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Fukushima aktuell: TEPCO verschwieg Strahlungsgrad radioaktiver Abwässer

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Artikelbild: Offizielles Foto des AKW Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
Das AKW Fukushima Daiichi: (Foto: TEPCO)

Neue Enthüllungen machen im Bezug auf das jüngste Wasserleck am AKW Fukushima heute deutlich, dass TEPCO offenbar noch mehr Nachlässigkeiten beging, als einen Schlauch unsachgemäß zu verwenden und trotz Abnutzung nicht zu ersetzen. Den aktuellen Stand der Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 3. Juni 2015.

Unsere heutigen Themen:

  • Sicherheitsbehörde wurde nicht über Strahlungsgrad radioaktiver Abwässer informiert
  • Schulen in Fukushima weisen geringe Erdbebensicherheit auf
  • Aufzüge sollen mit Notversorgung versehen werden
  • Haftbefehl nach Drohnenaktion von Atomkraftgegner

Sicherheitsbehörde wurde nicht über Strahlungsgrad radioaktiver Abwässer informiert: Nachdem wahrscheinlich scheint, dass mehrfache Versäumnisse ursächlich für ein radioaktives Wasserleck waren, werden in diesem Zusammenhang weitere Mängel bekannt.

Wie heute auf einem Treffen der Atomaufsichtsbehörde NRA bekannt wurde, informierte der Kraftwerksbetreiber TEPCO die Behörde nicht korrekt über den Gehalt an radioaktivem Material.

War zunächst nur davon die Rede, durch die Schlauchleitung werde Abwasser transferiert, dass bei der Filterung von Regenwasser anfällt, hat das Unternehmen offenbar seit Mitte Mai stärker radioaktiv belastetes Wasser dazugeleitet.

Da hierzu auch eine Mischung aus Grundwasser mit dem extrem radioaktiv kontaminiertem Abwasser aus den Kellern der Turbinengebäude gehörte, waren die Strahlungswerte wahrscheinlich höher, als zunächst von TEPCO bekannt gegeben.

Der AKW-Betreiber hatte die Änderung der Wassermischung in der Leitung vor dem Leck nicht an die Kontrollinstanz NRA weitergegeben.

Deren Vorsitzender, Shunnichi Tanaka, verurteilte das absolute Versagen des Unternehmens beim Wassermanagement und forderte schärfere Kontrollen. Das berichtete die NHK.

Schulen in Fukushima weisen geringe Erdbebensicherheit auf: 5.212 der insgesamt 120.000 Schulen in Japan sind nicht erdbebensicher. In 814 Fällen besteht Einsturzgefahr bei Erdbeben.

Im Fall der Schulgebäude befinden sich unter den zehn unsichersten Gemeinden gleich drei Städte der Präfektur Fukushima.

So liegt bei der Zahl unsicherer Schulgebäude die Stadt Fukushima auf Platz sechs, (72 Gebäude), die Stadt Iwaki auf Platz neun (63 Gebäude) und Koriyama auf dem zehnten Platz (62 Gebäude).

Aus den Untersuchungsergebnissen vom 1. April geht zudem hervor, dass die Präfektur Fukushima mit 84,9 Prozent die zweitniedrigste Rate an erdbebensicheren Gebäuden aufweist.

Japan will bis Ende des Fiskaljahres landesweit die vollständige Erdbebensicherheit erreichen. Ob dieser Zeitraum für die Nachbesserungen in Fukushima ausreichen wird, ist jedoch unklar.

Doch nicht nur bei den getesteten Grund- und Mittelstufenschulen hat die Präfektur Defizite.

Bei erdbebensicheren Kindergärten liegt man auf Platz 31 (83,8 Prozent), bei Hochschulen auf Platz 39 (87,6 Prozent) und damit unter dem landesweiten Durchschnitt.

Im Fall der Erdbebensicherheit von Sonderschulen wurde mit 85,4 Prozent sogar der geringste Prozentsatz von ganz Japan erreicht.

Als Ursache für das schlechte Abschneiden der Schulgebäude wird die Konzentration auf Dekontamination und Wiederaufbau genannt. Über diese Defizite berichteten Kyodo und Präfekturmedien.

Aufzüge sollen mit Notversorgung versehen werden: Wie das Ministerium für Infrastruktur am gestrigen Dienstag bekannt gab, sollen Fahrstühle künftig Trinkwasser und portable Toiletten beinhalten.

Darauf habe man sich mit Vertretern der Fahrstuhlindustrie verständigt. Die Maßnahme ist eine Reaktion auf das schwere Erdbeben vom Samstagabend.

Als Folge waren in Japans Hauptstadt Tokyo und angrenzenden Präfekturen etwa 19.000 Fahrstühle stehen geblieben. In 14 Fällen konnten die Fahrstuhlkabinen nicht verlassen werden und bei einem Fall vergingen bis zur Befreiung 70 Minuten.

Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga forderte bereits am Montag vom Ministerium für Infrastruktur die Ausarbeitung von Maßnahmen, die eine schnellere Wiederinbetriebnahme nach Erdbeben ermöglichen sollen.

Die Thematik ist keineswegs neu und war beispielsweise im Januar 2014 aufgekommen. Beim Tohoku-Großbeben 2011 waren alleine in Tokyo an 84 Gebäuden Aufzüge stehen geblieben. Einige Personen konnten damals erst nach mehr als neun Stunden befreit werden.

Etwa 60 Prozent aller Fahrstühle sind mit einem Erdbeben-Notsystem ausgestattet, das die Kabine automatisch beim nächstgelegenen Stockwerk anhält und die Türen öffnet.

Stromausfälle können diese Notsysteme jedoch außer Kraft setzen. In Japan verfügen schätzungsweise 620.000 der öffentlichen und Geschäftsgebäude über Aufzüge.

Etwa 20 Prozent befinden sich in Tokyo. Über die Pläne zur Notausstattung der Aufzüge berichteten Kyodo und jiji.

Haftbefehl nach Drohnenaktion von Atomkraftgegner: Die Landungen einer Drohne auf dem Gebäude des Premierministers hatte im April für Aufsehen gesorgt – nicht zuletzt aufgrund des Umstands, dass das unbemannte Flugobjekt radioaktiv kontaminierten Sand mit sich führte.

Nun will die Regierung nicht nur ein Flugverbot für Drohnen von Privatpersonen innerhalb von Wohngebieten erwirken, sondern hat auch einen neuen Haftbefehl gegen den verantwortlichen Atomkraftgegner erwirkt.

Dem 40 Jahre alten Yasuo Yamamoto wird nun auch ein Verstoß gegen des Sprengstoffkontrollgesetz vorgeworfen, nachdem an der Drohne Umbauarbeiten an Signalleuchten festgestellt und Schwarzpulver aus Dutzenden von Gewehrkugeln entdeckt wurden.

Eine weitere Hausdurchsuchung soll nun klären, welchen Zweck Schwarzpulver und Umbauten hatten. Hierüber berichtete die NHK.

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