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Fukushima aktuell: TEPCO verteidigt Rückzahlungsforderungen

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Artikelbild AKW Fukushima: Arbeiter in einem Ruheraum im Juni/Juli 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Arbeiter: Bislang wenig Zusagen für Gesundheits-Checks (Symbolfoto: TEPCO)

Während im Netz die Verbreitung des Hoaxes über angeblich neuere Atomexplosionen am AKW Fukushima langsam abnimmt, erklärt Japans Minister für Wiederaufbau in seiner gestrigen Neujahrsansprache für die Beschäftigten, die Präfektur Fukushima werde in diesem Jahr oberste Priorität haben und große Fortschritte machen.

Unterdessen kämpft der Betreiber des AKW Fukushima heute gegen Vorwürfe von  Ungleichbehandlung gegenüber Angestellten. Weitere Fukushima News und sonstige Meldungen nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 7. Januar 2014.

Unsere heutigen Themen:

  • TEPCO verteidigt Rückzahlungsforderungen
  • Wasserleck an Kühlsystem in Turbinengebäude
  • Bau von Verbrennungsanlage für radioaktive Abfälle begonnen
  • Sicherheitsprüfung von Wiederaufarbeitungsanlage beantragt
  • TEPCO bestätigt geplanten Wechsel des Vorsitzenden
  • Früherer Fukushima-Arbeiter ergänzt Angaben über Mängel

TEPCO verteidigt Rückzahlungsforderungen: Der Kraftwerksbetreiber TEPCO wehrt sich in einer heutigen Presseerklärung gegen die Berichterstattung zur Rückzahlung von Entschädigungsleistungen gegenüber Beschäftigten.

Aufgrund angeblicher Änderungen im Evakuiertenstatus nach Wohnortwechseln, hatte das Unternehmen sowohl von Beschäftigten, als auch von deren Familien, Rückzahlungen in Millionenhöhe gefordert und ihnen Privilegien entzogen (Spreadnews berichtete am gestrigen Montag).

Das Unternehmen erklärte nun, die ursprüngliche Berichterstattung der Asahi Shimbun sei nicht korrekt gewesen.

Japanische Yen-Banknoten (Foto: pd)
TEPCO rechtfertigt Entschädigungspolitik (Foto: pd)

Man habe die Handhabung der Entschädigungszahlungen nicht davon abhängig gemacht, ob die Betroffenen zur Familie eines Angestellten gehörten oder nicht.

Insbesondere wenn Einzelheiten ans Licht kämen, welche eine detailliertere Sicht ermöglichten, leistete man hinreichende Entschädigung unter Berücksichtigung der Lebensumstände von Arbeitern und Angehörigen vor und nach dem Reaktorunglück.

Dabei habe es im Vergleich zu anderen Bewohnern der Präfektur Fukushima keine Sonderbehandlung gegeben.

Im Übrigen würden finanzielle Forderungen des Unternehmens im Fall von fehlerhaften Informationen und Inhalten der Anträge allgemein erfolgen, unabhängig davon, ob Teile der Familie in einem Beschäftigungsverhältnis zum Elektrizitätskonzern TEPCO stünden. Letztlich handele es sich immer um Einzelfallprüfungen.

Wasserleck an Kühlsystem in Turbinengebäude: Gestern entdeckten Angestellte bei einem Rundgang im Turbinengebäude von Reaktor 5, gegen 22:21 Uhr dass am Sicherheitsventil eines Rohres, das zur Kühleinheit für den Generator gehört, Wasser austrat. Ein Schließen des Ventils führte zum Stopp des Wasseraustritts.

Da in dem Kühlsystem ausschließlich sauberes Wasser genutzt wird, wurde keine Kontamination festgestellt. Offenbar waren an zwei Stellen große Wasserlachen entstanden, die 800 bzw. 125 Liter umfassten. Bei der ersten Betrug die Lache etwa 2 x 4 Meter, im zweiten Fall 5 x 5 Meter.

Bau von Verbrennungsanlage für radioaktive Abfälle begonnen: Am gestrigen Montag wurde in der Ortschaft Tokai (Präf. Ibaraki) mit dem Bau einer Verbrennungsanlage für gering belastete Abfälle begonnen. Das beauftragte Unternehmen hatte jedoch bereits vor einigen Jahren keinen guten Start.

Symbolbild: Atommüllfass (Foto: pd)
Pläne zur Entsorgung von kontaminiertem Abfall vorangetrieben (Symbolbild: pd)

Die JCO, ein Subunternehmen von Sumitomo Metal Mining hatte 1999 ihre Lizenz für die Verarbeitung derartiger Abfälle verloren, nachdem im September zwei Arbeiter aufgrund der versehentlich freigesetzten Strahlung verstorben und mehr als 660 Personen im Umkreis, darunter auch Einwohner des Ortes, radioaktiver Belastung ausgesetzt waren.

Das Unternehmen hofft nun, die Verbrennungsanlage im November diesen Jahres in Betrieb nehmen zu können, um zunächst Altöl und dann schwach radioaktive Objekte, wie Arbeitskleidung und Dokumente dort einzuäschern. Als oberste Priorität werde dabei die Sicherheit beim Einsatz der Anlage stehen, versicherte JCO.

Zu den Gegenständen die entsorgt werden sollen, zählen auch 700 Metallfässer, die jeweils ein Fassungsvermögen von 200 Litern hat. Das Unternehmen erklärte, durch das Luftfiltersystem der Anlage könne kein radioaktives Material hinaus gelangen. Über diese Pläne berichtete die NHK.

Sicherheitsprüfung von Wiederaufarbeitungsanlage beantragt: Der Betreiber der Wiederaufarbeitungsanlage in Rokkasho (Präf. Aomori) plant bis Oktober die Fertigstellung der Arbeiten und beantragte daher bereits am heutigen Dienstag die Sicherheitsprüfung durch die Atomaufsichtsbehörde NRA.

Ausgehend davon, dass die Prüfung ein halbes Jahr benötigen werde, berichtete die Betreiberfirma Japan Nuclear Fuel Ltd. man werde alles tun, um die seit Dezember 2013 geltenden Sicherheitsregeln für Nuklearbetriebe einzuhalten und die Prüfung so reibungslos wie möglich verlaufen zu lassen.

Es wäre damit die erste Sicherheitsprüfung an einer dortigen Anlage seit Einführung der neuen Sicherheitsregeln.

Allerdings sind die Aussichten weniger klar definiert, als vom Betreiber dargestellt. Weder ist der tatsächliche Zeitraum, den die Prüfung andauern wird deutlich, noch ist absehbar, ob die Anlage tatsächlich eine Genehmigung zum Vollbetrieb erhalten wird.

Bereits jetzt hat das Unternehmen zusätzliche Maßnahmen wie Wasserpumpen und Sprühanlagen für schwere Zwischenfälle angebracht und auch die Erdbebensicherheit wurde auf Basis der umfassenderen Anforderungen verstärkt. Manch einer wird den Bemühungen viel Glück wünschen, kam es doch aufgrund von Problemen an der Anlage bereits 21 Mal zu Verzögerungen bei der Fertigstellung

Über die Antragstellung bei der NRA berichteten unter anderem Kyodo, jiji und NHK.

TEPCO bestätigt geplanten Wechsel des Vorsitzenden: Wie bereits gestern angekündigt, bestätigte der Elektrizitätskonzern TEPCO heute, der bisherige Vorsitzende Kazuhiko Shimokobe (66) werde sein Amt in einigen Monaten niederlegen. Bei seinem Nachfolger, der zum 1. April 2014 sein Amt antreten wird, handelt es sich um dem 72 Jahre alten Fumio Sudo.

Hauptsitz der JFE Holdings (Fot: pd)
JFE Holdings: Arbeitgeber des künftigen TEPCO-Vorsitzenden (Fot: pd)

Da Shimokobe bislangs bei JFE Holdings Inc. , einem großen Unternehmen der Stahlindustrie und Logistik tätig war, handelt es sich um einen Außenseiter, von dem man sich eine Beschleunigung bei Neustrukturierung und Wiederaufstieg des Unternehmens erhofft.

Bereits jetzt traft sich Premierminister Shinzo Abe mit dem künftigen TEPCO-Vorsitzenden und bat ihn, all seine Fähigkeiten und Möglichkeiten zur Kontrolle der Situation am AKW Fukushima Daiichi einzusetzen.

Darüber hinaus forderte er eine Abkehr vom selbstgefälligen Status als lokale Monopolist und eine Hinwendung zu wettbewerbsorientierten Management.

Außerdem wandte sich Abe auch indirekt an die Angestellten und erklärte, sie sollten sich den Umstand zu Herzen nehmen, dass die Aufgabe des Unternehmens die Entschädigung, die Stilllegung und die stabile Stromversorgung sei. Über die aktuellen Entwicklungen berichteten jiji und NHK.

Früherer Fukushima-Arbeiter ergänzt Angaben über Mängel: Der frühere Kraftwerksarbeiter Yoshitatsu Uechi, führte am Samstag gegenüber der Asahi Shimbun seine bislang gemachten Erklärungen über die nachlässige Arbeit an den Wassertanks weiter aus.

Uechi hatte zuvor in einem Interview mit einer anderen Zeitung vom Auftragen von Rostschutzmittel bei strömendem Regen, ungleichmäßigem Betonfundamenten und schlechter Abdichtung von Wassertanks gesprochen (Spreadnews berichtete bereits am 23. Dezember 2013).

Der zwischen 2. Juli und 6. Dezember 2012 an den Tanks beschäftigte Arbeiter aus der Präfektur Okinawa berichtete, dass er an mehreren Bereichen, auch dem H3, an dem später starke Wasserlecks auftraten, tätig gewesen sei und schilderte das Vorgehen bei der Arbeit.

So seien einige der fast zehn Meter hohen Tanks an der Oberseite nur durch Klebeband gesichert gewesen. Für die Ersetzung dieser provisorischen Sicherung durch Stahldeckel, wurde er angewiesen nur vier Bolzen zu nutzen, obwohl sich dort acht Bolzenöffnungen befanden.

Allgemein sei viel auf bereits genutztes Material zurückgegriffen und improvisiert worden. Bei der Vorbereitung der Betonfundamente habe man Drahtnetze, statt der erforderlichen verstärkenden Träger genutzt. Die Arbeiter wurden angewiesen, sich aufgrund der Strahlung auch außerhalb der Tanks dort fernzuhalten.

Mit diesen Aussagen ergänzt Uechi die bereits im Dezember 2013 gemachten Angaben also lediglich um Details. Sein Arbeitgeber, die Taisei Corporation, für dessen Subunternehmen dritter Stufe er tätig war, lehnte einen Kommentar zu „einzelnen Bauprojekten“ ab. Alle Projekte würden auf angemessene Weise durchgeführt und überwacht.

1 KOMMENTAR

  1. Die Bilder aus Fukushima zeigen wie hilflos der Mensch agiert um den unsichtbaren Feind zu bekämpfen. Ebenso töricht und dumm wie in Tchernobyl als man Menschen opferte um mit schaufeln das Desaster zu beseitigen. Die Bilder vom Reaktorunglück von Tchernobyl haben sich in mein Gehirn gebrannt und werden dort für immer bleiben . Noch heute lösen diese in mir Wut und Trauer aus,Wut über Politiker die uns noch heute glaubhaft machen wollen das Atomkraft die sicherste und sauberste Art ist Strom zu erzeugen .verbuddeln aber hochradioaktiven Atommüll in der Erde, ohne auch nur einen Gedanken an zukünftige Generationen zu verschwenden.es gibt definitiv keine Lösung für den ganzen erzeugten radioaktiven Dreck.stattdessen karrt man den ganzen atomaren Müll quer durch Europa,von Deutschland nach Frankreich ,von Frankreich wieder zurück nach Deutschland. Ganze Landstriche sind in Fukushima sowie in Tchernobyl für Jahrtausende unbewohnbar . Einige der freigesetzten Stoffe haben eine Halbwertzeit von ca.10 000 Jahren und mehr . Wütend macht mich das aus reiner Profitgier sorglos weiter gemacht wird als hätte es die beiden Supergaus nie gegeben.
    Trauer lösen die beiden Reaktorunglücke aus wenn ich an all die Opfer denke die ihr Leben geopfert haben,(oder mussten).von denen die noch heute unter den Spätfolgen Leiden spricht doch keiner mehr.

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