014 zu Kraftwerksarbeitern (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Dr. Dale Klein spricht am 11. März 2014 zu Kraftwerksarbeitern (Foto: TEPCO)

Er würdigte die Anstrengungen und sprach davon,  dass man vom Einsatz aller Beteiligten -vom hochrangigsten Verantwortlichen bis zum einzelnen Kraftwerksarbeiter – und den Bemühungen um Wiederaufbau und Schaffung einer sichereren Zukunft, nichts anderes als beeindruckt sein könne.

Die Vereinigten Staaten und andere Nationen beobachteten nicht nur jeden Schritt aufmerksam, sondern bereit, Hilfe zu leisten. Aufgrund des Umstands, dass man dem Klimawandel begegnen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern müsse, stelle Kernkraft einen wichtigen Faktor dar.

Dr. Dale erklärte, seit Beginn der Krise vor drei Jahren habe man große Fortschritte erzielt, insbesondere die Bergung der Brennelemente. Die strukturellen Verstärkungen am AKW Kashiwazaki-Kariwa, die Voraussetzungen für einen Neustart sind, erwähnte Dr. Dale ebenfalls anerkennend.

Er warnte jedoch auch vor überzogenen Erwartungen, da es immer wieder Rückschläge und Enttäuschungen geben werde. Langfristig müsse TEPCO eine „Sicherheitskultur“ im Unternehmen entwickeln. Technischer Fortschritt sei wichtig, es bedürfe aber auch geschulter Fachkräfte.

Gelöste Mutter aus Fukushima-Daini Reaktor 4 untersucht: Am 6. Februar 2014 bargen Angestellte eine Mutter mit einem Außendurchmesser von einem Zentimeter aus der Kondensationskammer von Reaktor 4. Der Fund habe keine Auswirkungen auf den Zustand der Anlage.

Fukushima Daini: Gelöste Mutter und Stahlstruktur am 6. März 2014 (Foto: TEPCO)
Fukushima Daini: Gelöste Mutter und Stahlstruktur am 6. März 2014 (Foto: TEPCO)

Nun gab TEPCO das Ergebnis der Untersuchungen bekannt. Demnach war bei der Kontrolle mehrerer Bereiche, an einer Stelle das Fehlen einer Mutter festgestellt worden. An vier weiteren Stellen habe man lockere Muttern entdeckt.

Als Ursache für diesen Umstand vermutet TEPCO, das die Vibrationen, die beim Gehen auf dem dortigen Gitter entstehen, zur schrittweisen Lösung geführt haben könnten.

Dies ist offenbar kein baulicher Fehler, sondern eine Folge der Katastrophe, da bei vergleichbaren Kontrollgängen im Jahr 2010 keine derartigen Mängel aufgefallen waren. Nach der Katastrophe sei die erste Kontrolle im Februar 2013 durchgeführt worden.

Zu diesem Zeitpunkt sei es jedoch um die direkten Einwirkungen der Naturkatastrophen auf die Anlage gegangen, so dass man die Beschläge und Muttern nicht explizit geprüft habe.

Um derartige Fälle in Zukunft zu verhindern, will TEPCO die Beschäftigten anweisen, nach Beendigung von Kontrollen auch eine manuelle Prüfung dieser Strukturen durchzuführen. Diese zusätzlichen Maßnahmen würden in die Richtlinien zur Kontrolle übernommen.

Gedenken am AKW Fukushima: Mit einer Schweigeminute gedachten Naomi Hirose, Präsident des Unternehmens, sowie Yoshiuki Ishizaki, Vertreter der Zentrale für den Wiederaufbau von Fukushima, bei einem Besuch des AKW Fukushima Daiichi, der Opfer der Tohoku-Katastrophen.

AKW Fukushima: Gedenkminute am 11. März 2014 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Gedenkminute am 11. März 2014 (Foto: TEPCO)

Anschließend dankte Hirose in einer Ansprache den Angestellten für ihren Einsatz an der Anlage und ermutigte sie, ihre Bemühungen fortzuführen. TEPCO veröffentlichte mehrere Fotos auf denen, neben den Ansprachen, auch die Gedenkminute festgehalten wurde.

Es gibt bislang noch kein Todesopfer, das offiziell mit der freigesetzten Radioaktivität der Anlage in Verbindung gebracht wird. Dennoch hat TEPCO durchaus Anlass zu der Schweigeminute, gab es doch auch seit Beginn Fukushima-Katastrophe bereits Todesfälle, die mit dem Unternehmen in Verbindung stehen.

So war ein Kraftwerksarbeiter im Mai 2011 zusammengebrochen und verstorben. Personen, die aufgrund der Evakuierung an Erschöpfung, oder aufgrund mangelnder medizinischer Versorgung starben, werden ebenfalls als „Todesfälle mit Katastrophenbezug“ gewertet.

Der frühere Kraftwerksleiter  Masao Yoshida starb im Juli 2013 an Schilddrüsenkrebs – die Erkrankung hat jedoch nach Angaben von TEPCO keinen Bezug zu seiner Arbeit. Yoshida hatte seine persönliche Strahlungsbelastung stets verschwiegen.

Rede der NRA zum Gedenktag: Auch die Leitung der Atomaufsicht NRA, nutzte den dritten Jahrestag des 3/11 für eine Rede vor etwa 700 Angestellten. Der Vorsitzende Shunichi Tanaka sprach davon, wann immer er mit Menschen aus der Präfektur Fukushima spreche, erinnere er sich an die große Bedrängnis und das Leid durch die AKW-Katastrophe.

Er forderte die Angestellten auf, den Fukushima-Unfall nicht zu vergessen. Man müsse sich bewusst sein, dass die Menschen, die aufgrund der Katastrophe fliehen mussten, bei jedem Problem an irgendeinem AKW erneut an ihre Erfahrungen erinnert würden. Es sei erforderlich, mitfühlend zu sein. Hirose selbst stammt aus Fukushima.

Im Hinblick auf die zehn Sicherheitsprüfungen an AKW und im Bezug auf mögliche Neustarts betonte der NRA-Vorsitzende, die Mitarbeiter müssten ihre Pflicht erfüllen und stets daran denken, dass es darum gehe, Unfälle an Atomanlagen zu verhindern. Über  die Rede berichtete die NHK.

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