Start Aktuelles Fukushima aktuell: TEPCO von hoher Strahlung in Reaktor 3 überrascht

Fukushima aktuell: TEPCO von hoher Strahlung in Reaktor 3 überrascht

3510
0
TEILEN
Artikelbild - Fukushima-Reaktor 3: Betondeckel im November 2013 vor der Dekontamination (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Betondeckel im November 2013 vor der Dekontamination (Foto: TEPCO)

TEPCO meldet im Bezug auf die Dekontamination am AKW Fukushima heute einen unerwarteten Rückschlag und kann lediglich auf erfolgreiche Routine verweisen, während neue Probleme auftauchen Den genauen Inhalt der Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 28. November 2014.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Unerwartete Dekontaminationsprobleme an Reaktor 3
  • Kühlsystemprobleme entstanden durch menschliches Versagen
  • Verklappung vor Wochenende durchgeführt
  • Unfaire Verträge bei AKW-Arbeitern

Unerwartete Dekontaminationsprobleme an Reaktor 3: Wie die Betreiberfirma und die japanische Regierung eingestehen mussten, wird sich die Dekontamination stark radioaktiv belasteter Reaktorgebäude am AKW Fukushima Daiichi deutlich schwieriger gestalten, als bislang erwartet.

Das deutlichste Beispiel hierfür ist das Gebäude von Reaktor 2, das praktisch nur von Robotern untersucht werden kann und dort Bereiche bestehen, in denen derzeit nicht einmal ein Robotereinsatz möglich ist.

Doch nun zeigt sich, dass auch die geplante Stilllegung von Reaktor 3 unerwartet Hindernissen begegnet. So wurden nach der Abtragung von Deckschichten im oberen Bereich des Gebäudes erwartet, dass diese Dekontaminationsmaßnahme das Strahlungsniveau auf ein Millisievert senken und damit den Einsatz menschlicher Arbeiter ermöglicht würde.

Nun ergaben bereits Berechnungen von TEPCO, dass selbst nach den geplanten zusätzlichen Dekontaminationsarbeiten, das Strahlungsniveau in vielen Bereichen immer noch über 10 Millisievert liegen und im Fall besonders belasteter Bereiche sogar bis zu 60 Millisievert erreichen könnte.

Das unerwartet hohe Strahlungsniveau in Reaktorgebäude 3 und die mangelnde Effektivität der Dekontamination verblüfften TEPCO und Regierungsvertreter.  Nun sehen sich beide zu einer Änderung bisheriger Pläne genötigt. Als zusätzliche Maßnahmen sollen weitere Deckschichten, an denen radioaktives Material haftet, abgetragen werden.

Außerdem will man auf ein Mittel zurückgreifen, das sowohl in stark belasteten Bereichen an einigen Lagertanks, als auch zum Schutz der Kraftwerksarbeiter bei der Bergung von Brennelementen aus Reaktor 4 Einsatz fand – die Verlegung von Metallplatten zur Abschirmung der Bodenstrahlung.

Es ist noch unklar, ob die notwendigen Anpassungen eine Auswirkung auf den Zeitplan zur Brennelementebergung im Fiskaljahr 2015 haben werden. Für den besonders betroffenen Reaktor 2 liegt dagegen derzeit nicht einmal ein fertiger Zeitplan vor, dieser soll in zwei Jahren erarbeitet werden.

Arbeiten am Schutzmantel von Reaktor 1 begannen zwar bereits, dennoch wird hier eine Verzögerungen bisheriger Pläne auf das Fiskaljahr 2019 erwartet. Über die unerwarteten Dekontaminationsprobleme an Reaktor 3 berichtete die NHK.

Kühlsystemprobleme entstanden durch menschliches Versagen: Gestern veröffentlichte TEPCO erste Meldungen und Aktualisierungen zum Halt des Kühlsystems am Abklingbecken des Reaktors Nr. 2 (Spreadnews berichtete). Jetzt liegen sowohl weitere Informationen, als auch Bildmaterial des Betreibers vor.

Fukushima-Reaktor 2: Kompressor des Kühlsystems am 27. November 2014 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2: Kompressor des Kühlsystems am 27. November 2014 (Foto: TEPCO)

Demnach ist der fünfstündige Ausfall darauf zurückzuführen, dass die Ventile zwischen einem Druckkompressor und der Pumpe, die für die Wassereinspeisung sorgt, geschlossen waren – offenbar hatte der Kompressor durch das Abstellen eines Betriebsschalters keine Luft mehr weitergeleitet, daher habe es nicht mehr ausreichend Druck am Ablassventil gegeben und die Pumpe gestoppt.

TEPCO schließt als endgültige Ursache für den Zwischenfall menschliches Versagen in Form einer fehlerhaften Abschaltung des Betriebsschalters nicht aus. Neben dem Unternehmen berichteten auch Präfekturmedien.  berichteten Präfekturmedien.

Verklappung vor Wochenende durchgeführt: Bei einer Verklappung am heutigen Freitag, liess Kraftwerksbetreiber TEPCO eine Gesamtmenge von 1.442 Tonnen an Grundwasser aus den Bergen ins Meer verklappen. Wie bei den bisherigen Verklappungen, traten nach Meldung des Unternehmens auch diesmal keine Probleme auf.

Die zwischen 10:04 Uhr und 15:46 Uhr durchgeführte Maßnahme, soll den Zufluss von sauberem Grundwasser unter das Kraftwerksgelände, die damit verbundene Kontamination und das daraus folgende Anfallen weiterer radioaktiver Abwasser verhindern. Der Beginn der Verklappungen war von TEPCO als wichtiger Schritt zur Bekämpfung der Wasserproblematik bezeichnet worden.

Unfaire Verträge bei AKW-Arbeitern: Die gestern veröffentlichten Ergebnisse einer zwischen August und September durchgeführten Befragung der Angestellten von Partnerunternehmen am AKW Fukushima Daiichi zeigen, dass annähernd 30 Prozent  unrechtmäßige Arbeitsverträge hatten.

Fukushima-Arbeiter vor Abfahrt des Busses am 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Mehr Fukushima-Arbeiter mit fragwürdigen Arbeitsverträgen (Foto: TEPCO)

Insgesamt beantworteten 4.587 und damit etwa 70 Prozent der 6.576 Vertragsarbeiter die Fragebögen.

In den betreffenden Fällen erfolgte die Auszahlung der Gehälter durch andere Unternehmen als dem eigentlichen Arbeitgeber, was einen Verstoß gegen das japanische Arbeitsrecht darstellt. Das stellt einen Anstieg von zehn Prozent gegenüber der Umfrage zwischen Oktober und November vergangenen Jahres dar.

Nachdem in der Vergangenheit sowohl illegale Vertragsbedingungen, als auch die Verheimlichung von zustehenden Gehaltserhöhungen und Gefahrenzulagen aufgedeckt worden waren, hatten Regierung und TEPCO eine Verbesserung versprochen, so dass etwa vergangenen November die Gefahrenzulage verdoppelt wurde.

Die aktuelle Befragung ergab dann tatsächlich auch, dass 70 Prozent der Befragten über den finanziellen Zuschuss informiert waren. Von den 2.400 Antworten auf diese Anfrage gaben 1.400 an, bereits erhöhte Gehälter zu beziehen. Die Verstöße der Unternehmen sollen nun genauer untersucht werden. Über die Ergebnisse berichtete die Kyodo.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here