Fukushima aktuell: TEPCO verschwieg Wasserlecks zwei Tage lang

Fukushima aktuell: TEPCO verschwieg Wasserlecks zwei Tage lang

Verzögerte Bekanntgabe von Erdbebenfolgen am AKW Fukushima Daini

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Artikelbild zeigt Dokumente und Papierstapel (Foto: Sebastien Wiertz flickr cc-by)
AKW Fukushima Daini: TEPCO hielt Bericht über Wasserlecks zurück (Foto: Sebastien Wiertz, cc-by)

TEPCO dürfte mit seiner Informationspolitik zu seinem zweiten Kernkraftwerk in Fukushima heute auf wenig Gegenliebe gestoßen sein. Allerdings gibt auch an anderer Stelle die aktuelle Situation in Fukushima keinen Anlass zur Freude.

Die Details der aus Japan aktuell gemeldeten Fukushima News gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 25. November 2016.

  • Wasserlecks nach Erdbeben zwei Tage lang verschwiegen
  • 19 Sondergebäude in der Präfektur mit hohem Erdbebenrisiko
  • Alterungserscheinungen an mehreren Übergangshäusern
Wasserlecks nach Erdbeben zwei Tage lang verschwiegen

Wie TEPCO gestern zugab, sind bei dem Erdbeben am 22. November am AKW Fukushima Daini an den Abklingbecken der Reaktoren 2 bis 4 insgesamt 11 teils stark radioaktive Wasserlachen mit einer Gesamtmenge von etwa 485 Litern festgestellt wurden.

Das Unternehmen geht davon aus, das Wasser aufgrund der Erschütterungen des Erdbebens durch eine Leitung aus dem Becken gelaufen war. Die maximale Konzentration an radioaktivem Material lag bei 18.600 Becquerel pro Liter.

Zusätzlich traten etwa 40 Liter durch ein Nebenbecken aus, in dem sich die Kontrollelemente befinden. Das Wasser gelangte jedoch nicht aus dem Gebäude hinaus, so dass keine Gefahr für die Umwelt besteht.

Befragt, weshalb man diesen Fund nicht schon am Tag des Erdbebens öffentlich bekannt gemacht hatte, erklärte TEPCO, der Zustand des AKW Fukushima Daini  sei nicht Thema der Berichte gewesen.

Anders als am AKW Fukushima Daiichi, wo die Verschleierung der Kernschmelze zu einer Transparenzoffensive des Unternehmens geführt hatte, bleibt unklar, nach welchen Kriterien mögliche  Ereignisse am AKW Fukushima Daini als berichtenswert beurteilt werden.

Die TEPCO-Führung ist jedoch bereit nachzubessern und will zumindest Meinungen in dieser Angelegenheit einholen. Das berichten Präfekturmedien.

19 Sondergebäude in der Präfektur mit hohem Erdbebenrisiko

Eine Untersuchung von 113 Gebäuden, die mehr als drei Stockwerke haben, vor 1981 gebaut wurden und als Schulen, Krankenhäuser oder andere wichtige Einrichtungen dienen, ergab in 19 Fällen ein hohes Risiko, bei Erdbeben ab Stärke 6 einzustürzen.

Auch wenn mittelschwere Erdbeben somit keine Gefahr darstellen, will die Präfektur durch die Veröffentlichung der Daten Flagge zeigen und das Bewusstsein für Erdbebensicherheit verbessern.

Insgesamt 66 der 113 untersuchten Gebäude entsprechen dem aktuellen Sicherheitsstandard, während sie in 44 Einrichtungen nicht gänzlich erreicht wurden (darunter auch die 19 Gebäude mit hohem Einsturzrisiko bei starken Beben).

An drei der getesteten Gebäude fanden Bauarbeiten statt, so dass sie von den Untersuchungsergebnissen ausgenommen wurden.

Da nach dem Gesetz in keinem der Fälle eine Nachbesserung vorgeschrieben ist, könnten die notwendigen Arbeiten, je nach Art der Einrichtung, Verzögerungen unterliegen. Das berichteten Präfekturmedien.

Alterungserscheinungen an mehreren Übergangshäusern

Am gestrigen Donnerstag gab die Präfekturleitung die Ergebnisse der Untersuchung des Zustands von Übergangshäusern und anderen Gebäuden in der Präfektur bekannt. Das Ergebnis ist für die Bewohner alles andere als beruhigend.

Zwischen Mitte Juni und Mitte November wurden 170 Wohnsiedlungen untersucht. Das entspricht 15.326 Wohnungen in 3.458 Gebäuden. Dabei wurde in 293 Wohnungen Schäden festgestellt.

Es handelt sich vor allem um das Risiko einer Seitwärtsneigung des Gebäudes aufgrund der Zersetzung hölzerner Grundstreben und des Termitenbefalls.

Außenansicht von Übergangshäusern (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Außenansicht von Übergangshäusern (Foto: Copyright by Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Insgesamt wurde in fünf Wohnkomplexen in der Stadt Iwaki, zwei Komplexen in Fukushima Stadt und einem Komplex in der Stadt Nihonmatsu entsprechende Schäden nachgewiesen.

Nachdem auch an einigen Dämmen strukturelle Schäden festgestellt wurden, will die Präfektur entsprechende Gegenmaßnahmen treffen.

So soll eine Verstärkung durch Stahlstreben erfolgen und das Termitenproblem durch Einsatz von Insektiziden eingedämmt werden. Auch Defekte an technischen Vorrichtungen, wie Antennen und Klimaanlagen sollen repariert werden.

Die Präfektur kündigte an, die Reparaturarbeiten schrittweise durchzuführen. Mit einem Abschluss der Arbeiten wird gegen Ende Januar 2017 gerechnet.

Ursache für die Mängel ist der Umstand, dass die Gebäude nach dem Tohoku-Großbeben und Tsunami 2011 zur temporären Unterbringung für evakuierte Bürger errichtet wurden und eine Betriebsdauer von zwei Jahren geplant war.

Doch fünf Jahre und acht Monate nach den Katastrophen leben immer noch etwa 14.000 Menschen in immerhin 7.592 Übergangshäusern, während andere noch nicht demontiert wurden.

Daher plant die Präfektur eine Verlegung der bislang verbliebenen Einwohner in Sozialwohnungen für Katastrophenopfer. Doch man hinkt dem Zeitplan hinterher und von den geplanten 4.890 Wohnungen sind bislang nur 1.994 fertig. Das berichten Präfekturmedien.

 

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